Nachdem die anderen hier eingestellten Rezensionen sehr hart mit dem Film ins Gericht gehen, möchte ich gerne eine andere Perspektive präsentieren. Kommissar Bellamy ist sicherlich nicht der beste Film des großartigen Claude Chabrol, aber dennoch sollte man ihn gesehen haben, wenn man sich für den Regisseur und/oder den Hauptdarsteller interessiert.
Eines ist vorweg klar zu sagen: Wer sich wegen des Titels einen spannenden Krimi erhofft, wird natürlich enttäuscht sein. Zwar ist die Hauptfigur Kommissar und damit beschäftigt einen Mord aufzuklären, aber der zweite Handlungsstrang über Bellamy und seine Familie ist eigentlich viel wichtiger. Der Mord wird eher nebenbei aufgeklärt und es gibt keinerlei spannende Verfolgungsjagden oder ähnliches. Das würde auch überhaupt nicht zusammen passen mit Bellamys nachdenklicher und leicht melancholischer Art.
Interessant ist, dass man hier einen Protagonisten geboten bekommt, über den man wirklich sagen könnte, dass er ein guter Mensch ist. Nachdem heutzutage die dunklen Helden und abgebrühten Zyniker (zB "Righteous Kill" mit De Niro) oft als cooler empfunden werden, ist Kommissar Bellamy eine interessante Abwechslung. Er selber sagt, dass ein guter Polizist auch ein guter Samariter sein müsse. Dass das nicht nur ein Spruch ist, stellt sich heraus als Bellamy trotz Urlaub nicht zögert einen Mann zu helfen, der sich in einen Mordfall verstrickt hat.
Doch Bellamys Gutmütigkeit scheint ausgerechnet bei seinem Bruder Jaquces auf ihre Grenzen zu stoßen. Der schwere Alkoholiker quartiert sich im Hause Bellamy ein, weil er selber mit seinem Leben nicht mehr zurecht kommt. Bei jeder Gelegenheit provoziert er seinen Bruder, den er vorwirft, immer Glück zu haben, während es mit ihm immer nur bergab geht. Ausgerechnet hier kann der Kommissar trotz aller Bemühungen nicht helfen. Das Verhältnis zwischen den Brüdern stagniert auf beidseitiger Ratlosigkeit. Dennoch können die beiden nicht ohne einander auskommen. Bellamys Frau erkennt bald, dass hier mehr im Spiel ist, als ihr Mann ihr sagen will. Ein dunkles Geheimnis bestimmt das Verhältnis der Brüder zueinander...
"Kommissar Bellamy" ist ein Film der dazu anregt nachzudenken, was eigentlich ein guter Mensch ist und worin er sich von den Bösen unterscheidet. "Eigentlich sind alle 50/50", sagt Bellamy während seiner Untersuchungen und spricht damit eine der wesentlichsten Wahrheiten des Films an. Auch die so genannten guten Menschen sind nicht unfehlbar und zu glauben man sei etwas besseres ist immer ein Irrtum.
Gerard Depardieu liefert eine echte Glanzleistung ab in der Rolle des gealterten Kommissars. Allein schon für seine großartige Leistung muss man diesen Film gesehen haben. Die Regie von Chabrol ist wunderbar dezent und einfallsreich (zB poetische Rückblenden). Und trotz des ernsten Themas hat der Film auch eine gute Prise Humor, die ihn unterhaltsam macht.