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Konrad Lorenz. Biographie
 
 
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Konrad Lorenz. Biographie [Gebundene Ausgabe]

Klaus Taschwer , Benedikt Föger
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 344 Seiten
  • Verlag: Zsolnay; Auflage: 2 (8. September 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3552052828
  • ISBN-13: 978-3552052826
  • Größe und/oder Gewicht: 22,4 x 14,6 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 481.187 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Spektrum der Wissenschaft

E r redete mit dem Vieh, den Vögeln und den Fischen«, doch zugehört haben ihm vor allem die Menschen. Und das machte Konrad Lorenz (1903–1989) sowohl für Wissenschaftler als auch für Laien zur Symbolgestalt einer neuen wissenschaftlichen Disziplin: der vergleichenden Verhaltensforschung. Der geniale Beobachter und Vermittler war unter den Begründern der Ethologie die treibende Kraft. Seine charismatische Ausstrahlung und sein rigoroser Anspruch – von der »Gans aufs Ganze« und somit auch auf den Menschen zu schließen – führten zu begeisterter Gefolgschaft, provozierten aber auch heftigen Widerspruch.
Die Chance, sein eigenes Denken und Handeln im Kontext der leidvollen historischen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts zu verarbeiten, ergriff Lorenz leider erst sehr spät und zudem nur halbherzig. Er hinterließ keine Autobiografie, die sich als Mittel der Selbstprüfung und Bilanz oder gar der Rechtfertigung verstehen ließe, sondern nur ein anekdotisches Fragment. Diese Lücke kann auch die fesselnde Biografie der Wiener Wissenschaftsjournalisten Klaus Taschwer und Benedikt Föger nicht restlos füllen.
Nach deren Meinung muss Lorenz als »Verkörperung seiner eigenen Lehre« begriffen werden. Leben und Werk gingen in seiner Person eine untrennbare – mitunter sogar unheilvolle – Verbindung ein. Der »Vater der Graugänse« war Parteigänger der braunen Diktatur. Und dies hat nicht nur dem Seelenfrieden des Nestors der Verhaltensforschung, sondern auch der Reputation des ganzen Fachgebiets nachhaltig geschadet.
Gestützt auf ein profundes zeitgeschichtliches und ethologisches Wissen, versuchen die Biografen vor allem jenen Widerspruch aufzulösen, der Bewunderer wie Kritiker nach wie vor beschäftigt: Wie konnte sich dieser wahrhaft seherische Verfechter des Wahren, Guten und Schönen auch nur ansatzweise mit der brutalen Gegenwelt der Nazis gemein machen?
In seinem Partei-Aufnahmegesuch vom 28. Juni 1938 betonte Lorenz, dass seine »ganze wissenschaftliche Lebens-arbeit, in der stammesgeschichtliche, rassenkundliche und sozialpsychologische Fragen im Vordergrund stehen, im Dienste nationalsozialistischen Denkens steht«. Formulierte hier jemand allein aus naivem Enthusiasmus oder karrierestrategischem Opportunismus? War Lorenz nur ein vergleichsweise harmloser Mitläufer, an dem sich die Tragik des unpolitischen genialen Wissenschaftlers studieren lässt?
Jene nicht nur auf dem politischen Feld immer wieder auffällig gewordene Naivität des »guten Menschen von Altenberg« ist für Taschwer und Föger vor allem das Ergebnis der überlangen Sozialisation in jener märchenhaften elterlichen Villa an der Donau bei Wien. Nur ein solches Milieu konnte einen derart sensiblen, hochbegabten und zugleich auch weltfremden Zögling hervorbringen.
Eugenisches Gedankengut war in jener Zeit international weit verbreitet, konnte von den Nazis leicht vereinnahmt und zum zentralen Anliegen erhoben werden. Insofern überrascht es nicht, dass Lorenz als glühender Anhänger Darwins und bekennender Eugeniker geradewegs in den Dunstkreis der nationalsozialistischen Rassentheorie hineinschlitterte. Immerhin, die grauenhafte Praxis des Rassenwahns überstieg selbst das Vorstellungsvermögen erklärter Regimegegner. Insofern erscheint Lorenz’ spätere Versicherung, er habe die ungeheuren Verbrechen lange Zeit nicht wahrhaben wollen, durchaus glaubhaft.
In seinen »Memorrhoiden«, wie Lorenz seine autobiografischen Aufzeichnungen selbstironisch bezeichnete, heißt es: »Der Vorgang, den Sigmund Freud ›Verdrängung‹ nannte, hat eine dämonische Macht über den Menschen, von der man sich keine Vorstellung macht.« Möglicherweise hat Lorenz unter seinen ideologischen Verirrungen mehr gelitten, als es selbst seine nächsten Angehörigen und Freunde wahrgenommen haben. Der greise Nobelpreisträger war sich jedenfalls der blinden Flecken seiner Erinnerung bewusst.
Die Biografen sind fair. Sie messen Lorenz nicht mit den Maßstäben der political correctness unserer Tage. Dennoch gleicht ihr Buch streckenweise dem Protokoll eines Untersuchungsausschusses, wobei die Gewichtung des teils belastenden, teils entlastenden Materials zumeist dem Leser überlassen bleibt.
Die wissenschaftliche Leistung des Forschers gerät dabei allerdings in den Hintergrund. Taschwer und Föger sind vor allem an der moralischen Qualität dieses Forscherlebens interessiert. Das schlägt sich auch im Anhang nieder, der neben vielen Anmerkungen und Quellenhinweisen zwar ein Literatur- und Personenregister, doch kein Sachregister aufweist. Einzelheiten etwa zur spannenden Entwicklungsgeschichte der ethologischen Begrifflichkeit findet nur wieder, wer auch weiß, dass man zur »Prägung« unter »Heinroth«, zum »Instinktbegriff« unter »Tinbergen« und zur »Kettenreflextheorie« unter »von Holst« suchen muss.
Lorenz’ begeisternde Naturschilderun-gen, die seine weltweite Popularität begründeten, spielen in diesem Buch kaum eine Rolle. Die Biografen spekulieren – nicht ganz zu Unrecht – auf eine vor-gebildete Leserschaft, für welche die schlichte Erwähnung des »Gänsekinds Martina« oder der »Dohle Tschok« augenblicklich eine schönere Welt anklingen lässt. Eine Welt, die uns Lorenz immer noch als den Inbegriff des glücklichen Naturforschers erscheinen lässt.
»Ich behaupte in aller Unbescheidenheit, dass ich mehr über Tiere weiß, sie tiefer verstehe als irgend ein anderer Mensch, den ich kenne.« So lautet die Selbsteinschätzung jenes »König Salomon in Lederhosen«, die von seinen kritischen Biografen uneingeschränkt geteilt wird. Denn für jeden, der Tieren wirklich nahe kommen will, bleibt Lorenz ein unverzichtbarer Lehrer. Taschwer und Föger ist der Nachweis gelungen, dass dem Andenken einer so vielschichtigen und widersprüchlichen Persönlichkeit wie Konrad Lorenz nicht durch Vertuschung unbequemer Tatsachen gedient ist, sondern allein durch sorgfältige Wahrheitssuche.
-- Reinhard Lassek

Pressestimmen

"Ein außergewöhnlich detailreiches Bild des bis heute umstrittenen Gänsefans." Philip Bethge, Der Spiegel, 38/03 "Eine sehr empfehlenswerte Biografie" Harry Nutt, Frankfurter Rundschau, 07.11.03

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Von Ulrich Hartmann TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Konrad Lorenz war, ähnlich wie Einstein, einer der populären Wissenschaftsstars des 20. Jahrhunderts. In den letzten Jahren ist es still um ihn geworden. Es ist gut, daß man sich zu seinem 100. Geburtstag wieder an ihn erinnert, denn bei Lorenz lernt man nicht nur viel über die Tiere kennen, sondern über sein Leben erfährt man auch exemplarisch einiges über die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Bisher schrieben über Lorenz entweder Bewunderer oder erbitterte Gegner. Diese Biographie wahrt endlich die Mitte. Sie erwähnt seine Leistungen, aber auch seine Irrtümer, zeigt seine Größe, aber auch seine Schwächen, bisweilen ironisch, aber nie polemisch. Auf Lorenz' Rolle im 3. Reich wird ausführlich eingegangen, aber dieses Thema bestimmt nicht das ganze Buch. Vielleicht bleibt die Darstellung ein bißchen zu sehr beim Biographischen; die ideengeschichtlichen Zusammenhänge treten zurück. (Zum Beispiel hätte mich der Einfluß von Haeckels Monismus auf das Lorenzsche Denken interessiert!) Und obwohl die Autoren selbst schreiben, daß bei Lorenz' Geschichten Dichtung und Wahrheit oft nebeneinander stehen, übernehmen sie doch vieles ungeprüft. (Zum Beispiel die Geschichte vom Star, der nach Fliegen schnappt, die gar nicht da sind. Sie ist vermutlich erfunden.) Trotzdem ein erfreuliches, gut geschriebenes, interessantes und unterhaltsames Buch.
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Format:Gebundene Ausgabe
Benedikt Föger und Klaus Taschwer haben ein lesenswertes Buch geschrieben, indem sie mit aussagekräftigen Dokumenten den wissenschaftlichen Karriereverlauf eines Mannes in Erinnerung rufen, der in enthusiastischer Überzeugung den nationalsozialistischen Weg vom antisemitisch-rassistischen Gedanken zur ,endlösenden' Tat wissenschaftlich untermauerte.
Der promovierte Mediziner und Zoologe, Konrad Lorenz, fühlte sich verkannt unter der Regierung der schwarzen Schweinehunde". Finanzielle Nöte, Habilitation (für Zoologie) nur mit grossen Schwierigkeiten - auch der ersehnte Direktorsposten des Tiergartens Schönbrunn blieb ihm verwehrt. Mit einem Tag im März 1938 war alles anders, wir jubelten wie kleine Kinder - für Wissenschaftler ist es eine Erlösung". Aber nur für arische. Während Lorenz' Frau im Brigittaspital durch Hinausschmiss polnischer Juden zur kommissarischen Leiterin der Kinderabteilung aufgerückt" war, wurden von ihm die freigewordenen Stellen sondiert. Das Wiener Psychologische Institut etwa wollte Lorenz, gemeinsam mit dem SS-Mann Auersperg, wieder auf Vordermann bringen. Für ihn ging es nicht an, dass die Humanpsychologie ... merklich von dem Gedankengut der jüdisch-daherredenden und wortschwelgenden Judengrössen durchsetzt ist. Eine der wenigen Fälle, wo ich das Schädlingstum der Juden uneingeschränkt anerkenne". Und für Schädlinge hatte Lorenz sein Verständnis, das er aufgeregt zu Papier brachte. Nicht nur für ihn war naturgegeben, dass der ethisch-moralische Verfall mit der Domestikation des Menschen Hand in Hand gehe. Rassepfleger" sollten daher den Volkskörper vor mit Ausfällen behafteten Elementen" schützen. Und: Sollte sich dagegen herausstellen, dass unter den Bedingungen der Domestikation keine Häufung von Mutationen stattfindet, (...) so müsste die Rassenpflege dennoch auf eine noch schärfere Ausmerzung ethisch Minderwertiger bedacht sein, als sie es heute schon ist." 1939 geschrieben, 1940 publiziert und man rief den politischen Biologen nach Königsberg, auf den Lehrstuhl, den einst Immanuel Kant innehatte. Ehrenamtlich folgte die Mitarbeit an der rassenpsychologischen Studie mit deutsch-polnischen Mischlingen in Polen, über deren eignungspsychologische Wertigkeit hinsichtlich einer möglichen Einbürgerung. Wert-Unwert; geeignet-ungeeignet - die SS zeigte grosses Interesse. Wenig später wollte das Konrad Lorenz nicht mehr interessieren, sondern vergessen.
Benedikt Föger und Klaus Taschwer haben ein wichtiges Buch geschrieben, obwohl sie ihren Anspruch, das Leben und Werk von Konrad Lorenz in den Jahren 1930 bis 1950 im Detail nachzuzeichnen, nicht ganz erfüllen konnten. Flott geschrieben wirkt die Arbeit, oberflächlich gerät die wissenschaftshistorische Positionierung des Lorenz'schen Werkes, fragmentarisch bleiben die Ausleuchtungen biographischer Interdependenzen. Trotzdem: es tut der Anerkennung der Arbeit keinen Abbruch. Die Autoren erzählen eine nicht untypische Karrieregeschichte während des Nationalsozialismus, die einen selbsternannt ,unpolitischen' Wissenschaftler zu erkennen gibt, der sich für den Lohn gesellschaftlicher Anerkennung als Ideologe einem mörderischen System andient. Eine Karrieregeschichte, die abermals zur ernüchternden Erkenntnis führt: das sogenannte Böse ist banal. So wie es Konrad Lorenz war.
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