Ich habe selten Bücher mit mehr Vorfreude gelesen als dieses, zumal mich dieses bedeutsame Ereignis der abendländischen Geschichte seit vielen Jahren beschäftigt.
Mein Fazit vorneweg: Das Buch liest sich wie ein spannender historischer Roman. Beim Lesen wird jedoch schnell klar, dass es sehr viele Merkmale eines Phantasy-Romans aufweist. Es enthält zu viele Interpretationen und Hypothesen des Autors. Bei den historischen Quellen hat sich der Autor fast vollständig auf die der Venezianer verlassen und die zahlreicher vorhandenen byzantinischen Quellen weitgehend ignoriert, oder als unglaubwürdig in Frage gestellt. Ganz absurd wird es, wenn sich der Autor auf osmanische Quellen bezieht, von denen er sicher wusste, dass sie teilweise erst Jahrhunderte später im Auftrage der Sultane als Heldenepen geschrieben wurden.
Das Ergebnis ist also eine Mischung au eigener Phantasie und Konsensfindung im Wikipedia-Stil. Die geschichtlichen Ereignisse werden so dargestellt, dass sich keine der betroffenen Parteien heute angegriffen fühlen muss - die Osmanen kommen halbwegs gut weg, genauso wie die die Griechen, die Italiener und sogar die katholische Kirche, die ja bekanntlich aus rein machtpolitischen Gründen eine Hilfe für die Glaubensbrüder in Konstantinopel verweigert hat. Bei Crowley liest es sich dann so, dass der Vatikan zwar helfen wollte, aber die Finanzen es nicht erlaubten.
Sehr wahrscheinlich hatte der Autor beim Schreiben auch gleich die Verfilmung im Sinn, denn wie anders lässt es sich erklären, dass er einen venezianischen Söldner zum alleinigen Helden der Verteidigung der Stadt hochstilisiert, der fast im Alleingang die Osmanen aufgehalten hat und das Schicksal der Stadt erst nach dessen Verwundung besiegelt war?
Die Enttäuschung ist, realistisch betrachtet, auch gar nicht anders zu erwarten gewesen, da nicht genug Aufzeichnungen dieses Ereignisses erhalten geblieben sind, um daraus einen Roman, samt Titelhelden und entsprechender Dramaturgie zu erschaffen. Der Autor war somit gezwungen, viele Lücken durch seine Fiktionen zu füllen, um eine zusammenhänge, spannend lesbare Erzählung abzuliefern.
Crowley ist sicher kein Däniken, ist aber trotzdem an der Aufgabe gescheitert, dieses historische Ereignis angemessen zu behandeln.