Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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51 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Längst fällige Wertung!, 2. Mai 2006
Bettina Röhl, die Tochter Ulrike Meinhofs und Klaus Rainer Röhls, hat stets den Mythos der "guten Terroristin" beklagt, der Ulrike Meinhof bis heute umgibt.
In einer großangelegten Doppelbiographie nimmt sie nun selber die längst fällige Wertung vor, jedoch ohne das dieses Buch jemals zur reinen Abrechnung wird. Zehn Jahre hat es gedauert, bis sie mit "So macht Kommunismus Spass" fertig wurde und herausgekommen ist eine kritische und fundierte Auseinandersetzung mit den Eltern, die als politische Journalisten in den sechziger Jahren Karriere machten.
Als Mitglieder der verbotenen KPD wurde "Konkret" von der Sowjetunion und der DDR finanziert und gelenkt und Ulrike Meinhof machte das Blatt mit ihren glänzenden Kolumnen schließlich zum Sprachrohr der linken Studentenbewegung.
Als sich Röhl und Meinhof in den fünfziger Jahren kennenlernten, war ihr politisches Bewusstsein bereits erwacht. Beide engagierten sich in der Anti-Atombewegung und gegen den Muff der Adenauer-Ära und waren von dem Wunsch an eine bessere Welt beseelt. Bald jedoch zerbrach ihre Ehe und Ulrike Meinhof scheiterte nicht zuletzt am Widerspruch zwischen Widerstand und Eigenverwirklichung und ihrem bürgerlichen Leben zwischen Redaktion, Kindererziehung und Gesellschaft. Denn die beiden waren so etwas wie exotische Hätschelkinder der Hamburger Schickeria. Ulrike Meinhofs Weg in den Untergrund und in die Rote Armee Fraktion, der geplante und nur dank des beherzten Eingreifens Stefan Austs verhinderte Kindesentzug und die psychische Labilität ihrer Mutter seziert Bettina Röhl genauso wie die politischen Irrwege ihres Vaters, der eine Zeitlang auch im rechten politischen Spektrum eine Rolle gespielt hat.
Man kann wohl mit Fug und Recht sagen, dass Bettina Röhls Eltern neben ihren politischen Irrtümern jeden möglichen Fehler an ihren Kindern begangen haben. Das dieses Buch dennoch vorallem der historischen Wahrheit verpflichtet ist, ist sicher die größte Leistung, die Bettina Röhl mit "So macht Kommunismus Spass" vollbracht hat. Denn sie zeichnet nicht nur ein streitbares Bild ihrer Eltern sondern portraitiert gleichzeitig die politische Linke der frühen Bundesrepublik.
Ein ausgesprochen lesenswertes Buch, dass der Mythenbildung keine Chance gibt.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Grossartiges Zeit-und Familiendokument, 17. November 2008
Dises Buch ist absolut empfehlenswert für jeden ,der diese Zeit als Jugendlicher miterlebt hat.Die Tochter von Ulrike Meinhof erzählt und erklärt( anhand von Briefen,Interviews,Aktennotizen) das politische und private Leben ihrer Eltern ( vor dem Abtauchen ihrer Mutter in den Untergrund ).Sie deckt Hintergründe der Zeitgeschehnisse auf ( die mir als Ausländerin nicht alle bekannt waren),alles eingeteilt in Kapitel mit Ueberschriften( zum Nachschlagen) und würzt das Ganze mit ihren sarkastischen,subjektiven Kommentaren,die man nicht teilen muss, die einen jedoch immer zu weiterem Nachdenken anregen.Das Buch ist ein Versuch ( villeicht eine Pflicht), der Nachwelt alle Geschehnisse aus der Sicht( und den Recherchen) der Tochter zu erzählen.Jeder ,der am Mythos Meinhof interessiert ist und war, sollte " So macht Kommunismus Spass" lesen.
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39 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wirklich konkret!, 15. April 2006
„So macht Kommunismus Spaß" beschreibt wie eine hauchdünne Klicke von Westkommunisten in den fünfziger und sechziger Jahren mit Geld und Gut aus Ostberlin unterstützt fröhliche politische Zersetzung in der BRD betrieb. Die Konkret-Macher Klaus Rainer Röhl und Ulrike Meinhof waren sehr jung und in der akademischen Jugend einflussreich und fühlten sich bedeutsam. Viel Nervenkitzel war auch dabei. Bettina Röhls Sprache in dem Buch ist sehr ruhig,verständlich,intellektuell und trotzdem ist das dicke Buch einfach und schnell zu lesen. Durchgängig habe ich mich beim Lesen trotz des manchmal recht gewichtigen, politischen Stoffs amüsiert. Bettina Röhl lässt einen als Leser nicht hängen, sie fächert sowohl die politischen Zusammenhänge als auch die persönlich-familiären so auf, daß man sich immer selber ein Urteil bilden kann. Was das Buch, dessen hohe Qualität und faszinierende Sprache ich noch nicht ganz beschreiben kann, auf eine höchst niveauvolle Weise leistet, ist die Beschreibung der gesellschaftlichen und staatlichen Bedingungen in Westdeutschland vor der APO-Bewegung, die selber nur am Rande behandelt wird. Vorallem durch Briefe, Akten und Interviews wird man ganz selbstverständlich tief in die fünfziger und sechziger Jahre hinein gezogen. Es handelt sich um ein sehr versöhnendes Buch, in dem die unterschiedlichen, Positionen an Schärfe verlieren. Das Buch könnte man auch als eine Art Gesellschaftsroman lesen, von der fast untergegangenen Zeit vor der APO. Gleichzeitig ist es ein wirklich präzise recherchiertes Sachbuch. Am Ende hatte ich das Gefühl die Personen des Stückes regelrecht zu kennen. Das Besondere ist die Sichtweise Bettina Röhls auf ihre nicht ganz alltäglichen Eltern, die gemeinsam diese Zeitung führen und es zu Geld und Ansehen bringen und die dann in den siebziger Jahren katastrophal scheitern. Das Buch endet jedoch schon Anfang 1968, bevor Ulrike Meinhof Terroristin wird. Wer hier RAF-Geschichten sucht, findet sie nicht. Man erfährt allerdings in einem Epilog kursorisch, wie es weiterging. Das Buch ist ein Blick der Generation, die in den sechziger Jahren geboren wurde auf ihre Elterngeneration. Bettina Röhl versteht es ihre eigene Sicht verständlich zu machen. Ihre politischen Einordnungen sind nachvollziehbar, selbst, wenn man sie nicht teilt. Ich habe viel Neues erfahren und denke auch nach einer Woche noch nach. Ganz klar: Leseempfehlung!
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