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Eine Kopfjagd. Deutsche in Ostafrika. Spuren kolonialer Herrschaft
 
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Eine Kopfjagd. Deutsche in Ostafrika. Spuren kolonialer Herrschaft [Taschenbuch]

Martin Baer , Olaf Schröter
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Aus der Amazon.de-Redaktion

Bernhard Grzimeks Tierfilm Serengeti darf nicht sterben ist es zu verdanken, dass Tansania jenseits von Afrika wenigstens landschaftlich im Gedächtnis existiert. Weitgehend unbekannt bleibt hingegen die Geschichte der ehemaligen deutschen Kolonie Ostafrika. Wahrscheinlich ebenso unbekannt ist die Geschichte des Häuptlings Mkwawa, der Ausgangspunkt für den gleichnamigen Dokumentarfilm Eine Kopfjagd von Martin Baer ist (Befreien Sie Afrika!).

Als Stammesanführer der Wahehe widersetzte sich Sultan Mkwawa erfolgreich den kaiserlichen "Schutztruppen". Vor rund 100 Jahren wurde er zum "Reichsfeind" erklärt und auf seinen Kopf ein Kopfgeld von 5.000 Rupien ausgesetzt. Vergebens -- denn Mkwawas Guerillataktik standen die kaiserlichen Truppen drei Jahre lang machtlos gegenüber. Es bedurfte eines Vernichtungsfeldzugs, um Mkwawa in die Enge zu treiben, eines Vernichtungsfeldzugs, an dessen Ende er sich schließlich selbst richtete. Mkwawas Kopf wanderte nach Deutschland. Mit dem Versailler Vertrag, der auch die Rückgabe dieser grotesken Kriegstrophäe regelte, begann eine Suche nach dem Haupt des Sultans.

Martin Baers Film wird aus der Perspektive des Urenkels Mkwawas erzählt. Eine skurrile Reise durch die Schädelkammern der Republik und durch Schwarzafrika. Das Buch zum Film versucht diese Stationen der Dreharbeiten nicht nur nachzuerzählen, sondern nimmt die Geschichte des Schädels zum Anlass, ein Kapitel deutscher Kolonialgeschichte nachzuzeichnen.

Erwartungsgemäß tauchen bei der Vergangenheitsbetrachtung Tansanias hanebüchende Geschichten auf, die sich nicht allein auf die Aufstandsbekämpfung beschränken und Joseph Conrads Herz der Finsternis in nichts nachstehen. Die schonungslose Analyse lässt dabei weder den ersten Pionier Carl Peters -- der Pfarrerssohn wurde später als "Häng-Peter" bekannt -- noch die Kolonialnostalgie der Weimarer Republik aus.

Eine Kopfjagd ist allerdings mehr als nur eine Anklageschrift. Zwölf Exkurse lockern den Geschichtsunterricht auf und verweisen auf Skurriles und bisher Unbekanntes aus der Geschichte Tansanias, wie beispielsweise die Bemühungen der "Anti-Sklaverei-Lotterie", den Ursprung der SA-Braunhemden oder die Vorlage zum Film African Queen. Die umfangreichen Illustrationen zeigen vor allem die bizarre Seite der Historie und unterstreichen die groteske Seite der Selbstdarstellung der "Afrika-Helden".

So grotesk die Suche nach dem Schädel des Sultans sein mag, so fragt man sich doch, ob das vermeintlich überkommene Bild einer heilen Geschichtswelt, das dieser Groteske bedarf, nicht schon längst abgelöst wurde. Trotzdem ein gelungenes Buch, das ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte für ein breites Publikum umfangreich beleuchtet. --Marcus Welsch

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 22.09.2001
Kühler Ton, scharfer Blick, brillante Fundstücke - das Buch hätte Sonja Zekri "umstandslos" empfohlen, wenn, ja wenn die Autoren bei der makabren Geschichte von der Jagd deutscher Kolonisten nach dem Kopf des Häuptlings Mkawa vom Stamm der Wahehe geblieben wären. Stattdessen aber muss es "die Kolonial- Geschichte Tansanias insgesamt" sein. Und das hat neben "allerhand Erhellendem" eben auch zur Folge, dass das Autorenduo "blind in die Kontinuitäten-Falle" tappt: "von der Enthauptung Mkawas geradewegs zu den Menschenversuchen in Auschwitz."

© Perlentaucher Medien GmbH

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
15 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Schon rein visuell legen die Autoren den roten Faden in ihrem Buch: Von "Hänge-Peters" über den enthaupteten Häuptling Mkwawa hin zu den Braunhemden der Nazis und deren ( nie auch nur realistisch angedachten) Re-Kolonialisierungs-Phantasien.
Nun wissen wir es endlich wieder: Die Deutschen sind einfach des Teufel's Volk, egal ob als Kolonisten, Missionare, Soldaten oder Braunhemden! Man betrachtet Geschichte wieder mal mit dem Entsetzen des heutigen Zeitgeistes, nicht aus damaliger Perspektive und dem "Puls der Zeit".
Egal, Kolonien sind Teufelswerke des Imperialismus, und so die Menschen dieser Epoche.
Nur gut, daß der Verlag- nomen est omen!- völlig außerhalb dieses Verdachtes steht und die Autoren selbstverständlich auf der zeitgeistgerechten, richtigen Seite der "Internationale" stehen!
Ein weiterer Baustein mit deutlicher politischer Tendenz , ganz in der Tradition der bekannten DDR-Kolonialbücher.
Mehr Primär-Quellen-Angaben und weniger einschlägig bekannte Sekundärliteratur wäre dem Werk angemessener gewesen, das sich nicht allein auf die "Kopfjagd" auf Mkwawa beschränkt, sondern eben oben genannten, politisch indizierten Bogen spannt.

NICHTSDESTOTROTZ: Sehr informativ mit all den Details! Wenn man sie denn in den richtigen Zusammenhang stellen kann und auch einen Überblick über manch gute Seiten der deutschen Kolonie Ostafrika hat. Man möchte sonst verzweifeln an seinem "Geburtsstatus"!!!
Seltsam nur, daß niemand im Tansania unserer Tage willkommener scheint als ein bundesdeutscher Entwicklungshelfer et alteri, natürlich auch die mit dem dicken kapitalistischen Portemonne.

Aber wie gesagt: Trotz aller Intention ein Muß für jeden Kolonialinteressierten!!!

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