Dieses Buch ist eine eigenartige Mischung: aus Familienbiographie und Zeitgeschichte, aus persönlichen Empfindungen und Begegnungen und aus - ausführlich, fast zu ausführlich - zitierten Akten. Das verleiht im seinen besonderen Reiz. Bettina Röhl zeigt, daß ihre Eltern Klaus Röhl und Ulrike, geb. Meinhof, Mitglieder der verbotenen KPD waren und ihre Zeitschrift "konkret" (wie vieles andere) von der DDR finanziert und gesteuert war. Was wir in den siebziger und achtziger Jahren als Kalte-Kriegs-Propaganda abtaten ("die werden von drüben bezahlt") - es stimmte leider nur zu oft. Was Röhl berichtet, ist wohl nicht ganz neu, aber man bekommt doch einen neuen Blick auf die Ursprünge der Friedensbewegung, der Studentenbewegung und auch der RAF. Leider bleibt sie zu oft bei der Entrüstung darüber ("Wie konnten die nur") stehen. Was es war, was diese Menschen in die Arme der Kommunisten trieb, wird nicht richtig nachvollziehbar.
Röhls Stil ist nicht besonders elegant; um so mehr spürt man, bei aller Sachlichkeit, um die sie sich bemüht, ihre persönliche Beteiligung hinter den Zeilen. Sprachliche Schnitzer wie "exemplarische Beispiele", "verbale Verballhornung" oder die Verwechslung von "erschrickt" und "erschreckt" hätte aber wenigstens das Lektorat des Verlages aufspüren müssen.
Kein großes Werk, aber ein wichtiges Immunisierungsmittel gegen landläufige Legendenbildungen.