Als Medien-Informatiker kannte ich bereits die mitunter nicht nur abenteuerlichen, sondern schlicht und ergreifend lebensgefährlichen Umstände, unter denen Zuse den ersten Computer baute. Wahrlich der Stoff für einen Roman oder einen Leinwand-Thriller. Nachdem mich das Buch von F.C. Delius über Zuse maßlos enttäuscht hatte, weil es sehr wenig mit Zuse zu tun hat, war ich allerdings skeptisch. Dieser Roman hingegen nimmt sich zwar einige künstlerische Freiheiten heraus, was das Innenleben des "Helden" angeht, hält sich sonst aber getreu an die Fakten. Zu meinem Erstaunen stimmen sogar die fachlichen Details. Es ist dem Autor zugute zu halten, dass er es schafft, den Leser tatsächlich in die damalige Zeit eintauchen zu lassen und durchgehend zu fesseln. Zuses Werdegang, speziell sein Verhältnis zu den Nazis scheint mir ebenfalls im Großen und Ganzen glaubwürdig dargestellt. Auch wer sich nicht für Computer interessiert, sondern einfach nur einen spannenden Thriller mit zeitgeschichtlichem Hintergrund sucht, wird den Roman nicht mehr aus der Hand legen. Das Besondere an dem Buch, das es von allen anderen mir bekannten Büchern über Zuse abhebt, ist neben dem Faktor "Spannung" aber, dass das Buch versucht, auch den Menschen Konrad Zuse verständlich zu machen. Wenn auch mit den Mitteln der Fiktion, erhält der Leser meines Erachtens hier wirklich den Eindruck, den Menschen hinter den Erfindungen kennen zu lernen, ein Stück weit in seine Seele hineinschauen zu können - sozusagen "Konrad inside". Das ist wirklich neu und wie ich finde in der Regel überzeugend gelöst. Auch wenn Zuse "in echt" vielleicht doch ein ganz anderer Mensch war, die Schilderung des Romans vor dem Hintergrund der damaligen Zeitumstände ist in sich höchst schlüssig - trotz oder gerade wegen mancher überraschender, dunkler Seiten des "Genies". Zu bemängeln habe ich lediglich, dass der Roman auf dem Einband verspricht oder zumindest suggeriert, das gesamte Leben Zuses darzustellen. Das stimmt jedoch nicht, der Roman endet mit dem Ende des zweiten Weltkriegs. Der weitere Lebensweg Zuses war wohl nicht spektakulär genug? Schade, da das Buch sehr kurzweilig zu lesen ist, hätte es ruhig noch umfangreicher sein dürfen.