In einem Nachbarort von Darmstadt wird ein Schmied in seiner Werkstatt tot aufgefunden. Leider deuten alle Hinweise darauf hin, dass es sich hierbei nicht um einen Unfall handelte. Nicht nur das, dieser Tote steht in Zusammenhang mit dem Absturz eines Air Force Flugzeugs vor vielen Jahren und auch ein Insider der Darmstädter Polizei scheint verwickelt zu sein.
All das kommt Kommissar Rünz gerade sehr ungelegen, denn er schreibt an einem Bestseller unter Pseudonym (natürlich auch während der Arbeitszeit, denn Inspiration lässt sich nicht unterdrücken oder kontrollieren).
Hier nun der vierte Fall des misanthropischen Darmstädter Kommissar Rünz, der etwa ein Jahr nach
Homunculus: Der dritte Fall für Kommissar Rünz spielt. Ich habe die ersten drei Bände der Reihe sehr genossen, denn sie zeichneten sich durch eine gelungene Mischung aus interessantem Fall und exzentrischem Kommissar aus. Diesem vierten Fall jedoch ist die Ausgewogenheit zwischen dem eigentlichen Kriminalfall und dem lustigen Geplänkel um Rünz und seine Kollegen abhanden gekommen, der Fall rückt vollkommen in den Hintergrund und das ehemals lustige Beiwerk wurde zum Selbstzweck degradiert und verliert dadurch. Das Buch ist somit leider kaum noch als Krimi zu bezeichnen. In diesem Band geht es hauptsächlich um Rünz schriftstellerische Ambitionen und Breckers (Rünz Schwager) Probleme mit seine Ex-Frau und dem gemeinsamen Sohn Kevin. In die Handlung werden immer mal wieder Rünz schriftstellerische Ergüsse eingewoben, die jedem Hobbykrimiautor eine Warnung sein sollten wie man es nicht machen sollte, denn Rünz schreibt einen "knallharten Wissenschaftsthriller, ein literarisch ambitioniertes Echtzeit-Thrillerdrama mit Regionalbezug, eingebettet in eine romantische Liebesgeschichte, die in der Zukunft spielt. Ein klassischer Frauenroman im Gewandt eines intellektuell anspruchsvollen Science-Fiction-Mystery-Reißers. Histoentertainment mit Dokufiction-Character." Diese literarischen Ergüsse des Kommissar Rünz sind gepaart mit süffisanter Kritik an aktuellen Bestsellern. Auch die Business Macken von Rünz Chef Hoven dürfen natürlich nicht fehlen und die übliche Eheberatungszene, in welcher Rünz seine Frau terrorisiert gehört natürlich auch zum Standardrepertoire der Rünz Krimis. Es wundert immer wieder, dass die beiden sich noch nicht haben scheiden lassen vor allem bei Dialogen wie diesem:
"Hast Du eigentlich eine blasse Ahnung, was der ursprüngliche Sinn von Sex ist?"
"Klar! Ein bisschen Ablenkung vor dem Spätfilm. Sich die Wartezeit verkürzen."
"Sex dient eigentlich der Fortpflanzung", belehrte ihn seine Frau.
"Ich bitte dich", konterte er "Wir haben auch Beine zum Laufen, aber kein vernünftiger Mensch käme deswegen auf die Idee, morgens zum Bäcker zu gehen. Es gibt schließlich Autos." (S. 186)
Es wimmelt wieder vor Insider Witzen wie der wunderbaren Verbindung zwischen Batman und BAT-Gelhalt (S. 50). Auch das aktuelle Fernsehprogramm bekommt wieder einmal sein Fett weg, diesmal ist N24 dran (S. 155): "Das Sympathische an N24-Dokumentationen war die Redundanz der gesprochenen Kommentare, sie waren perfekt auf der beschränkte Aufnahmevermögen des männlichen Großhirns nach Feierabend abgestimmt. Alle paar Minuten wiederholte der Sprecher das zuvor Gesagte noch einmal in einfachen Subjekt-Prädikat-Öbjekt Sätzen."
Wie in den Vorgängerbänden sind auch in diesem Krimi wieder einige Sätze auf Englisch verblieben, die nirgends übersetzt wurde (S. 93, S.117), möglicherweise, damit Leser, die des englischen nicht mächtig sind nachvollziehen wie sich Rünz in diesem Situationen fühlt.
Der Fall jedoch, bei dem es doch in einem Krimi gehen sollte, ja dieser ist in diesem Fall nur Beiwerk. Nicht nur das. Der Fall ist prinzipiell schlüssig, er ist sauber belegt und recherchiert. Er hat einige wunderbare Querverbindungen zu einem Fensterputzer, der gleichzeitig Zeuge ist. Das ist alles sehr gelungen und gekonnt konstruiert. Aber der Fall ist eben auf schwer zu beschreibende Weise extrem, extrem in der Absicht, extrem in der martialischen Ausführung und extrem in seinen Folgen, was ihn wiederum sehr unglaubwürdig macht.
Fazit:
Die Bewertung fällt schwer. Hier muss man wohl differenzieren zwischen Rünz Fans und normalen Krimifans, die einfach mal einen Regionalkrimi lesen wollen.
Für Rünz Fans
wunderbar lockere Unterhaltung. Rünz in Reinkultur, mit vielen Verweisen auf alte Fälle. Wieder einmal eine wunderbare Krimi Persiflage, die Archetypen durch den Kakao zieht.
Für Rünz Fans 4-5*
Für Leser, die Rünz nicht kennen
und einfach nur einen Krimi lesen wollen definitiv nicht zu empfehlen, weil der Fall zu dünn ist und für einen normalen Krimifan einfach zu viel Beiwerk und zu wenig Handlung aufweist. 2-3*
Die Reihe
Mosquito. Kriminalroman *****
Binärcode. Der zweite Fall für Kommissar Rünz ****
Homunculus: Der dritte Fall für Kommissar Rünz *****
Kontrollverlust: Der vierte Fall für Kommissar Rünz ***