Redmond O'Hanlon ist Abenteurer grossen Formats, ein intelligenter und aufmerksamer Erzähler obendrein. Wer ihm bereits „Ins Innere von Borneo" oder in den südamerikanischen Dschungel gefolgt ist, wird ihn auch in den Kongo begleiten, mal wieder auf der Suche nach irgend etwas, dass der Reise einen scheinbaren Sinn gibt (im Falle der Kongoreise handelt es sich um den Kongo-Saurieres „Mokélé-mbembé"), in der Hoffnung auf Erlebnisse, von denen man Ende doch lieber nur lesen möchte.
O'Hanlon beschrieb sein „Kongofieber" über einen Zeitraum von mehreren Jahren, immer wieder unterbrochen von Malariaanfällen. Man könnte vermuten, dass dieses Buch eine wirklich intensive Auseinandersetzung mit seiner „Forschungsreise" zum verbotenen See Lac Télé geworden, eine in Ihrer Detailliertheit stärker ausgearbeitete Erzählung als die vorher veröffentlichten Reiseberichte ist, und so ist es.
Die distanzierte, vornehme, humorvoll-trockene und naturalistische Erzählweise O'Hanlons prägt auch die Beschreibung seiner Reise von Brazzaville in den Urwald des Nordens der Demokratischen Republik Kongo. Begleitet wird er neben einem einheimischen „Expeditionstrupp" von seinem amerikanischen Freund Lary Shaffer, dem man angesichts der - sagen wir - existenziellen Unbequemlichkeiten keinen Vorwurf daraus machen mag, dass er die Reise (vereinbarungsgemaess) nach 3 Monaten beendet. Dabei hat man ihn über die Zeit liebgewonnen.
O'Hanlon beschreibt die Menschen im Kongo, deren Beziehungen zueinander (Mit einem unglaublichen Gedächtnis für ihre Geschichten und Unterhaltungen!) und insbesondere - das wird den einen oder anderen stärker beanspruchen als erwartet - die Tierwelt Zentralafrikas. Er bestimmt und beschreibt jeden Vogel, dessen er ansichtig wird, verfolgt jede denkbare und undenkbare Krankheit bis in ihre parasitären und bakteriellen Wurzeln, setzt mehr naturwissenschaftliches Interesse beim Leser voraus als eine Promotion in Verhaltensphysiologie und teilt unsere Leidenschaft für Gorilla-Scheisse und Hauterkrankungen infolge Himbeerseuche mit grösster Hingabe.
Ein äusserst lehrreiches, authentisches, bisweilen komisches Buch eines tatsächlichen „Individualreisenden". Ich freue mich auf seine nächste Reise. Ich gebe dem Buch nur 4 Sterne, weil ich die Lektüre einige Male für Tage unterbrochen habe und mir der erneute Einstieg manchmal sehr schwer fiel; das kann nicht nur an mir liegen. In seinem Drang, alles Geschehene und jeden Zusammenhang aufzuzeichnen, verliert sich, so meine Empfindung, die Reise gelegentlich im Personenkreis der Reisegefährten. Aber das entspricht wohl auch dem Einfluss, den die Kongolesen mit ihrem natürlichen Mystizismus auf ihn hatten.