Eine der berühmtesten Videospielserien überhaupt stellt die Reihe Castlevania dar. Sie gibt es fast schon solange, wie es Videospiele gibt. Mir selber sind erst die Versionen für die alte Playstation und sogar eine für das Supernintendo bekannt, doch es gibt noch viel ältere, von denen ich allerdings nicht weiß. Fast immer befanden sich die Abenteuer auf einem guten bis sehr guten Niveau, das muss man dieser Serie auf jeden Fall zugute halten. Das Genre war dabei nicht immer dasselbe, oft schwankte man zwischen Actionspiel, Jump and Run oder Actionadventure, manchmal waren sogar Rollenspielelemente enthalten. Ich möchte Euch nun von einer Handheldversion erzählen und zwar von Castlevania, Aria of Sorrow für den Gameboy Advance, dem immerhin schon dritten Teil für Nintendos Winzling. Davor erschienen Circle of the Moon und Harmony of Dissonance. Erschienen ist sie irgendwann im Jahr 2003, sie wurde wieder einmal von Konami entwickelt und ist dieses mal im Action-Genre zuhause, Experten nenne es auch Jump and Slay, denn hier wird überwiegend gehüpft und geschlagen. Mit der Bezeichnung als Actionadventure macht Ihr aber sicherlich auch nichts falsch. Dies allerdings in diesem Castlevania-Abenteuer nicht mehr mit der üblichen Peitsche, doch dazu später noch mehr. Eindeutig handelt es sich um ein hochklassiges Abenteuerspiel, welches ich jedem von Euch ans Herz legen kann, der für diese Art an Videospiel beziehungsweise dieses Genre etwas übrig hat.
Worum geht es in Castlevania, Aria of Sorrow für den Gameboy Advance eigentlich?
Das gesamte Abenteuer findet vor einem gruseligem Hintergrund statt, denn unser Held muss sich wieder einmal dem blutrünstigen Grafen Dracula stellen. In Aria of Sorrow hört die Hauptfigur, die wir fortan steuern dürfen, auf den Namen Soma Cruz. Er ist eigentlich im Jahre 2035 auf einer Exkursion in Japan, als urplötzlich eine unerwartete Sonnenfinsternis geschieht und er sich daraufhin in der Behausung von Dracula wiederfindet, welches ja eigentlich von einer extremen Sonnenfinsternis im ausklingenden 20.Jahrhundert verschlungen wurde. Dies könnte Soma ja vielleicht noch schrecklich egal sein, doch dummerweise wurde auch seine Freundin mit in das Schloss teleportiert, die es nun zu finden und zu retten gilt. Also bleibt ihm gar nichts Anderes übrig, als sich durch das unheimliche Schloss zu metzeln, liegt ihm wirklich etwas an seiner Freundin. Was er dann auch brav tut. Demnach macht er sich eher widerwillig (im Gegensatz zu seinen zahlreichen Vorgänger) auf, dem grausigen Treiben des fürstlichen Blutsaugers endlich ein Ende bereiten und macht sich auf eine gefahrvolle Reise durch unzählige Räumlichkeiten des riesigen Schlosses, in dem Dracula wohnt.
Trotz der Vielzahl an Räumen, Fluren, Hallen, Treppen und Verliesen wird es in der Folgezeit dann zum Glück (wenn überhaupt) nur selten langweilig. Zahlreiche Hüpfpassagen verlangen von uns ein besonders gutes Timing und die oft ziemlich aggressiven Gegner machen einen intelligenten Gebrauch von Schwert, Axt und Lanze erforderlich. Ja genau, richtig gelesen: es kommen weder die Peitsche noch Bumerang oder sonstige aus früheren Castlevania-Abenteuern gewohnten Waffen zur Geltung. Was aber gar nicht weiter schlimm ist, schließlich sollen sich die Abenteuer ja nicht unbedingt gleichen. Um genauer zu sein vertraut Soma Cruz auf sein messerscharfes Breitschwert, seine robuste Streitaxt und seine spitze Reiterlanze und räumt die zahlreichen Feinde somit auf teilweise sehr unterschiedliche Art und Weise aus dem Weg. Doch damit ist noch lange nicht Schluss, es gibt noch zahlreiche weitere Waffen zu entdecken, die sich insbesondere in ihrer Schlagkraft und Reichweite voneinander unterscheiden. Dies garantiert doch einen angenehm abwechslungsreichen Spielverlauf. Erhältlich sind diese meistens gegen bare Münze, die wir uns durch die zahlreichen Kämpfe verdienen. Haben wir genug zusammen, machen wir uns schnell auf den Weg zum Waffenhändler am Eingang des Schlosses, der immer wieder von Zeit zu Zeit über neue Sachen verfügt.
Was sich als positive Tendenz schon in den letzten Castlevania-Abenteuern abzeichnete (zumindest diejenigen, welche ich kenne), wird hier in Aria of Sorrow konsequent fortgesetzt: es gibt Ansätze von Elementen, wie sie in Rollenspielen vorzufinden sind. Dies bedeutet, dass wir nicht nur zahlreiche Waffen und Rüstungsgegenstände entdecken, sondern auch unsere Charakterwerte mit zunehmender Kampferfahrung immer weiter verbessern können. Dies bringt auf jeden Fall zusätzliche Motivation mit in den Spielverlauf und ist eindeutig positiv. Als Neuerung ist nun hinzugekommen, dass die besiegten Flugdämonen, Totenköpfe, Golems, Skelette, Geister usw. uns ihre Seelen hinterlassen und wir schließlich deren Talente erlernen beziehungsweise uns aneignen können. Sehr angenehme Nebeneffekte kann dies zur Folge haben, so dass sich dies wirklich lohnt, denn wer von uns hat schon etwas gegen eine automatische schubweise Heilung oder eine Immunität gegen Gift? Sicherlich niemand. Außerdem erlernen wir im Laufe der Zeit dadurch auch Offensivzauber, die uns im Kampf gegen die Dämonenwesen eine wertvolle Hilfe sind: Feuerbälle, Energieblitze und sogar vorübergehende Verwandlungen sind dann möglich. Da über einhundert solcher Seelen sich ausfindig machen lassen, auch wenn nicht alle Eigenschaften so wahnsinnig wichtig sind wie die eben erwähnten, könnt Ihr Euch sicherlich vorstellen, dass es so schnell nicht langweilig wird. Grundsätzlich lassen sich die eingefangenen Seelen in drei Kategorien unterteilen: entweder verstärken sie unsere Magie oder unsere Spezialangriffe oder (und diese mag ich am Liebsten) verbessern unsere Charakterwerte.
Ganz wichtig ist schließlich noch eine Sache: Aria of Sorrow hat bei weitem nicht mehr so frustrierende Stellen wie manch Vorgänger, ich erinnere nur an Harmony of Dissonance auf dem Gameboy Advance. Selbst die Endgegner sind nicht mehr so schrecklich unfair, fordern uns aber dennoch. Haben wir diese besiegt, erhalten wir Spezialfähigkeiten, durch die wir dann auf einmal an Orte gelangen, die uns vorher nicht zugänglich waren. Möglicherweise ist der Schwierigkeitsgrad ein bisschen zu niedrig ausgefallen, das werden wahrscheinlich die erfahrenen Castlevania-Fans zu bemängeln haben. Wenig zu meckern gibt es jedenfalls hinsichtlich der Steuerung, denn diese erlaubt uns vielfältige Manöver, ist aber nie zu kompliziert, außerdem ist sie sehr präzise und sorgt nicht für Frustration. Die Perspektive ist im konservativen 2D, was heutzutage natürlich sehr unspektakulär aussieht, aber trotzdem durchaus seinen Reiz hat, wie ich finde. Zumindest verlieren wir nie den Überblick. Ein Schwachpunkt ist allerdings, dass halbwegs geübte Spieler mit Aria of Sorrow zu schnell durch sein dürften, bei war es nach knapp sieben Stunden der Fall und das, obwohl ich mir generell gerne etwas mehr Zeit lasse und zur Sicherheit ein paar mehr Feinde als nötig erledige. Ob man dann wirklich Lust hat, das Spiel dann noch einmal komplett durchzuspielen, ist eher fraglich. Zumindest nicht innerhalb der nächsten Zeit. Eine Mehrspielerunterstützung gibt es leider nicht, was ich zwar nicht so schlimm finde, da ich Spiele auf dem GBA sowieso (bis auf ganz wenige Ausnahmen) nur alleine spiele, aber ganz neutral gesehen ist dies natürlich nicht so toll. Insgesamt ist der Spielverlauf aber interessant, unterhaltsam, spannend, abwechslungsreich und motivierend, nur eben für meinen Geschmack etwas zu schnell vorbei. Aber das ist mir immer noch lieber, als ein übertrieben schweres und unfaires Abenteuer, über das ich mich ärgern muss.
Wie sieht Castlevania, Aria of Sorrow denn aus und wie hört es sich an?
Die Grafik ist eindeutig ein großes Plus dieses Castlevania-Abenteuers. Gemessen natürlich an dem, was wir von einem Modul für den Gameboy Advance (nur) erwarten dürfen, wird uns hier Großartiges geboten. Sehr schöne Hintergrundkulissen in sowohl düsteren wie dann auch wiederum leuchtenden Farben können begeistern. Außerdem gibt es einige nette Spezialeffekte zu sehen, speziell bei den Magiesprüchen. Zwar ist unser Held nicht überaus detailliert gezeichnet, doch für ein GBA-Spiel ist das noch völlig okay. Auffallend gut sind die Animationen, die ausnahmslos gelungen aussehen. Schließlich haben mir auch einige Dämonengegner gefallen, ganz besonders die Endgegner, welche oft mit vielen grafischen Details und ebenfalls sehr guten Animationen versehen wurden. Die Horroratmosphäre in diesem gruseligen Abenteuer wird optisch hervorragend in Szene gesetzt und die Grafik bleibt immer schön flüssig. Dass wir es mit einer übersichtlichen Menüführung und deutschen Bildschirmtexten zu tun haben, ist auch sehr gut, allerdings klingt manch ein Dialog in den (allerdings selten vorkommenden) Zwischensequenzen merkwürdig umgangssprachlich, was nicht immer zum jeweiligen Geschehen passt und schon etwas stört. Insgesamt bin ich aber mit der Grafik sehr zufrieden. Akustisch sieht es ähnlich gut aus, hier wechseln sich rockige Klänge und solcher der klassischen Musik sehr gut ab und schaffen genau die gewünschte Atmosphäre. Langweilig wurden mir die Klänge im Hintergrund nie und ab und zu fand ich diese sogar mitreißend und anspornend.
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