Bereits 35 Jahre hat das Buch von Christine Nöstlinger "Konrad - oder Das Kind aus der Konservenbüchse" bereits auf dem Buckel. Und auch nach all den Jahren hat die Geschichte nicht an Charme und Freude verloren. Nun ist im Oetinger Audio Verlag das gleichnamige Hörspiel erschienen. Die Produktion stammt vom WDR und ist mit erstklassigen Sprechern besetzt. Herausgekommen ist ein erstklassiges Kinderhörspiel, dessen Inhalt mehr als seltsam ist.
Denn die Geschichte beginnt, als eines schönen Tages, der Postbote Frau Bartolotti ein seltsames Paket liefert. Darin befindet sich das Konservenkind Konrad. Der siebenjährige Junge kommt frisch aus der Fabrik und freut sich auf seine neue Mutter. Kein Wunder, dass Berti Bartolotti mehr als erstaunt ist. Zurückschicken möchte sie den zuvorkommenden Jungen jedoch auch nicht. Also bleibt Konrad kurzerhand bei seiner neuen Mutter und die beiden freunden sich schnell an. Einzig, dass sich Konrad so gar nicht kindgerecht benimmt, macht Frau Bartolotti Sorgen. Er ist stets höflich, nie unartig, macht freiwillig Hausaufgaben und putzt sich unaufgefordert die Zähne. Ein seltsames Kind.
Ebenso seltsam ist die Geschichte. Man stelle sich nur mal vor, es gäbe wirklich Kinder aus dem Versandkatalog, die man sich nach Hause bestellen kann. Das schöne an diesem Hörspiel ist der totale Gegensatz von Mutter und Kind. Während Frau Bartolotti unkonventionell und weltoffen lebt, ist Konrad das genaue Gegenteil, ist immer genau und angepasst. Deshalb ist Berti Bartolotti ständig damit beschäftigt, sein Verhalten aufzulockern. Das führt zwangsläufig zu komischen Situationen. Etwas als es Eis zum Mittagessen gibt und Konrad verdutzt fragt, ob das denn in Ordnung ginge. Schließlich kennt er Eis nur als Nachtisch.
Oskar Köppen als Konservenkind Konrad und Manon Straché als Berti Bartolotti passen sehr gut zusammen und ergänzen sich hervorragend und Oskar Köppen liefert trotz seines jungen Alters eine sehr gute Leistung ab. Die Rolle des konservativen Konservenkinds spricht er grandios und mit seinem altklugen Unterton genau richtig. Im in nichts nach stehen Manon Straché und ebenso Horst Kotterba als Apotheker Egon. René Heinersdorff gibt den Erzähler dieser außergewöhnlichen Geschichte. Seinen Part erledigt er kindgerecht und mit einer samtigen Stimme weiß er zu überzeugen.
Nicht ganz so überzeugt hat mich leider die technische Umsetzung, die der WDR hier abliefert. An manchen Stellen klingen die Stimmen so weit weg, dass man unwillkürlich den Lautstärkeregler aufdreht. Dann wiederum ist Konrads Stimme wieder laut und deutlich, während die von Berti Bartolotti im Hintergrund nur dezent zu hören ist. Das stört beim Hören, weil man ständig mit dem laut- und leiser drehen beschäftigt ist. Dagegen sind die Geräuschkulisse und die verwendete musikalische Umsetzung sehr gelungen. Auch die Passagen, in denen René Heinersdorff als Erzähler zu hören ist und im Hintergrund die Handlung mit den Dialogen weitergeht, finde ich sehr gelungen. So wirkt das Hörspiel stets dynamisch und es entstehen keine langatmigen Stellen.
"Ein grandioses Stück Kinderliteratur" steht auf der Rückseite der CD. Diesem Zitat kann ich mich nur anschließen. Das Gehörte hat ab der ersten Minute gefallen und bis zum Schluss zu unterhalten gewusst.