Erstmal für alle Bratzekenner: Die Jungs haben es geschafft. "Korrektur nach unten" ist genauso gut wie der Vorgänger "Kraft" und packt vielleicht sogar noch ne Schippe oben drauf.
Für Bratzeneulinge: Seid ihr Fans von deutschen Elektro? Dann lohnt sich diese Scheibe, genauso wie der erwähnte Erstling des Hamburger Duos.
Es beginnt ganz gesittet. "Die auswendigen Muster" ist vergleichsweise brav und fungiert durch die leicht popartige Gangart schon mal gut als Opener der Platte. Und dann geht's auch schon so richtig los. "Menschen im Minus" ist so ein richtiger Bratze-Track. Allein der erste Strophenteil spricht Bände. Kostprobe gefällig? -
"Uwe, deine Kinder! Leider ham sie nichts gelernt. Aus ihren Augen säuft der Teufel, und dein Leben eine Lüge!". Das alles unterlegt mit punkigen Gitarrensamples und einem extrem nach vorne gehenden Beat macht schon einmal richtig Laune.
Danach rocken die Hamburger auch gleich weiter, mit dem als Single ausgekoppleten Song "Ohne das ist es nur noch laut". Hier nehmen die beiden richtig Tempo auf und man wird durch den treibenden Song quasi zur Bewegung genötigt und ist die ganze Zeit hin und hergerissen zwischen Tanzen und Textlauschen. Denn so einen Bratzetext kann man mit Sicherheit nicht beim ersten Hören komplett verstehen und erfassen.
Gefolgt wird dieser Song durch den Titel "Ich und die Geister". Etwas zurückgenommener im Sound setzt Bratze hier mehr auf den Text und lässt vorerst so etwas wie Ruhe einkehren. Mit dem nächsten Track, "Trapez" , nimmt das Album wieder Fahrt auf. Beginnend mit einem großartigen Sample von Timothy Daltons Synchronstimme Lutz Riedel wird unter krachenden Bässen und Hooklines über ein unbekanntes Stadtmoloch philosophiert.
Mit dem Titel "Mnch schon wieder dunkel" erreicht die Platte ihren Höhepunkt: Stimmlich unterstützt von Ira Atari rasten die Jungs hier völlig aus und präsentieren lauthals grölend einen absolut tanzbaren und textlich überzeugenden Track ab, der auch nach dem millionensten Anhören immer noch derbe nach vorne geht. Danach nimmt das Duo mit "Dazu kann man gut klatschen" viel Tempo heraus. Rein instrumental und eben ohne Gesang bleibt dem Hörer erstmal die Möglichkeit sich bei den klatschbaren aber eher ruhigeren Klängen ein wenig zu entspannen. Nachfolgend bäumt sich das Album nochmal auf.
"Pelikan" ist laut, rockig und extrem clubkompatibel. Warum der Titel so heißt, weiß aber nur der Teufel. "Das einfache Fluten" ist dagegen viel ruhiger aber textlich ein gelungenes Plädoyer für Leute die eigentlich schon immer ihr Facebookprofil mal löschen wollten. Als Schlussstück präsentieren die beiden Hamburger Jungs nochmal einen anfangs unauffälligen Track, nämlich den Song "Molfsee". Die ersten Minuten plätschert er so dahin, um dann die letzten 2 Minuten musikalisch völlig abzudrehen und in einem gitarrenkrachenden Akkordfinale nochmal alle Qualitäten dieser hoffnungslos unterschätzen 2er-Truppe unter Beweis zu stellen.
Ja, das ist Bratze. Bis zur Unkenntlichkeit verklausulierte Songwriter Texte, von Lyric-Genie ClickClickDecker, rabiat im Betonmischer zusammengemixt mit beinharten Elektrobrettern vom Genre-Veteranen Der Tante Renate. Funktioniert auf dem Papier weniger, macht aber real richtig was her. Was bleibt zu sagen? Dieses Album steht dem Vorgänger in keiner Hinsicht nach. Wie gewohnt präsentiert sich Bratze mit heftigen Elektrobeats, tanzbaren Bässen sowie ruhigen Tönen und grandiosen Texten die zum Nachdenken anregen. Jeder der "Kraft" mochte wird "Korrektur nach unten" lieben, und auch Neulinge sind beraten zumindest mal reinzuschnuppern.
Natürlich unterscheiden sich hier wieder die Geschmäcker, aber wer auch nur im Ansatz was mit Elektro am Hut hat, wird an diesem deutschen Powerduo nicht vorbeikommen.
Kurzum: Kaufempfehlung!