Vorerst die Kapitel des Buches:
1: Konversion zum Islam in Deutschland und den USA
2: Radikaler Wandel und religiöse Codierung. Zu einer Soziologie der Konversion
3: Der empirische und methodische Zugang zum Phänomen - eine funktionale Perspektive auf religiösen Wandel
4: Zur Form der Problemlösung: Konversion als symbolische Transformation krisenhafter Erfahrung
5: Typus I: Implementation von Geschlechtsehre
6: Typus II: Methodisierung der Lebensführung
7: Typus III: Symbolische Emigration und symbolischer Kampf
8: Konversion zum Islam in Deutschland und den USA - Zur Logik einer unwahrscheinlichen Option
Eine grobe Übersicht des Inhalts der drei Typen (Kapitel 5-7):
Typus I: Implementation von Geschlechtsehre
Hier geht es darum, dass ein Typ in dem Islam als Religion der Moral eine neue Ordnung der Geschlechterrolle findet, welche er vermisst in der eigenen Kultur/Religion hat.
Typus II: Methodisierung der Lebensführung
Kurzum wird hier durch den Einstieg in den Islam das Scheitern im eigenen Leben dadurch überwunden, dass man im Islam eine Disziplin findet.
Typus III: symbolische Emigration/symbolischer Kampf
Der Islam bietet eine globale Zugehörigkeit für seine Anhänger, wodurch ethnische Zugehörigkeitsprobleme überwunden werden können.
##############
Die Forschung von Prof. Sahr beruht auf 41 Interviews. 22 mit Frauen und Männern aus den USA und 19 aus Deutschland.
Worum es in ihrer Studie handelt bringt sie auf Seite 19 auf den Punkt: "Was in diesem Buch untersucht werden soll, ist die Funktion, die religöse Konversion im Rahmen von Biographien erfüllt. Es geht dabei um die Rekonstruktion des Problems, auf das die Konversion bezogen ist und um die Herausarbeitung der Problemlösung, die sich mit der Konversion verbindet."
Das eine Konversion, auch im Sinne einer ganzheitlichen Konversion ohne einem Problem welches in der Biografie verborgen ist stattfinden kann, etwa durch Begeisterung für Anderes oder Zufallsbegegnung mit muslimischen charismatischen Personen, wird durch diese Grundannahme ausgeklammert. Nicht jede erneuerte Einstellung eines Menschen muss in seiner Biografie mit einem Problem im weiten oder engen Sinne begründet sein. Eine Konversion aus intellektuellen Motivationen wie z.B. Überzeugung wird in diesen drei Typen gänzlich negiert.
Auch wenn Sahr argumentiert, dass ein Vergleich zwischen den meist afro-amerikanischen Konvertiten und deutschen vertretbar ist, trotz verschiedener Islam-Wahrnehmungen und sozialen Voraussetzungen, ist es fraglich ob die Untersuchung von Männern und Frauen gleichzeitig berechtigt ist, da die Konversionsgründe auch genderabhängig sein können. Trotzdem ist die Publikation hoch interessant und wegweisend in diesem Bereich, vor allem schreibt Sahr eine einfache Sprache, was leider bei Wissenschaftlern nicht immer der Fall ist.
Was diese Publikation auszeichnet, ist dass die Aussagen anhand den vertexteten Interviews begründet werden und somit rekonstruierbar sind. Sahr stellt also nicht einfach vollendete Thesen dar, sondern beteiligt den Leser mit.
Ein Problem ist das Publikationsdatum 1999, da die Wahrnehmung über und um den Islam sich seit dem 9/11 nicht unerheblichen entwickelt und unter Umständen auch gewandelt hat.