"Vergessen Sie alles, was Sie bisher über das Quilten wußten", so etwa lautet einer der Ratschläge, die den Leser/die Leserin begleiten. Anhand wunderschöner alter Flickenstücke aus Zentralasien werden wir in die Technik des Korak-Nähens eingeführt. Genau wie anfänglich in England und den USA, entstand diese Tradition aus Sparsamkeit und dem Gedanken des Weiterverwertens von weniger verschlissenen Kleidungspartien. Aus solchen Stoffen fertigten die Frauen von Afghanistan und Usbekistan Türvorhänge und Decken für vielerlei Gebrauch. Diese Techniken sind einer ärmlichen bäuerlichen und halbnomadischen oder nomadischen Lebensweise entsprungen, es braucht keinen großen Tisch, keine Nähmaschine, keine Planung. Diese Technik richtet sich an spontane Naturen, die gern improvisieren. Eine gewisse Nähe zum "Quilt as you go" der amerikanischen Pionierzeit ist hier spürbar. Den Korak-Macherinnen wäre es nicht in den Sinn gekommen, Stoff extra für ein Korak zu kaufen, vielmehr liegt die Herausforderung im Verwerten des gerade Vorhandenen. Und ein großer Vorteil dieser Technik: An der Nähmaschine sitzt man meistens allein zu Hause. Ein Korak-Teil kann man gemeinsam mit anderen nähen oder in Mußeminuten außerhalb des Heims.
Ruth Tschudy führt uns Schritt für Schritt vom traditionellen zum frei gestalteten modernen Korak. Sie geizt auch nicht mit Erlebnisberichten, die -- weit über das Anekdotische hinaus -- dem Buch Tiefgang geben. Das ist etwas für Quilter(innen), die mit dem Herzen arbeiten, die wissen wollen, was sie tun und warum. Es regt dazu an, sich zu besinnen, wie wir vielleicht mit dem Stoff unseres Lebens gestaltend und aufarbeitend umgehen könnten.
Mit mehr Nahaufnahmen von der Technik und Bildern von den Werken anderer Quilterinnen würde ich versuchen, einen sechsten Stern zu geben.