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Mythen übernehmen bei der Entstehung von Nationalstaaten oft die Rolle gleichsam von Geburtshelfern. Indem sie scheinbar objektive Gründe für Taten der Machthaber liefern, legitimieren sie deren Handlungen -- und beruhigen das Gewissen. Trojanischen Pferden gleich überwinden sie mit der Zeit die Mauer der Wahrheit und werden Teil des Geschichtsbewusstseins eines Volkes.
Am Beispiel des israelisch-palästinensischen Dauerkonflikts demonstriert der umstrittene amerikanische Politologe, warum Mythen in die Welt gesetzt werden und was sie bewirken. Sein Ziel ist aber nicht nur ihre Beschreibung, sondern ihre Entzauberung. Finkelstein wählt hierbei folgenden Weg: Akribisch seziert er zentrale Standardwerke israelischer Geschichtsschreibung, die immer wieder als (pseudo)wissenschaftliche Rechtfertigung für Mythen herangezogen werden. Durch den Nachweis falscher Fakten und Interpretationen zeigt er Fehler in der Geschichtsschreibung klar auf. Beispiel: Joan Peters behauptet, die Juden, die in den 40er-Jahren in Palästina eingewandert waren, fanden ein Land ohne arabische Bevölkerung vor. Finkelstein zeigt hingegen, dass das so nicht stimmt -- und resümmiert: "Man wollte das Land, aber nicht die Menschen."
Mit seinem Buch gelingt es dem Autor, "die systematische Voreingenommenheit der zionistischen Rechtfertigungsliteratur zum israelisch-palästinensischen Konflikt" deutlich zu machen. Deutlich wird darüber hinaus auch, dass die israelische Seite nicht nur militärisch haushoch überlegen ist, sondern dass sie auch die nahezu uneingeschränkte Deutungshoheit von Gegenwart und Vergangenheit -- zumindest innerhalb der westlichen Welt -- beansprucht und auch innehat. --Dr. Manfred Schwarzmeier
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Hilfe bei der Bewertung dieser Vorgänge und ähnlicher in der Geschichte Israels bietet dieses Buch.
Finkelstein entlarvt die Lügen, die vor allem in den USA aber auch hierzulande zum Israelisch/Palästinensischen Konflikt in Umlauf sind.
Als Mitglied einer vom Holocaust zu großen Teilen ausgerotteten Familie ist seine Stellungnahme glaubwürdig. Seine Ehrlichkeit und sein Gewissen sind unbestechlich und sehr mutig. Vielleicht ist er auch nur ein verantwortungsvoller Wissenschaftler, der glaubt, daß "die Sonne es an den Tag bringt". Sein Buch könnte dazu beitragen, daß dieser Tag etwas früher kommt. Dabei ist es ganz unwesentlich, daß dieses Buch keine Gesamtdarstellung des Israelisch/Palästinensichen Konflikts sein mag, die nur für den historischen Fachgelehrten erforderlich ist. Vom Titel des Buches wird dies auch nicht versprochen.
Für die politisch interessierte Öffentlichkeit in Deutschland leistet es einen unschätzbaren Dienst: es durchbricht das (Denk-)Tabu, welches eine gerechte Einordnung der Vorgänge in Nahost unmöglich gemacht hat.
Die Schwächen des Buches liegen vor allem darin, dass Finkelstein zwar akribisch (absichtliche) Fehler anderer Autoren und deren Motivationen aufdeckt, sich darin aber fast vollständig verliert. Eine Gesamtdarstellung des palästinensisch-israelischen Konfliktes könnnte Finkelstein wohl kaum vorlegen. Somit eignet sich das Buch auch überhaupt nicht als "Einsteiger" für das Thema, sondern nur für jene, die die Fakten des Konfliktes bereits sehr gut kennen. Für Einsteiger sei Benny Morris: Righteous Victims empfohlen.
Was Finkelstein interessant macht, ist wie er z.B. eben diesen Morris aufdeckt. Akribisch und genau ist Morris z.B. in der Analyse und Darstellung der Fakten bei der Vertreibung der Araber aus Israel (auch in Righteous Victims), jedoch bleibt er in der Schlussfolgerung weit hinter den selbst erarbeiteten Fakten zurück. Genau hier setzt Finkelstein an und zitiert sehr effektvoll Hitler und dessen nüchterne Sicht der Lebensraumfrage. Deshalb liegt der Schluss auch nahe, dass Finkelstein - als Nachfahre von KZ-Überlebenden - wohl einer der wenigen ist, der so etwas überhaupt publizieren kann: somit dennoch eine klare Leseempfehlung.
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