In diesem Krimi habe ich mich auf ein höchst sensibles und gleichzeitig hoch aktuelles Thema eingelassen: die Atomenergie bzw. das komplexe System der Energiepolitik. Doch wie gewohnt steht auch am Anfang dieses Krimis eine Leiche - Inger Oswald, der nur durch deshalb gefunden und identifiziert werden kann, weil das Förderband, auf dem seine Leiche liegt und das zum Schredder führt, nicht funktionierte und der Mörder offensichtlich von dieser Panne nichts wusste... Je intensiver sich Kommissar Gero Herbst mit dem Opfer und einem möglichen Motiv des Mörders auseinandersetzt, umso tiefer gerät er in die Mühle von bisher geheimgehaltenen Informationen. Inger Oswald's Tochter starb vor Jahren an Leukämie und er war offensichtlich auf der Suche nach den Verantwortlichen für ihren Tod. Doch wer ist schuld daran, dass sich in dieser Gegend die Erkrankungsfälle häufen? Inger hatte Zugang zu allen Bereichen und Flächen des ehemaligen Geländes, auf dem die alte Dynamitfabrik Nobel gestanden hat, die "wahrscheinlich größte Pulverkammer der Welt". Wurde Inger Oswald vielleicht sein Wissen zum Verhängnis, und wenn ja, was hat er herausgefunden, sodass er sterben musste?
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Ein Krimi, in dem es um mehr geht als um die reine Aufklärung eines Mordes. Hier geht es um geheime, immer wieder verdunkelte Gefahren, die entstehen und auftreten, wenn man mit Uran und strahlenden Materialien umgeht. Boris Meyn nimmt kein Blatt vor den Mund, stellt ein -zum Glück fiktives - Szenario dar, dessen Ursprung er im Frühjahr 1945 nehmen lässt, als der Krieg kurz vor seinem Ende steht, Norddeutschland bombardiet wird und der "Tommy" Steward Jackson mit seinem Fallschirm und einer wichtigen Mission im Wald nahe Geesthacht notlandet: seine größte Sorge während des Absturzes gilt dem Zustand seines Geigerzählers... Während der Ermittlungen zum Mord erhalten wir in zahlreichen Gesprächen viele sachliche, fachliche, aber auch politische Informationen zum Thema Atomenergie, Forschung usw., die jedoch manchmal schon recht spezifisch sind. Man muss schon ganz schön aufpassen, die Personen und Handlungszeiträume passend zuzuordnen und somit die Zusammenhänge richtig zu erfassen. Manchmal schwirrte mir regelrecht der Kopf vor der Fülle der Daten, die ich vorfand. Trotzdem merkt man schnell, dass sich irgenwie alles irgendwann zusammenfinden muss, dass alles ineinander übergreift und letztlich genau darin das Motiv für den Mord an Inger zu suchen ist. Man spürt, dass sich Herr Meyn intensiv mit dem Thema Energiepolitik bzw. Atomkraft auseinandergesetzt hat und ihm gelingt es, in unterhaltender Form auf dieses Thema einzugehen und vielleicht sogar ein wenig aufzuklären...
Ein spannender Krimi, für den man sich Zeit nehmen sollte, der zum nachdenken anregt und dazu, sich mit diesem wichigen Thema näher auseinanderzusetzen. Mehr als nur ein Krimi, aber trotzdem oder gerade deswegen absolut empfehlenswert für alle, die Spannung suchen und sich gleichzeitig mit einem höchst aktuellen Thema auseinandersetzen wollen.