Der deutsche Komponist Erich Wolfgang Korngold (1897-1957) dürfte den meisten besonders durch seine bestechenden Filmmusiken und seine Oper "Die tote Stadt" bekannt sein. Dabei leistete der Komponist, dessen Stil einer gemäßigten Moderne zuzuordnen ist, auch seinen Beitrag zur zeitgenössischen Kammermusik. Die hier eingespielten drei Streichquartette mitsamt dem Streichsextett spiegeln wie keine andere Instrumentalgattung die Phasen im Schaffen Korngolds wider.
Sein Streichsextett in D Dur op. 10 ist ein Frühwerk des Wunderkindes Korngold. Erstaunlich ist, wie gekonnt der Komponist es versteht, Elemente der Spätromantik mit denen neuerer Strömungen zu kombinieren. Das zeigt bereits der komplexe Kopfsatz. Der langsame Satz verliert sich zwar bisweilen in Oberflächlichkeiten, doch das fein gearbeitete Intermezzo überzeugt voll und ganz. Auch die dichte Atmosphäre des Finals hat ihre Momente.
Das erste Streichquartett A Dur op. 16 ist ebenso ein frühes Werk, obschon es zehn Jahre nach dem Sextett entstand. Nach dem wilden Kopfsatz folgt diesmal ein wundervolles Adagio, das in Form einer Fantasie angelegt ist. Wieder verzichtet Korngold auf ein ungestümes Scherzo, setzt vielmehr auf ein gebrechliches Intermezzo. Dem Finale geht zwar hin und wieder die Puste aus, es fügt sich aber dennoch in den pittoresken Habitus dieses Quartetts.
Wieder mussten zehn Jahre vergehen, bis Korngold sein zweites Quartett in Es Dur op. 26 vorlegte. Der Ausdruck innerhalb dieses Werkes ist sehr konzentriert. Überhaupt dürfte es sich hier um das modernste seiner Quartette handeln. Der Kopfsatz ist schwer zu durchdringen und auch im eindringlichen Intermezzo lässt der deutsche Tonsetzer den Hörer nicht zur Ruhe kommen. Erst das friedliche Larghetto zeigt uns die lyrischen Seiten seines Schöpfers. Den Abschluss macht ein herrlicher Walzer.
Das letzte Streichquartett D Dur op. 34 von 1945 entstand in einer Phase, als Korngold beinahe ausschließlich Filmmusiken komponierte. Sowohl der Kopfsatz als auch das Scherzo zeigen uns einen Komponisten, der innerhalb der vielen Strömungen seiner Zeit seinen eigenen, individuellen Weg fand. Von besonderer Schönheit ist wiederum der langsame Satz mit der vielsagenden Satzbezeichnung "like a Folk Tune". Das bizarre Finale ist schnell verrauscht.
Die vorliegende Einspielung durch The Flesch Quartet mit Verstärkung durch den Bratschisten Ian Humphries und den Cellisten David Bucknall im Sextett entstand Ende der 80er/ Ende der 90er Jahre. Abgesehen davon, dass das Booklet von orthographischen Mängeln strotzt, darf der Hörer eine durch und durch gelungene Darbietung in sehr guter Aufnahmequalität erwarten.
Der Vortrag ist stets differenziert und transparent. Feine, zarte Nuancen und teils starke Akzente sorgen dafür, dass die innere Spannung der Kompositionen aufrecht erhalten wird, was besonders in den frühen Werken wichtig ist. Die Akteure setzen auf große Kontraste, so dass die langsamen Sätze noch heilsamer wirken.
Fazit: Gelungene Einspielung interessanter Kammermusik! Sicherlich eine angenehme Repertoireerweiterung.