Der lineare Zeitpfeil hat bisweilen etwas Trügerisches an sich. Man findet sich irritiert, wenn man sich beim Anhören dieser raffinierten, kunstvollen Musik in der Hochburg des Klaviervirtousentums irgendwo zwischen Liszt, Tschaikowski, Paderwski, Moszkowski und dem frühen Rachmaninov wähnt und erst später bemerkt, dass die 6 höllisch schwierigen Konzertetüden aus dem Jahr 1916 stammen, und die nicht weniger fulminanten Ruralia hungarica gar aus dem Jahr 1923. Da hatte Debussy schon längst sein Spätwerk beendet und man versteht das Unverständnis das ausgelöst wurde durch Dohnanyis Landsmann und Zeitgenossen Bela Bartok mit Stücken wie dem "holzgeschnitzen Prinzen" (1916) oder durch Igor Stravinskys Sacre du Printemps (1913) oder gar Arnold Schönbergs Pierrot Lunaire (1912).
Dohnaniy war jedoch auch einer der hervorragendsten Klaviervirtuosen des frühen zwanzigsten Jahrhunderts und seine Werke sind virtuos, fulminant und unterhaltsam, dabei aber sehr wohlklingend. Dies ist zu einem großen Teil wohl auch das Verdienst des begabten Interpreten Markus Pawlik, der das vertrackte Fingerwerk brillant in kohärente Klangwelten zaubert. Sein dichter, reichhaltig abschattierter Klavierklang lässt die technischen Schwierigkeiten komplett vergessen und von der Welt des Virtousen träumen.