Bestiarium
Ein Großteil der Abwechslung in der Handlung wird durch die zahlreichen verschiedenen Gegner unterstützt. Man bekommt es mit allem zu tun, was man aus dem Fantasy-Genre kennt: Trolle, Orks, Goblins, Warge, Werwölfe, Vampire, Feen, lebendige Kampfskelette und natürlich Drachen. Aber das Spektrum an Figuren reicht noch viel weiter. Es gibt die Baba Jaga, Carmilla, ein riesiges Steinwesen und vieles mehr. Hier überrascht der Einfallsreichtum der Macher, denn sie haben nicht nur auf Bekanntes verlassen, sondern es gerne mal mit kleinen, neuen Ideen "verfeinert", wodurch wirklich imposante Figuren entstanden sind. Da kann es schon mal passieren, dass einem beim Anblick eines Endbosses ein erstauntes "Oh!" entfleucht, einerseits vor Begeisterung, andererseits vor Entsetzen, da man diesen Gegner schließlich besiegen muss.
Aber auch in den eigenen, helfenden Reihen bekommt man einiges geboten. Als Beispiel seien hier die zahlreichen verschiedenartigen Reittiere genannt, derer sich Gabriel Belmont bedient.
Intuitive Bedienung
Das Gameplay ist angenehm und funktioniert quasi intuitiv. Die Standard-Bewegungen sind mit den gewohnten Tasten belegt:
Viereck = Attacke
Dreieck = Flächenangriff
Kreuz = Sprung
Kreis = Sonderwaffe
Linker Stick = Steuern
Diese lassen sich natürlich auch kombinieren. Sehr schnell gewinnt man zusätzliche Fähigkeiten dazu oder kann sie für die gewonnenen Punkte kaufen, wie zum Beispiel die Möglichkeit, sich mit seiner Waffe zusätzlich über eine ausgeworfene Kette an Mauern und Wänden entlang hangeln zu können. Generell bleibt es aber dabei, dass alles angenehm schnell zu erlernen und einzusetzen ist.
Zusätzlich zu reinen Waffen gibt es außerdem ein Magiesystem, das es einem im Laufe der Zeit erlaubt, zusätzliche Fähigkeiten (wie Heilen) zu erlangen.
Schlechte Sicht?
Was bei "Castlevania: Lords of Shadow" anders ist als bei vielen anderen Spielen, ist die Sicht. Die Kameraeinstellung wird nämlich vorgegeben, man hat nicht die Möglichkeit, sie selbst zu steuern. Stellenweise führt das natürlich dazu, dass man zum Beispiel einen Teil eines Baums direkt vor der Nase liegt und man nichts sehen kann. Gerade Vielspieler, die dieses Feature sehr gewohnt sind, werden es sicher schmerzlich vermissen. Auf der anderen Seite macht es das Spielen aber leichter, da man nicht noch eine zusätzliche Steuerung vornehmen muss, sondern sich ganz auf die Kämpfe konzentrieren kann. Die fehlende frei einstellbare Kamera ist tatsächlich ein Grund, dieses Spiel vor allen Dingen Anfängern zu empfehlen, weil es die Bedienung erheblich vereinfacht. Zusätzlich sorgt das für einen glatten Übergang von interaktiven Szenen zu Filmsequenzen. Auch für Neulinge besonders interessant ist die Tatsache, dass der Spielverlauf sehr linear ist. Man kann den Fortgang der Geschichte nicht selbst bestimmen, sondern muss den vorgegebenen Wegen folgen.
Das Filmgefühl
Die Filmeinspieler sind allesamt qualitativ sehr hochwertig. Es werden sehr häufig einzelne Szenen eingespielt. Sei es, wenn man schlicht von seinem Reittier fällt, als Einleitung zu einer neuen Szene oder wenn man den Endboss besiegt hat und ihn fallen sieht. Wo es etwas zu zeigen gibt, wurden Einspieler eingesetzt. Man hat also wirklich das Gefühl, quasi bei einem spannenden Film mitzuwirken. Ein zusätzliches Plus ist, dass hier sehr oft die Rumble-Funktion des Controllers genutzt wird, so dass man wirklich das Gefühl hat, hautnah dabei zu sein.
???
Neben den einzelnen Kämpfen von den kleineren Gegnern, die einem auf dem Weg begegnen, bis hin zu den immer mächtiger werdenden und beeindruckenden Endgegnern, gibt es noch weitere Dinge zu tun. Immer wieder kommt man an einer Stelle des Spiels nur weiter, wenn man ein bestimmtes Rätsel knackt. Das können Gegner sein, die auf eine bestimmte Weise besiegt werden müssen, oder Gegenstände, die man auf eine spezielle Art nutzen muss. Manchmal kann man Dinge auch bewegen, um etwas frei zu räumen. Dieser Aspekt des Spiels sorgt für einen angenehmen Ausgleich zu den Kämpfen.
Ich höre was, was du nicht hörst
Sowohl der Sprecher als auch die einzelnen Figuren würden nicht auf Deutsch eingesprochen, es liegt das englischsprachige Original vor. Namen wie Patrick Stewart und Natascha McElhone sind in der Liste derer zu finden, die den Charakteren ihre Stimmen geliehen haben. Die Erwartungen sind also hoch, werden aber auch voll erfüllt. Und für alle, die des Englischen nicht mächtig sind, gibt es natürlich eingeblendete Untertitel. Die Musik ist ebenso gelungen und abwechslungsreich.
Ein Spiel für alle
Das Spiel bietet sowohl für Anfänger als auch für Profis den richtigen Spielemodus. Und wer "Castlevania: Lords of Shadow" bereits zweimal als Profi durchgespielt hat, kommt sogar in den Genuss eines noch schwierigeren Modus, in dem es einige weitere Extras zu entdecken gilt. Grundsätzlich muss man aber sagen, dass die eigentliche Geschichte nach dem ersten Durchspielen an Reiz verliert.
Fazit
"Castlevania: Lords of Shadow" ist ein absolut gelungenes Spiel, das die Möglichkeiten der PlayStation 3 so nutzt, wie man sich das wünscht. Die Grafik ist top, die Gegner sind zahlreich und einzigartig und die Bedienung erfolgt intuitiv. Mit dem neuesten Spiel aus der Castlevania-Reihe kann man in ein Fantasyreich eintauchen, wie es vielschichtiger nicht sein könnte. Der Kampf hat begonnen!