Hip Hop in Deutschland ist in den letzten Jahren eher durch Machismo, Gewaltfantasien, dicke Autos, leicht bekleidete Frauen in Videos und auch sonst allerlei Dummheit wie Sexismus, Homophobie und Lokalismus gekennzeichnet. Die Akteure versuchen derart den sogenannten Gangsterrappern der USA nachzueifern, dass man meint Köln-Westside liegt neben L.A. South-Central. Die durchaus vorhandene Kritik an Gesellschaft und Politik, die solche Lebensumstände produziert gibt es zwar auch hier, geht aber leider neben dem ganzen Gehabe unter. Hip Hop in Deutschland hatte seine Anfänge vor 20 Jahren eher in politischeren Kontexten, was die ganzen 90er hindurch noch nachgewirkt hat (Freundeskreis, Torch, Curse u.a.). Die meisten von diesen sind allmählich vergessen und so kommt es, dass manch eine_r sich schämt, wenn man Hip-Hop als Leiblingsmusik angibt. Es wird schwer, klar zu machen, dass es noch was anderes in dieser Musik gibt, als die oben genannten Ausfälle.
Was einem dabei hilft. ist z.B. diese Platte von Sookee aus Berlin. Texte, persönlich, kritisch oder einfach zum zuhören und nachdenken geeignet. Um ihre Texte und Einstellung zu zeigen, ist es am Besten, sie selbst zu zitieren:
Für Wen? "Menschen, die sich trauen ihre eigene Definition von Coolness zu leben ohne sich dabei durch Herabwürdigung Anderer selbst zu erhöhen."
Warum? "Rap ist ein hervorragendes Mittel zur Kommunikation, das sich aus Musik, Sprache und Entertainment zusammensetzt und nicht nur Selbstverherrlichung, sondern auch sinnvollere Inhalte transportieren kann."
Mit welchem Ziel? "Rap wieder zu einer Musik zu machen, für die man sich, insbesondere nach Vollendung der Pubertät, nicht zu schämen braucht."
Musik, Flow und Skills gehen in Ordnung, sind aber nicht so mitreißend, dass man 5 Sterne geben kann. Schaut euch die Videos an, um rauszufinden, ob's euch gefällt. Wem Sookee zusagt, sollte noch Fiva MC aus München auschecken.