Für viele Kinder und Jugendliche ist Gewalt das einzige Mittel, um Probleme zu lösen. Dies tun sie nicht, weil sie Gewalt gut finden, sondern weil sie keine andere Möglichkeit sehen.
Sie lernen von Erwachsenen, daß man um des eigenen Vorteils willen andere wegschieben kann. Sie sehen Filme, die belegen, daß man nur mit Gewalt etwas erreichen kann, und sie wollen in ihrer "PeerGroup" nicht als schwach abgestempelt werden.
Tatsächlich aber sind Kinder und Jugendliche sehr wohl in der Lage, sich in Konflikten konstruktiv zu verhalten und ihre Probleme untereinander zu regeln. Unsere Erfahrung ist, daß sie dies auch wollen, wenn sie einen Weg dafür sehen.
Um Kindern und Jugendlichen die dazu notwendigen Fähigkeiten und Fertigkeiten zu vermitteln, haben wir das Offenbacher Trainingsprogramm entwickelt. Es soll ihnen helfen, auf Gewalt als Mittel zur Lösung von Konflikten zu verzichten. Dabei gehen wir von dem Grundgedanken aus, Kinder und Jugendliche nicht als Problemverursacher, sondern als Problemlöser zu betrachten. Ein großer Teil des Programms ist darauf angelegt, die Problemlösungskompetenzen von Kindern und Jugendlichen zu fördern.
Unser Programm ist für Pädagoginnen und Pädagogen gedacht, die in Schulen, Kindergärten und Jugendeinrichtungen nach neuen Wegen suchen, die Lern- und Arbeitsatmosphäre an ihren Einrichtungen zu verbessern.
Es ist auch ein Beitrag zur aktuellen schulpolitischen Diskussion, die mehr Eigenverantwortung und Eigenaktivität von LehrerInnen und SchülerInnen fordert.
Das Trainingsprogramm enthält eine Fülle von Anregungen, um in einer anderen, konstruktiven Art und Weise in Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen mit Konflikten umzugehen.
Das Training soll den PädagogInnen helfen, Konflikte früher zu erkennen und schneller sozial-integrative und deeskalierende Lösungen zu finden.
In 8 Bausteinen und 28 Einheiten werden Übungen und Methoden für einen konstruktiven Umgang mit Konflikten vorgestellt. Die Palette reicht von einfachen Übungen und Spielen zum Kennenlernen bis zu einem systematischen Mediationstraining und Vorschlägen zur strukturellen Verankerung von Mediation an den Schulen.
Das Konzept wurde auf der Basis verschiedener Ansätze entwickelt: Mediation, Peer-Group-Education, Konfliktmanagement und Projektmanagement flossen ebenso ein wie Ergebnisse der Kommunikationsforschung. Ein Teil wurde aus dem Englischen übersetzt und umgearbeitet.
Dabei haben wir Hilfe und Unterstützung von vielen Seiten erhalten. Viel gelernt haben wir von Christoph Besemer und Renate Wanie von der Werkstatt für gewaltfreie Aktion, Baden, von Antje Rothermund vom Europäischen Jugendzentrum des Europarates in Straßburg und Dr. Thomas R. Henschel von der Forschungsgruppe Jugend und Europa an der Universität München.
Über 2 Jahre haben wir an dem Manuskript für dieses Trainingshandbuch gearbeitet. Die Übungen wurden mehrfach erprobt, nach diesen Erfahrungen verändert und neu geschrieben.