In "Kool Killer oder Der Aufstand der Zeichen" beschreibt Baudrillard den sozio-kognitiven Impact von visuellen urbanen Ausdrucksdrucksformen wie Graffiti, Scratching, Kroh-Art, Wassumtention, Stencils, Zozowhacking etc. Wenn man beachtet, dass Baudrillard seinen Essay bereits Ende der Siebzigerjahre verfasst, hat, mutet einem - angesichts der mittlerweile fast schon im Mainstream zu verortenden Künstler wie Banksy oder des Spacehijackers-Kollektivs - seine visionäre Gabe schon fast unheimlich an. Der Großteil der beschriebenen Phänomene ist in Europa erst in den Neunzigerjahren wirklich angekommen und mittlerweile ein fester Bestandteil urbaner Ausdrucksformen der Foucaultschen "Generation Q". Baudrillard versucht, die allgemeine Semiotik im Hinblick auf subkulturelle Strömungen weiterzuentwickeln. Der dabei verfolgte Ansatz einer Symbiose zwischen Systemtheorie nach Luhmann und Heideggers hermeneutischer Phänomenologie wirkt dabei zunächst recht vielversprechend, bringt aber letztlich eher Verwirrung als Erkenntnisgewinn. Ich habe es als hilfreich empfunden, parallel das ebenfalls gelungen übersetzte Werk "Agonie des Realen" zu lesen, denn auch hier nimmt Baudrillard leitmotivisch auf, was schon in "Kool Killer" thematisiert wird. In der Zusammenschau erhält man einen guten Eindruck des baudrillardschen Denkens zur Zeit seiner "période bleue".
Fazit: Das Buch enthält anregende Gedankengänge und ist für Semiotikinteressierte und Visual-Theory-Studenten ein must-have.