Es gibt eine Reihe von Forscherinnen und Forschern, die sich mit dem Leben, der Sozialisation und der sogenannten "Integration" von Menschen ethnischer Minderheiten in der BRD auseinandersetzen. Folglich existiert auch eine Reihe von Literatur, die dem Thema gewidmet ist. Das ist wissenschaftlich und gesellschaftlich durchaus wichtig - im Endeffekt oftmals aber langweilig. Wer wirkliche Lebenserfahrung türkischstämmiger Migrantinnen kennenlernen möchte, sollte schleunigst zu dem Taschenbuch "Koppstoff - Kanaka Sprak vom Rande der Gesellschaft" greifen. Feridun Zaimoglu läßt in diesem Band - sozusagen als Folgeveröffentlichung des 1995 erschienen "Kanak Sprak" - ungeschminkt und ungeschönt meist jüngere Frauen türkischer Ethnizität zu Wort kommen, die von ihren alltäglichen Erfahrungen in der Form einer von vielen Lesern möglicherweise als hart empfundenen aber - nicht zuletzt deshalb - halt realen Reportage berichten. Die 24 jährige Streetfighterin kommt ebenso zu Wort, wie eine 34 jährige Künstlerin . Deutschlehrerin, Putzfrau und Prostituierte sind in dem Band vertreten. Individuen sprechen, geben ihren Lebenseindruck wieder und lassen somit ihre Realität dem Leser gegenwärtig werden. Dies ermöglicht Einblicke in Augenblicke der Leben der anonymisierten Frauen, die einem im "normalen Leben" wohl nicht möglich wären. Nachteilig alleine ist, daß die Protokolle der von Zaimoglu geführten Interviews genau so gedruckt wurden, wie offensichtlich gesprochen wurde. Aber vielleicht erhöht gerade das ja die Authentizität. Alles in allem: Sehr empfehlenswerte 135 Seiten, gerade auch für diejenigen, die die wissenschaftliche Integrationsdebatte eher marginal interessiert! Lukas Frankzewski (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)