Mit ihrem Buch "Kommentar und Glosse" haben die Journalisten Werner Nowag und Edmund Schalkowski eine Lücke in der Theorie der Darstellungsformen geschlossen: Beide Genres sind vor allem in der westdeutschen Forschung wenig systematisiert worden und wurden meist nur vereinzelt in Aufsätzen abgehandelt. Mit diesem Buch liegt nun ein Kompendium aus einer breiten Literaturpalette vor: Beide Darstellungsformen werden von den Autoren zunächst in ihrer Funktion und Geschichte vorgestellt; zudem werden Kommentar und Glosse von anderen Genres abgegrenzt - allerdings finden sich hier deutliche methodische Schwächen, da vieles zu oberflächig betrachtet wird. Gelungen ist vor allem der Kommentar-Teil, bei dem auf unterschiedliche Aspekte dieser Darstellungsform eingegangen wird. Nowag und Schalkowski unterteilen dabei stets in Theorie und Praxis - eine gute Aufbereitung des Stoffes, die auch Praktikern Anregungen geben kann. Recht schwach ist der Glossen-Teil geworden: Krampfhaft versuchen die Autoren, dieses freie Genre in eine Form zu pressen und ein Standartrezept für das Schreiben von Glossen zu geben, was beides nicht gelingt. So bleiben die Definitionsversuche ebenso hilflos, wie die Methode. Auch die ausgewählten Elemente der Glosse sind recht willkürlich zusammengestellt und unvollständig. Weniger für Studium oder Praxis relevant sind der Exkurs zu satirischen Meisterstücken und Werkstattberichte, dafür aber umso unterhaltsamer. Welcher angehende Journalist wollte nicht einmal über die Schulter eines Streiflicht-Redakteurs blicken und ihn beim verzweifelten Arbeiten beobachten? (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)