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Als Stammesanführer der Wahehe widersetzte sich Sultan Mkwawa erfolgreich den kaiserlichen "Schutztruppen". Vor rund 100 Jahren wurde er zum "Reichsfeind" erklärt und auf seinen Kopf ein Kopfgeld von 5.000 Rupien ausgesetzt. Vergebens -- denn Mkwawas Guerillataktik standen die kaiserlichen Truppen drei Jahre lang machtlos gegenüber. Es bedurfte eines Vernichtungsfeldzugs, um Mkwawa in die Enge zu treiben, eines Vernichtungsfeldzugs, an dessen Ende er sich schließlich selbst richtete. Mkwawas Kopf wanderte nach Deutschland. Mit dem Versailler Vertrag, der auch die Rückgabe dieser grotesken Kriegstrophäe regelte, begann eine Suche nach dem Haupt des Sultans.
Martin Baers Film wird aus der Perspektive des Urenkels Mkwawas erzählt. Eine skurrile Reise durch die Schädelkammern der Republik und durch Schwarzafrika. Das Buch zum Film versucht diese Stationen der Dreharbeiten nicht nur nachzuerzählen, sondern nimmt die Geschichte des Schädels zum Anlass, ein Kapitel deutscher Kolonialgeschichte nachzuzeichnen.
Erwartungsgemäß tauchen bei der Vergangenheitsbetrachtung Tansanias hanebüchende Geschichten auf, die sich nicht allein auf die Aufstandsbekämpfung beschränken und Joseph Conrads Herz der Finsternis in nichts nachstehen. Die schonungslose Analyse lässt dabei weder den ersten Pionier Carl Peters -- der Pfarrerssohn wurde später als "Häng-Peter" bekannt -- noch die Kolonialnostalgie der Weimarer Republik aus.
Eine Kopfjagd ist allerdings mehr als nur eine Anklageschrift. Zwölf Exkurse lockern den Geschichtsunterricht auf und verweisen auf Skurriles und bisher Unbekanntes aus der Geschichte Tansanias, wie beispielsweise die Bemühungen der "Anti-Sklaverei-Lotterie", den Ursprung der SA-Braunhemden oder die Vorlage zum Film African Queen. Die umfangreichen Illustrationen zeigen vor allem die bizarre Seite der Historie und unterstreichen die groteske Seite der Selbstdarstellung der "Afrika-Helden".
So grotesk die Suche nach dem Schädel des Sultans sein mag, so fragt man sich doch, ob das vermeintlich überkommene Bild einer heilen Geschichtswelt, das dieser Groteske bedarf, nicht schon längst abgelöst wurde. Trotzdem ein gelungenes Buch, das ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte für ein breites Publikum umfangreich beleuchtet. --Marcus Welsch
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NICHTSDESTOTROTZ: Sehr informativ mit all den Details! Wenn man sie denn in den richtigen Zusammenhang stellen kann und auch einen Überblick über manch gute Seiten der deutschen Kolonie Ostafrika hat. Man möchte sonst verzweifeln an seinem "Geburtsstatus"!!!
Seltsam nur, daß niemand im Tansania unserer Tage willkommener scheint als ein bundesdeutscher Entwicklungshelfer et alteri, natürlich auch die mit dem dicken kapitalistischen Portemonne.
Aber wie gesagt: Trotz aller Intention ein Muß für jeden Kolonialinteressierten!!!
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