Es ist 1999, ich 15 Jahre jung, sitze des Freitagsnachts vor meiner Playstation 1 und zocke Silent Hill. Der Controller verkrampft immer mehr in meiner Hand, der Puls rast, die Gänsehaut steht auf Dauerzustand und JA ich hatte damals Angst vor diesem Spiel.
Es war zu dieser Zeit ein Phänomen, denn so etwas an subtilem Horror in einem Videospiel hatte man bis dato noch nie gesehen und vor allem auch eine Story die einen bis zum Schluss bei Laune hielt. Ironischerweise hatte das Spiel zu damaliger Zeit den Nebel und die absolute Finsternis nur spendiert bekommen, da die PS1 zu wenig Leistung hatte. Tja und daraus wurde ein Stilmittel.
Wir schreiben das Jahr 2001 und gebannt saß ich abermals vor der Glotze, dieses Mal war es aber bereits die PS2 und im Laufwerk befand sich die lang ersehnte Fortsetzung zu Silent Hill. Auch bei diesem Teil hatte man schlaflose Nächte und einen der besten Villians überhaupt im Survival Horrorbereich, nämlich den sog. "Pyramidehead". Dazu noch eine Story die einen gerade am Ende vom Hocker haute. WAHNSINN!!!
2003 und ein Silent Hill 3 war erschienen. Anfangs etwas skeptisch über den Handlungsverlauf, fesselte das Spiel aber nach etwas weniger als der Hälfte wieder ungemein und man merkte, dass dies eine direkte Fortsetzung zu Teil 1 war. Viel neues gab es nicht, aber das brauchte man auch nicht, denn die Handlung war mal wieder absolute Weltklasse und auch die Schock- und Horrorelemente waren wieder alle vorhanden.
An dieser Stelle müsste ich jetzt eigentlich einen Schlussstrich ziehen, denn nach Teil 3 war Feierabend mit der SH Saga. "Häääää??? Aber es gibt doch noch sooooo viele andere Teile!?" höre ich jetzt schon einige Trolle schreien. Nun, ich mache es an dieser Stelle kurz:
2004 erschien der quasi letzte Teil des Originalentwicklerteams. Was viele hier aber nicht wussten, war das SH4: The Room kein SH werden sollte, sondern etwas Eigenständiges. Da man aber Angst hatte, das Spiel würde floppen hatte man einfach ein paar Parallelen zu der SH Saga mit eingebaut' Nun ja es war ein sehr durchschnittliches Spiel und es fühlte sich nicht wie SH an. Kein Nebel, keine Finsternis, keine Taschenlampe und kein Radio, ergo: Kein SH!!!
2007. Konami gab das Ruder aus der Hand an die Amis, nämlich Climax Studios. Diese versuchten mit dem Origins Teil ein SH0 zu machen, also quasi eine Vorgeschichte zu SH1. Es war wieder deutlich mehr SH als der 4. Teil doch auch hier merkte man einfach, dass es nicht dasselbe war. Dazu kam noch, dass das Spiel für die PSP entwickelt wurde und man eben keine L2 und R2 Tasten, sowie keinen rechten Analogstick hatte. Dementsprechend abgespeckt wirkte das Gameplay, doch die Handlung ging in Ordnung.
2009. Wieder ein Studiowechsel, dieses Mal zu Studio Foundation 9 Entertainment. SH: Homecoming hieß der neuste Ableger und sollte vielen Fans in übler Erinnerung bleiben, als der Teil mit der wahrscheinlich schlimmsten Kampfsteuerung überhaupt. Des Weiteren haben sich die Entwickler den SH Film zu oft angesehen, denn so wurde einiges von dort mit übernommen, wie z.B. der Pyramidehead, der eigentlich absolut deplatziert wirkt, da diese Figur eine wichtige Rolle im 2. Teil hatte. Des Weiteren wurde das unzensierte Homecoming sogar bundesweit beschlagnahmt wegen Gewaltverherrlichung. Ein harter Schritt, doch ich muss zugeben, dass mich einiges an Hostel erinnerte und die SH Reihe noch nie von übermäßiger Gewalt lebte. Fazit: Einer der schwächeren Teile, der auch Story technisch einige Lücken hatte.
2009. Studio Climax meldet sich zurück mit dem ersten Wii SH Spiel, genannt Shattered Memories. Ein beinah Remake des ersten Teils, welcher sich aber doch ganz anders spielte, als alle anderen Teile zuvor. Einige gute Ideen wie z.B. der Psychotest am Anfang hatten frischen Wind reingebracht, dennoch war es wieder einmal kein echtes SH.
2012. Ich gebe zu, viel erwartet habe ich nicht mehr. Erst Recht nicht, als ich hörte das es schon wieder ein neues Entwicklerteam namens Vatra Games (wer kennt Sie nicht?!) ist und zum anderen, das Komponist Akira Yamaoka nicht mehr mit von der Partie ist, wo doch gerade die Musikuntermalung immer fantastisch war in seinen Spielen. Nun bekommen wir Musik von Daniel Licht zu hören. Wer? Er hat den OST zur Serie Dexter gemacht.
Nun denn, lange Rede, kurzer Sinn. Zur besseren Übersicht, mache ich dies in Pro und Kontra Punkten:
± Grafikengine basiert auf der Unreal Engine
+ Nebel und Finsternis sind wieder vorhanden
+ Taschenlampe ist auch wieder mit dabei
± Es gibt wieder abgefahrene Nebenfiguren
+ Viele Objekte können als Waffe benutzt werden
± Anstelle des berühmten Radios hat man nun ein Walkie Talkie
+ Action- und Rätselanteil können wieder getrennt werden (Schwierigkeitsgrad)
± Kampfsteuerung ist kein Krampf mehr (nicht wie in Homecoming) aber nicht perfekt
± Neue Gameplaymöglichkeiten, wie z.B. Schulterblick und vorsichtig durch eine Tür schauen ohne direkt den Raum zu betreten
± Die Parallelwelt ist auch wieder dabei
- Keine Speicherpunkte, das Spiel speichert selbst
- Das Gegnerdesign lässt zu wünschen übrig
- Am Schluss mangelt es an Ideen und vor allem Horror
- seltsames Ende
- Nebenquests sind nicht unbedingt motivierend
- Technisch eher mau
- keine Endgegner (außer einem Finalen)
Fazit: Seit Teil 3 hatte ich kein SH mehr bei dem ich angespannt gezockt habe und genau das schafft Downpour endlich mal wieder. Ja das berühmte ungute Gefühl bzw. die Angst während des zockens ist vorhanden ^^. Man ist zwar abgehärtet aufgrund div. anderer Spiele/Filme und Altersbedingt, doch offenbar war man hier bemüht wieder ein Stück nach hinten zu gehen und das Ganze nicht für die COD Gemeinde zu verwursten, wie das imo ein gewisses anderes Entwicklerstudio mit seiner einst Meisterhaften Resident Evil Saga macht.
An und für sich wäre Downpour ein rundum gelungenes Silent Hill, doch leider gibt es einige, gravierende Punkte die diesem Spiel eine 5-Sterne Bewertung meinerseits verwehren.
Das Monsterdesign ist so was von langweilig und uninspiriert. Normalerweise spiegeln diese immer den Hauptcharakter bzw. dessen Gefühle wieder (schwer zu erklären, wer die alten Teile kennt, weiß was ich meine). Das Speichersystem ist eine Katastrophe. Wer bitte kam auf diese unsinnige Idee? Zwar wird regelmäßig gespeichert, doch sollte man wirklich mal sterben oder die Konsole ausschalten, kann es schnell passieren, dass man etliche Dinge nochmal erledigen muss.
Weiterer sehr großer Kritikpunkt meinerseits, das laggen und nachladen (ja sogar freezen für ca. 3 sek.). So etwas hätte ich vor 10 Jahren noch durchgehen lassen, nicht aber 2012.
Die Parallelwelt (Anderswelt hier genannt) war immer ein großes Highlight, doch hier darf man zu 98% immer nur vor irgendwas wegrennen (sehr viel Potential verschenkt).
Entscheidungsmomente (es gibt sage und schreibe 3 davon) tragen nicht besonders viel zum Ausgang des Spielverlaufs bei.
Ein weiteres Ärgernis sind die Nebenfiguren, da diese meisten von Ihnen aber eh nicht viel zu sagen haben bzw. auch recht schnell wieder verschwinden, sind Sie allesamt austauschbar und für den Spielverlauf nicht relevant. Die Psychos aus Teil 2 sind unerreicht ;)
Am Ende sind dem Entwicklerteam offenbar die Ideen oder die Motivation ausgegangen, denn das Spiel war bis zum Gefängnis ein Genuss an Atmosphäre und dann mit einem Schlag war es leider vorbei. Der letzte Abschnitt ist langweilig und hatte mich persönlich (dank des enormen Gegneraufkommens) nur noch genervt.
Bei so viel Kritik dennoch 4 Sterne, werden jetzt bestimmt viele denken. Das ist einfach und kurz zu erklären, denn trotz meines Gemeckers hatte mir Downpour sehr viel Spaß gemacht und erinnerte mich doch sehr an die gute, alte Horrorzeit von damals, an die Teile 1-3 wird aber nie mehr auch nur ein einziger Nachfolger rankommen.