In diesem Buch, welches als Lehrbuch gedacht ist, wird der Kommunikationsprozess aus der Sicht der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft betrachtet. Im Mittelpunkt steht dabei die massenmedial vermittelte, also die öffentliche Kommunikation. Aber auch die Individualkommunikation wird behandelt und es werden Parallelen zwischen beiden Kommunikationsbereichen aufgezeigt. Berücksichtigt werden dabei auch die Entwicklungen des Internets, von Multimedia und der Internetgesellschaft. Ziel ist es, einen systematischen Zusammenhang zur Einordnung diverser gegenstandsbezogener Fragestellungen zu schaffen. Aufgrund dessen werden Theorieperspektiven und Ziele von Kommunikation näher untersucht.
Nach der Einleitung wird im zweiten Kapitel unter Bezug auf Maletzke eine klare Begriffsdefinition von Kommunikation gegeben. Dabei wird der Kommunikationsprozess in seinen Grundzügen dargestellt und die Definition systematisch entwickelt (von Kommunikation als soziales Verhalten über soziale Interaktion bis hin zur Kommunikation als symbolisch vermittelte Kommunikation). Eingebunden werden dabei spezifische Kennzeichen der Humankommunikation und Definitionen relevanter Begriffe (Zeichen, Medium, Feedback etc.)
Das Medium "Sprache" (als Kommunikationsmittel) ist Inhalt des dritten Kapitels. Dabei wird auf Besonderheiten der Humankommunikation eingegangen. Der Autor zeigt u. a. die verschiedenen Dimensionen von Sprache auf und stellt diese in Verbindung mit den Aspekten der Kommunikation. Weiterhin liefert er Erklärungen für sprachliche Missverständnisse, z. B. linguistische oder soziale Hintergründe, Missverständnisse auf gegenständlicher oder intersubjektiver Ebene und definiert auf diesem Wege die Voraussetzungen für Kommunikation.
Unter der Behauptung, Kommunikation wäre die Grundbedingung des menschlichen Daseins, wird im vierten Kapitel die Bedeutung von Kommunikation für den Menschen herausgearbeitet. Die Betrachtung erfolgt dabei aus zwei Gesichtspunkten:
1. Phylogenese = evolutionstheoretisch, der Übergang vom Tier zum Mensch (Antropogonese)
2. Ontogenese = sozialisationstheoretisch, Entwicklung vom Säugling zum Individuum (Persönlichkeitsgenese)
Die Thematik "Massenkommunikation" ist Inhalt des fünften Kapitels. Hier werden nach einer Begriffsdefinition der Stellenwert und die Bedeutung des modernen Kommunikationsprozesses für Mensch und Gesellschaft dargestellt. Der Autor beschreibt damit, dass sich die soziale und gesellschaftliche Evolution nicht unabhängig voneinander entwickeln. Weiterhin geht er auf Wirkungen der Massenkommunikation ein und integriert dabei verschiedene Wirkungstheorien (z. B. Stimulus-Response, Stimulus-Objekt-Response, two-step-flow-of-communication-Konzept etc.). Er zeigt so die Entwicklung der Kommunikationsforschung auf und weist auf die Veränderung in der Betrachtungsweise z. B. in Bezug auf die Rezipienten hin (Nutzenansatz, dynamisch-transaktionale Ansatz) und stellt daneben noch weitere Modelle und Hypothesen vor (Agenda-Setting, Theorie der wachsenden Wissenskluft, Schweigespirale). Weiterhin geht der Autor der Frage nach, inwieweit die Darstellung der Medien der Realität entspricht (Konstruktivismus). Er untersucht dabei die möglichen Einflussfaktoren. Das Medium Fernsehen gerät dabei in den Mittelpunkt und wird u. a. unter den Gesichtspunkten Realitätsabbildung, Kultivierung, Gewalt und Bildung diskutiert. Aufgegriffen werden weiter auch verschiedene Funktionen von Massenmedien, unterteilt in soziale, politische und ökonomische.
Eine Betrachtung der Kommunikationswissenschaft als interdisziplinäre Sozialwissenschaft erfolgt im sechsten Kapitel. Dabei werden Problemfelder der Kommunikationswissenschaft entfaltet und dargestellt, wie sie als interdisziplinäre Sozialwissenschaft vorstellbar ist. Hierzu wird Kommunikation aus mehreren Perspektiven betrachtet, z. B.: als Signalübertragung, als Interaktion (symbolischer Interaktionismus nach Mead, Theorie des kommunikativen Handelns nach Habermas) und in der Gesellschaft (historischer Materialismus, Systemtheorie).
Eine Vorstellung deskriptiver Modelle zur Massenkommunikation, beispielsweise nach Lasswell oder Maletzke, und zielorientierter Ansätze, bei denen die Wirkung bzw. die Beeinflussung im Vordergrund steht, findet der Leser im sechsten Kapitel. Hier werden auch emanzipatorische, medienkritische, demokratiekritische und verständnisorientierte Ansätze vorgestellt.
Abschließend beschäftigt sich der Autor im siebten Kapitel mit dem Objektbereich einer sozialwissenschaftlich orientierten Publizistik- und Kommunikationswissenschaft.
Gerichtet ist dieses Fachbuch an Leser mit Interesse an menschlicher Kommunikation. Aufgrund der chronologischen Vorgehensweise können sie sich gut in die Thematik einlesen. Die ausführlichen Definitionen aller wichtigen Begriffe lassen kaum Fragen offen. Schwierig für Anfänger könnten die erwähnten Theorien/Modelle und die Bezugnahmen auf andere Forscher sein. Meist werden diese jedoch ausführlich genug erklärt bzw. sollten sie den Leser dazu animieren, sich noch weiter in das Thema einzuarbeiten. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass dieses Werk eine tiefe Einsicht in den Bereich der Kommunikationswissenschaft gibt. Gerade die Betrachtungsweisen aus unterschiedlichen Perspektiven sorgen für einen umfangreichen Überblick rund um die Thematik.