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Konzert für die linke Hand
 
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Konzert für die linke Hand [Gebundene Ausgabe]

Lea Singer
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 463 Seiten
  • Verlag: Hoffmann und Campe (17. Oktober 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3455401295
  • ISBN-13: 978-3455401295
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,6 x 4,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 248.440 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Lea Singer
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Ein Ausnahmeschicksal, das jeden fasziniert, denn es ist ein einziges Trotzdem. Maurice Ravel schrieb ihm sein Klavierkonzert für die linke Hand, Prokofjew sein viertes, Richard Strauss, Hindemith und Britten komponierten für ihn. Er hatte seine rechte Hand im Großen Krieg verloren. Seine Willensstärke und Konsequenz machten Paul Wittgenstein dennoch zu einem der berühmtesten Virtuosen seiner Zeit. Paul Wittgenstein war ein ganz und gar ungewöhnlicher Mann voller Widersprüche: ein Wahrheitsfanatiker, der ein Doppelleben führte, ein katholisch getaufter Jude, der alle Juden für unehrlich hielt, ein österreichischer Patriot, der 1938 in die USA emigrieren musste, ein hochbegabter Pianist, der im Krieg den rechten Arm verlor und weiter Konzerte gab. Der umschwärmte Sohn einer Familie, die als »die Krupps der Habsburger Monarchie« galt, heiratete die blinde Tochter eines Straßenbahnschaffners. Lea Singer geht den Dramen dieses Lebens einfühlsam, klug und mit großer sprachlicher Eleganz auf den Grund. »Lea Singer versteht es, aus ihren Recherchen Honig zu saugen.« NDR

Über den Autor

Lea Singer wurde in Kunstgeschichte, Musik- und Literaturwissenschaft promoviert. Sie ist Sachbuchautorin und Publizistin und lebt in München. Sie hat neben dem Prosastück Die österreichische Hure (2005) einige hochgelobte Romane geschrieben, unter anderem Die Zunge (2000), Das nackte Leben (2005) über das Schicksal und die Ehen der Constanze Mozart, Vier Farben der Treue (2006), welcher 1935 in Salzburg spielt, und zuletzt Mandelkern (Hoffmann und Campe, 2007), eine weibliche Faust-Geschichte über eine international renommierte Neurowissenschaftlerin.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Dieser neue Roman der in München lebenden Schriftstellerin Lea Singer erzählt die Geschichte eines Mannes, der in der Musikwelt zu einiger Berühmtheit gelangte. Paul Wittgenstein, Sohn der berühmten Familiendynastie der Wittgensteins und Bruder des später berühmt gewordenen Sprachphilosophen Ludwig Wittgenstein, hat im Ersten Weltkrieg seinen rechten Arm verloren und gibt dennoch seinen Traum, Pianist zu werden nicht auf. In der Folge werden viele berühmte Komponisten auf seine Bitten hin "Konzerte für die linke Hand" für ihn komponieren.

Der Roman ist nicht nur eine bewegende und faszinierende Familiengeschichte einer Familie, die Anfang des 20. Jahrhunderts in Österreich zu den wichtigen Häusern zählte. Es ist auch eine Geschichte Österreichs dieser Zeit und eine Geschichte der Juden in Österreich. Lea Singer dokumentiert romanhaft ein Familiensystem, in dem der mächtige Vater und Unternehmer Karl Wittgenstein eine derart dominierende und unnachgiebige Rolle spielt, dass auch die Tatsache, dass drei seiner Söhne Selbstmord verüben, ihn keinen Augenblick über seine Philosophie nachdenken lässt. Paul, die Hauptfigur in diesem voluminösen und ausführlich recherchierten Roman, versucht sich diesem Vater zu entziehen, obwohl er sein Leben lang der Dominanz und der Tradition der Familie und der Rolle der verschiedenen Frauen darin verhaftet bleibt. "Ich will mein Leben nicht zerstören", sagt er und kämpft sein Leben lang mit seiner Familiengeschichte.

Lea Singer erzählt die Geschichte dieses später weltberühmten Pianisten über insgesamt 34 Jahre und bannt den Leser in einen unwiderstehlichen Sog, indem sie Menschen und Familientraditionen schildert und gleichzeitig eine Zeitgeschichte erzählt von der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen und dem Schicksal der österreichischen Juden.
An einer Stelle des Buches resümiert sie: "Der Krieg im Hause Wittgenstein war ein Kampf um Liebe, obwohl keiner zu sagen gewusst hätte, was das war."
Ja, das ist das eigentlich Erschütternde an dieser Geschichte, wie lieblos und gefühllos die Menschen in dieser Familie auf die Welt kommen, sich in ihr bewegen und wieder aus ihr verschwinden.

Ich hätte mir am Ende des Buches gewünscht, dass die Autorin aufzeigt, welche Quellen sie benutzt hat für die zum Teil sehr intimen und privaten Informationen. Ich habe keinen Zweifel an der Gründlichkeit ihrer Recherchen, dennoch hätte mir weiter geholfen zu wissen, wem sie sie verdankt.

Auf den nächsten Roman von Lea Singer warte ich gespannt, denn auch der Vorgänger "Mandelkern" war ein ganz besonderes Lektüreerlebnis.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Spurensuche 27. November 2008
Von Heike Geilen HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Die angesehene Familie der Wittgensteins war in Österreich des beginnenden 20. Jahrhunderts so etwas wie die "Krupps der Habsburger Monarchie". Das Familienoberhaupt Karl Wittgenstein führte das häusliche Regime mit fester, seelenloser Hand. Drei Brüder werden sich durch Freitod diesem Drangsal entziehen, zwei noch zu Lebzeiten des übermächtigen Vaters. Paul, der sensible, künstlerisch ambitionierte Sohn wagt einen Ausbruch. "Ich will mein Leben nicht zerstören."

Er will weg von den perfekt geschliffenen Manieren im Hause, an denen man sich ohne Mühe schneiden, ja Glas ritzen konnte. "Manchmal wuchs in Pauls Träumen ein Stammbaum aus dem Boden, dunkel, an allen Ästen behängt mit schweren kupfernen Namensschildern, die im Wind klirrten und ihn, der unter einem Baum stand, bedrohten. Jedes von ihnen konnte ihm den Schädel spalten, stürzte es herab."
Der zerrissene junge Mann trägt sich mit einer tiefgreifenden Lebensentscheidung. Pianist will er werden. Der Vater tut den "Spleen" seines Sohnes als Marotte ab. Ein Wittgenstein prostituiert sich nicht mit Musik. Zwar gilt Kunst zu sammeln und auf höchstem Niveau zu musizieren als selbstverständlich, aber eine öffentliche Zurschaustellung der Kunst, nein danke. "Diese musischen Interessen waren als Krawattennadel zu tragen, Schmuck ohne Notwendigkeit." Der Hass auf den Vater wächst.

"Der Wunsch, den Vater zu ermorden, ist erfreulicherweise in der Wirklichkeit seltener als in Romanen, Dramen und den Mythen." Diese Worte wählt kein geringerer als Thomas Mann bei einer zufälligen Begegnung der Beiden am Strand.
"Mythen. Uranus wurde von seinem Sohn Saturn entmannt, Saturn, der seine Kinder aus Angst vor ihnen verschlang. Zwei Söhne hatte Karl Wittgenstein bereits aufgefressen. Die älteste Tochter des Saturn, Vesta, blieb ewig Jungfrau. Hermine, die Älteste, die Männerlose. Der einzige überlebende Sohn nötigte Saturn, die verschlungenen Kinder auszuspucken."

Die Mutter - eine Frau ohne Stimme und mit geneigtem Haupt, wenn der Patriarch in der Nähe weilt -, die Kinder auf ihre Art alle mit psychischen und seelischen Problemen. "Oft war es Paul, als bewohne er die luxuriöseste Irrenanstalt Wiens, wahrscheinlich der Monarchie. (...) Die Choreographie der Familie Wittgenstein war ohnehin kompliziert. Jeder gab vor, die Gemeinschaft zu suchen, und trachtete ihr zu entkommen. Was die Fluchtversuche meist vereitelte, konnte Paul nicht benennen. Oft dachte Paul, in einer Familie, die Trinker, Mörder oder Vergewaltiger in ihren Reihen wusste, müsse eine ähnliche Anspannung herrschen, die ständige Angst, eine Verderben bringende Neigung könne erneut ausbrechen. " Zwei von ihnen gelingt zumindest ein versuchter Ausbruch. Beide gelangten zu großem Ruhm, der sich nicht auf den Millionen ihres Vaters stützt. Der eine ist der jüngste Sohn Ludwig, der ein berühmter Philosoph wird und ebenfalls ausführliche Erwähnung im Buch findet. Dem anderen hat Lea Singer dieses Buch gewidmet.

Die Autorin erzählt über einen Zeitraum von 34 Jahren, das Leben des Mannes, der zum Weltklasse-Pianist avancieren soll, obwohl er zu Beginn des Ersten Weltkrieges seinen rechten Arm verlor. Doch ein ungebrochener Lebensmut lässt ihn daran nicht verzweifeln, sondern gar noch wachsen. Damals aufwärtsstrebende junge Komponisten wie Hindemith, Britten, Prokofjew, aber auch solche, die bereits einen angesehenen Namen besaßen (Ravel, Strauss) schrieben für ihn extra Klavierstücke für die linke Hand.

Das Buch verströmt einen permanenten Lesesog, dem man sich nicht entziehen kann. In einer wunderschönen, atmosphärisch dichten Sprache gelingt Lea Singer nicht nur eine einfühlsame Biografie der Familie Wittgenstein im Allgemeinen und Pauls im Besonderen, sondern ebenso ein eindrucksvolles Zeitzeugnis der sterbenden k.u.k.-Monarchie und der zerrissenen Zeit zwischen den beiden Weltkriegen.

Auch wenn Lea Singer jedes Jahr mindestens zwei Bücher veröffentlicht, so ist von Oberflächlichkeit in dieser "Abhandlung" nichts zu spüren. Akribische Recherchen lassen ein in sich stimmiges und vor allem spannend einfühlsames Bild einer tragischen Familiengeschichte vor den Augen des Lesers entstehen. "Man kann, glaube ich, kaum einen Menschen aus seiner Familie herausreißen", sagt die Autorin in einem Interview. "Jeder ist auch, wenn er seine Familie verlässt, durch sie definiert. Und diese Familie war ein besonders dramatischer Haufen und beweißt die Binsenweisheit, dass Geld nicht glücklich macht."

Fazit:
"Der Krieg im Hause Wittgenstein war ein Kampf um Liebe, obwohl keiner zu sagen gewusst hätte, was das war."
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Linke Hand 26. Mai 2011
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Was für Zeiten, was für Verhältnisse, was für eine Familie.
Paul wird in eine reiche,sehr reiche Familie geboren, von den fünf Brüdern bringen sich drei um, der vierte ist Zeit seines Lebens ein Sonderling,zugleich aber auch ein hochberühmter Philosoph,Ludwig Wittgenstein.

Paul ebenfalls eine Hochbegabung, wie auch zum Teil die anderen Brüder, wie etwa Hans, der verschollen war, vermutlich durch Selbstmord ertrunken.

So viele Parallelen mit der Familie Mann. Homoerotik spielt auch in dieser Familie eine unheilvolle Rolle.

Paul hätte sich umbringen können, als Pianist in den ersten Wochen des ersten Weltkriegs seinen rechten Arm verlieren, eine schreckliche-entbehrungsvolle Kriegsgefangenschaft zu überleben, in einer Familie zu leben, deren Gefühlskälte sibirische Qualitäten hatte. Aber er wählte einen anderen Weg. Schon in der bedrückenden Gefangenschaft trainierte Paul Wittgenstein ein Leben mit der linken Hand ( so detailreich in diesem Buch beschrieben,dass die eindrucksvolle Lebensleistung einen nur erstaunen lässt;man lese, wie sich Paul mit einer Hand die Nägel schnitt, für einen Pianisten eine höchst bedeutsame Angelegenheit).

Alles dies wird in diesem Roman so dicht verarbeitet, dass man ihn kaum beiseite legen mag,das eine oder andere versäumt, weil man so tief in die Geschichte hineingezogen wurde. Auf der Rückseite des Covers wird Frau Heidenreich zitiert, die nach 500 Seiten nicht gesättigt warund der Fortsetzung harrt. Ich bin durch die Überfülle der Ereignisse, die Vielzahl der Personen fast erschlagen. Diese Geschichte ist so dicht geschrieben, dass man sich von diesen ereignisreichen vierzig Jahren erst einmal erholen muss. Die Autorin bringt so unglaublich viele Details in diesem Werk unter, dass man es sicher mehrfach studieren kann, und wie bei einer grossen Komposition oder einem entsprechenden Gemälde immer wieder neue Aspekte entdeckt.

Dieses Buch entfaltet eine ganze Zeit,gespiegelt im Leben des Paul Wittgenstein und seiner Familie.

Eine grosse Bereicherung.
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