Konzentrationslager Flossenbürg
In Geschichte und Gegenwart
Bilder und Dokumente
Gegen das zweite Vergessen
So steht es jedenfalls auf dem Cover, allerdings kann ich das so nicht ganz bestätigen. Zunächst gibt es mal einen kleinen geschichtlichen Überblick in Kurzform - Mai 1938 bis heute auf drei (!!!) Seiten. Diese Informationen wären zwar sehr interessant, aber was hat der Autor daraus gemacht? Alles ist so oberflächlich und kurz gehalten, daß man eigentlich gleich darauf hätte verzichten können.
Ab Seite 17 geht es los, aber seltsamerweise mit den Evakuierungsmärschen, den sogenannten "Todesmärschen" im Jahr 1945. Die Vorkommnisse ab Entstehung des Konzentrationslagers bis zum Kriegsende werden nicht gesondert behandelt! Man kann sich natürlich einiges zusammenreimen, im Verlauf des Buches kommen immer wieder Informationen darüber, aber ich hätte doch gedacht, daß die Geschehnisse in der Zeit von 1938 bis 1945 am ausführlichsten von allen behandelt werden sollten.
"Gegen das zweite Vergessen" scheint dem Autor am wichtigsten gewesen zu sein, denn ein großer Teil des Buches dreht sich darum, was nach Ende des zweiten Weltkrieges in Flossenbürg passiert ist. Änderungen am Lager, Vermietung der Gebäude, Errichtung von Gedenkstätten ... da kann es schon passieren daß man in einem Bericht über Exhumierungen nach Kriegsende lesen muß, daß in Abens 3 Leichen ausgegraben und in Flossenbürg wieder eingegraben wurden, in Abensburg 11 Leichen ausgegraben und in Flossenbürg wieder eingegraben wurden usw. usw. Das alles auf sieben Seiten mit kleiner Schrift in alphabetischer Reihenfolge der Orte von Abens bis Zinzenzell. Natürlich sind diese Zahlen wichtig, aber so wie der Autor sie aufbereitet hat, blättert man einfach schnell weiter.
Das, was der Autor schreibt macht betroffen. Das kollektive Verdrängen, die Änderungen am Lager selber, die Nutzung als Flüchtlingslager nach dem Krieg, die Vermietung der Gebäude an Firmen, die Verkürzung der Haftstrafen der Täter ... all das darf nicht vergessen werden, aber deshalb darf man nicht das Grauen des Lagerlebens so stiefmütterlich behandeln.
Im Buch befinden sich zahlreiche S/W-Fotos, die nach Kriegsende bis heute aufgenommen wurden.
Es handelt sich hier um ein Buch, daß sich sehr bemüht, aber leider viel zu große Lücken in wichtigen Bereichen aufweist.