Endlich mal ein Buch, das nicht wieder bei Adam und Eva anfängt, sondern die gesamte musikalische Elementarlehre weglässt. Es gibt schließlich nicht nur Laien und unmusikalisierte Anfänger, sondern auch (weit) Fortgeschrittene, die hiermit angesprochen werden. Es werden, bestimmt aus urheberrechtlichen und Kostengründen, keine Songbeispiele, sondern nur eigene genannt, aber es stimmt nicht, dass die Grundprinzipien melodisch-tonalen Komponierens eine rein klassische oder Jazz-Angelegenheit seien. Sie gelten für alle populären Musikformen gleichermaßen, man muss nur auf sie abstrahieren können.
Es ist das mit Abstand beste Buch, das seinen Titel beim Wort nimmt und die Thematik im Bereich Songwriting im Rahmen der Durmolltonalität bravourös bedient (die Kreativität kann es freilich nicht ersetzen). Es lehrt selbstverständlich über das Notenbild, weil das auf dieser elementaren Ebene auch gar nicht anders geht - ein echter Nachteil für alle bekennenden musischen Analphabeten (es lohnt sich sowieso nicht, Noten nicht lesen zu können). Die Zielgruppe ist Programm, so dass es um völlig traditionelle Dinge geht, die in wissenschaftlichen Büchern um ein vielfaches komplizierter und trockener stehen. Das Buch ist umgangssprachlich und dabei fachlich korrekt geschrieben, bringt die Probleme und Lösungen auf den Punkt und bleibt immer nachvollziehbar. Der Autor schießt über das Ziel nur da hinaus, wo er das "Bartóksche Achsensystem" ins Songwriting einführt. Dieses Achsensystem ist für funktionsharmonische und traditionelle Durmollmusik völlig unbrauchbar und funktioniert nur in der spezifischen Tonsprache Béla Bartóks. Der Autor belässt es zudem bei der bloßen Vorstellung dieses Systems und zeigt weder an eigenen noch an möglichen fremden Beispielen, wie man damit beim Komponieren oder im besonderen beim Songwriting umgehen soll. Es sollte in einer neuen Auflage gestrichen werden.