Blades of Time ist der indirekte Nachfolger zu X-Blades. Mit dem Vorgänger hat das Spiel aber nur bedingt etwas gemein. Man spielt zwar wieder den weiblichen Charakter Ayumi, diese wirkt aber (zumindest optisch) wesentlich reifer und fraulicher als ihr kindliches Pendant aus dem Vorgänger. Immer mit zwei Schwertern und einer dicken Knarre bewaffnet schnetzelt und schießt sich Ayumi durch die gegnerischen Monsterreihen.
Die Story rund um die Schatzjäger im Dragonland ist leider sehr dünn und kommt fast nur über die auffindbaren Audiotagebücher im Spiel zum Tragen. Dennoch ist Blades of Time kein schlechtes Spiel und das liegt an dem schnellen Kampfsystem, das mit sehr viel Dynamik und aufwertbaren Fähigkeiten einiges an Spielspaß mitbringt. So kann Ayumi im Kampf die Gegner einfrieren, einen Feuerzauber auf diese wirken oder ein Erdbeben auslösen, das gleich ganze Horden von Gegnern zu Boden wirft. Obendrein hat Ayumi die Fähigkeit die Zeit anzuhalten und durch eine Art Rückspulfunktion einen Klon von sich zu erzeugen (bzw. je nachdem wie lange man zurückspult mehrere Klone), der ihre letzten Aktionen wiederholt. In der Praxis bedeutet dies, dass wenn Ayumi z.B. eine Schwertkombo ausübt und man zurückspult, gleichzeitig ihr Klon auch diese Schwertkombo ausführt. So lässt sich ganz einfach die Kampfkraft verdoppeln bzw. je nach Dauer des Zurückspulens vervielfachen. Obendrein gibt es ein paar nette Schalterrätsel, die sich nur mithilfe der Zeit-Zurückspulen-Funktion lösen lassen. Für weiter entfernte Gegner holt Ayumi ihre Schrotflinte oder ihr Maschinengewehr raus. Der Wechsel zwischen Schwert- und Schusswaffenkämpfen wirkt zwar etwas holprig, macht aber taktisch Sinn, da manche Gegner nur schwer erreichbar für Ayumis Nahangriffe sind oder selbst Schusswaffen einsetzen.
Gemessen daran, dass der Titel zum "Nice Price" über die Ladentheke geht, ist die grafische Aufmachung gar nicht mal so schlecht. Die Umgebungen, bestehend aus tropischen Dschungellandschaften und ausgedörrten Wüsten-Einöden, haben durchaus ihren Reiz. Unter der Haube werkelt die Unreal Engine 3, die in einer modifizierten Version mit netten Licht- und Feuereffekten aufwarten kann. Ayumi selbst ist schön modelliert und animiert. Etwas schade ist der recht weite Kamerawinkel, der Ayumi sehr winzig wirken lässt. Dafür stimmt jedoch die Übersicht während der Kämpfe. Nicht ganz so gut gelungen ist die Kollisionsabfrage, da es keine natürlichen Begrenzungen gibt, die verhindern dass Ayumi z.B. von einer höher gelegenen Position einfach herunterstürzt wenn sie sich zu weit über den Rand hinaus begibt. So kommt es mitunter vor, dass man ungewollt in die Tiefe stürzt.
Das Monsterdesign wirkt vergleichsweise abstrakt, macht aber durchaus was her. Sehr gut gelungen sind die Bossgegner, die einen geschickten Einsatz der Zeit-Zurückspulen-Funktion verlangen und sich als sehr herausfordernd darstellen. Ansonsten ist der Schwierigkeitsgrad aber recht moderat.
Die Synchronisation schwankt zwischen unfreiwillig komisch (was vor allem Ayumi's Sprüche betrifft) bis hin zu sehr solide (z.B. der Off-Erzähler in den Audiotagebüchern). Der Soundtrack zeichnet sich vor allem dadurch aus, das er recht unauffällig im Hintergrund vor sich hin dudelt. Nicht störend oder schlecht, aber auch nicht besonders erinnerungswürdig. Im Großen und Ganzen solide eben. Die Soundeffekte dagegen sind recht stimmig und passen zum Fantasy-Setting.
Klar ist Blades of Time bedingt durch die dünne Story und gewisse fragwürdige Designentscheidungen eher ein solider, als ein wirklich guter Titel, aber das Kampfsystem, die aufwertbaren Fähigkeiten und die Zeitspielereien machen einiges wett. Wer Bock auf ein spaßiges Geschnetzel mit technisch solider Aufmachung hat, kann für den schmalen Preis nicht viel falsch machen. Sicher kein Top-Spiel, aber auch weit weg von einem Totalausfall.