Bryce, der Dämonenjäger ist bereits 500 Jahre alt. So alt wurde der spielbare Hauptcharakter aber nur, weil er schon seit einigen Jahrhunderten untot ist. Bis auf die erstaunlich gut erhaltenen Zähne ist er mit Pistolen (im Spielverlauf findet er noch andere Schusswaffen wie MG) und einem überdimensionerten Schwert bewaffnet. Damit nimmt er es mit Horden von Dämonen auf - und beschützt im Amerika der Jetztzeit seine ihm zur Seite gestellte Kollegin.
Was mir gut an diesem definitiv nicht in Kinderhände gehörenden Spiel gefällt, ist die konsequente Umsetzung, wie ein Videospielcharakter in Game sinnvoll "stirbt". Während bei herkömmlichen Games bisher einfach vom letzten Speicherpunkt respawned wird - zerlegt es Bryce in sämtliche Einzelteile. Letztendlich steuert der Spieler dann Bryces Kopf und muss ihn zu den verstreuten Gliedmaßen lenken, damit sich der Dämonenjäger wieder zusammensetzt. Denn der Kopf selbst ist angreif- und von Dämonen verschluckbar...
Im Spielverlauf (ich habe schon ein paar Stunden in das Spiel versenkt) muss Bryce es mit recht interessanten Boss-Gegnern aufnehmen - und ist dabei im wahrsten Wortsinn auf sein Köpfchen angewiesen. Denn an manchen Stellen kommt er nur weiter, wenn er seinen Kopf auf eine Rampe wirft und durch Schächte rollen lässt, oder wenn er einen Arm an einen (erst mehrköpfigen) Endgegner verfüttert und ihn mit der verbliebenen Hand unter Beschuss nimmt.
Für einen Third-Person-Shooter finde ich es persönlich erstaunlich, dass ich viel lieber mit dem Schwert gegen die Dämonen antrete als mit den unterschiedlichen Schusswaffen... Das könnte reinen Shooter-Fans etwas sauer aufstoßen.
Bryce erlangt im Spielverlauf Fähigkeitspunkte, mit denen sich kämpferische Fähigkeiten freischalten lassen - allerdings verfügt Bryce nicht über genügend "Slots" - somit sollten Spieler taktisch vorgehen und die jeweils passenden Fähigkeiten auswählen.
Übrigens: Im zweiten Level (dem Museum) gibt es eine Trophäe, wenn man weniger als 25 Prozent des Gebäudes zerstört. Die habe ich gleich mal nicht bekommen, weil ich das Gebäude in Schutt und Asche gelegt habe... Hier seien Trophy-Hunter als vorgewarnt: Im Museum die Dämonen bitte zartfühlend keulen.
Die Zwischenvideos sind wahre Grafikbomben und zeigen einen äußerst merkwürdigen shakespearesken Dämonen - die Handlung ist interessant und ich bin gespannt, wie sie weitergeht.
"Nur" vier statt fünf Sterne von mir, einerseits für die - wie oben beschriebene - Tatsache, dass ich lieber mit dem Schwert, denn mit den Schusswaffen spiele und andererseits dafür, dass die Kollegin an Bryces Seite nicht von einem zweiten Spieler gesteuert werden kann. Ihre KI (=künstliche Intelligenz) ist zwar recht gut - und sie ist auch sehr hilfreich bei den Gegnerhorden - wird sie jedoch verletzt, muss man zu ihr eilen und sie retten, sonst droht ein Respawn. Außerdem könnte das Gameplay etwas abwechslungsreicher sein. Es sind zwar gute Ideen enthalten (so kann Bryce, weil ja untot, durch Feuer laufen, dabei natürlich entflammen und Gegner dadurch ebenfalls in Flammen setzen. Oder er greift in einen Stromkasten - und kann so eine zeitlang Dämonen grillen.) Alles natürlich Sachen, die Kinder nicht nachmachen sollten. Wegen des blutigen Inhalts und der gory-Spielideen ist Never Dead wirklich ein Spiel für das "Giftschränkchen".
Never Dead verfügt auch über einen Online-Mehrspielermodus, den ich mangels Mitspielern jedoch noch nicht testen konnte (außerdem bin ich nicht der größte Online-Zocker vor dem Herrn).
Alles in allem ist Never Dead ein interessantes Spiel und ich kann ruhigen Gewissens eine Kaufempfehlung für erwachsene Gamer aussprechen. Shooter-Fans sollten vielleicht vorher testen, wie sie mit den Waffen ingame klarkommen...