Sebastian Klipper hat sich eine wichtige Facette von Security und Privacy Awareness - vielleicht die wichtigste - herausgepickt und eine vollständige Monografie darüber erarbeitet, die daherkommt wie ein fast komplettes Handbuch zu den Grundlagen systemischer Kommunikation. Hierin geht es aber weder um allzu banale Schulungen, noch um stilisierte Marketing-Kampagnen, die Mitarbeiter sensibilisieren sollen, sondern um sämtliche Formen der Interaktion zwischen allen Beteiligten eines Unternehmens ' um offizielle und um die des berüchtigten Flurfunks - , die der Autor durch die Brille des Regisseurs als s.g. "Darsteller" auf der "Security-Bühne" begreift.
Jegliche Kommunikation ist "gemacht". Demnach kann man auch ihr (wenn auch manchmal "geheimes") Drehbuch einfach umschreiben. So Klippers Basisthese. Warum umschreiben? Weil sich in die Interaktion zwischen Securitymanagern, Datenschützerm Chefs, IT-Mitarbeitern, Normalos & Co. häufig etwas hineindrängt, das mit der Sache im Grunde nichts mehr oder wenig zu tun hat und die für einen konstruktiven Austausch wichtige zugewandte Interaktion auf Augenhöhe stört. Die Dialoge des 'Security-Drehbuchs" richten sich (auch) nach der Befindlichkeit des Einzelnen im Untenehmen. Unternehmens- und Sicherheitskultur plus persönlicher Verfassung bestimmen die Gangart und damit das (häufig neurotische) Miteinander. Und weil Security und Privacy als 'sensibles Pflänzchen' mehr noch als andere Unternehmensbereiche auf gut Deutsch die s.g. 'Arschkarte" in sich tragen, wirkt sich der 'Fliegendreck' (s. Cover) hier ganz besonders verunreinigend und störend aus.
Dieser Ansatz ist nicht so weit weg von den tiefenpsychologischen Studien, die known_sense seit 2006 mit diversen Partnern produziert hat. Und siehe da: diese sind neben den besagten Kommunikationsklassikern auch ständige Bezugspunkte in den Zitaten und Fußnoten Klippers. Klar, Klipper hat viel gelesen und weiß die Dinge, die er dabei gelernt hat, schlau miteinander zu verknüpfen. Klipper verfügt aber trotz seines juvenilen Auftritts über eine große Erfahrung durch seine langjährige Arbeit als Sicherheitsbeauftragter. Dem Buch kommt das immer dann zugute, wenn er den Mix aus Theorie und Praxis zu erden und alltägliche Situationen zu beschreiben weiß, die jeder Securitymanager, ob nun klischeehafte Kellerassel, abgehobener und oft alltagsfremder Managertyp oder irgendwo dazwischen als Fräulein Rottenmeier, Mutter Teresa oder Columbo, zu goutieren wissen müsste, weil er sie mit Sicherheit schon (mindestens) einmal in seiner Praxis erlebt haben sollte.
Security- und Privacy-Probleme bzw. -Vorfälle sind mithin stets auf Kommunikationsstörungen zurückzuführen. So das Fazit des Buchs. Denn auch technische oder organisatorische Probleme sind 'menschgemacht'. Das Wissen darum und das Sezieren der sensiblen Einzelteile aus Perspektive des Zuschauers ist das eine ' die Betrachtung der eigenen Anteile auf der Bühne und damit die Selbsterkenntnis etwas anderes. Die Sicherheitsprotagonisten brauchen die Bühne und aber auch den Blick von Außen. Supervision könnte eine Lösung sein. Über die professionelle Unterstützung z.B. durch Supervision, Coaching & Co. schreibt Klipper sehr zurückhaltend. Zu wenig, wollte er sich doch offenbar nicht dem Vorwurf de Affirmation aussetzen. Vielleicht wäre dies aber in einem Buch über Security Management in seiner aktuellen Ausprägung noch zuviel des Guten. Gut aber, dass es dieses Buch gibt. Gehört daher ins Regal jedes Sicherheits- und Datenschutz-Profis. Ganz sicher!