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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Der Kampf gegen die grauenhafte Schlächterei,
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Rezension bezieht sich auf: »Krieg ist der Mord auf Kommando«. Bürgerliche und anarchistische Friedenskonzepte. Bertha von Suttner und Pierre Ramus (Broschiert)
In ihrer umfangreichen Einleitung stellt Herausgeberin Beatrix Müller-Kampel bürgerliche und anarchistische Friedenskonzepte um 1900 vor. Der Name Bertha von Suttner (1843 - 1914) und der Buchtitel „Die Waffen nieder!" sind heute noch allen Friedensbewegten geläufig, nicht aber der Name des anarchistischen Antimilitaristen Pierre Ramus (1882 - 1942). Hier ein Beleg für dessen überschäumende Argumentationskraft angesichts des 1. Weltkrieges: „Ihr sagt, der Staat sei dazu da, um in der Gesellschaft Ordnung zu bewahren. Ist das die Ordnung, dieser Zustand des wildesten Chaos, den der Staat durch seine Kriegsproklamation verursacht?" Immer wieder wird Ramus „Massenmordschlächterei und Völkerverelendung" anprangern. Ramus starb auf der Flucht im Kriegsjahr 1942.Die vorliegende Textsammlung entfaltet zwei Traditionslinien im Kampf gegen den Krieg: die bürgerlich-pazifistische, die darauf hofft, dass durch die Kraft der Vernunft auch die zwischenstaatlichen Beziehungen zivilisiert würden. Pazifismus ist dort stark und politisch wirkmächtig, wo er gegen Gräueltaten und Kriegsverbrechen protestiert; eine pazifistische Position gewinnt dort ihre Überzeugungskraft, wo sie die grauenhafte Schlächterei und das entehrende Gemetzel des Krieges verabscheut. Dagegen steht der anarchistische Geschichtsentwurf, der im Staat selbst die maßgebliche Kriegsursache sieht. Zwangsläufig folgt daraus der Kampf gegen den Nationalismus als der Religion des modernen Staates. Und die Ausrufung des Generalstreiks wird zum entscheidenden Kampfmittel dieser anarchistischen Position. Bertha von Suttner sieht keine ursächliche Verknüpfung von Ökonomie, Staatsprinzip und Krieg. Unbeirrt vertraut sie darauf, Staatsmänner werden für die Beendigung der Kriege Sorge tragen und auch die Ursachen künftiger Kriege beseitigen. Erich Mühsam in seinem Nachruf für Bertha von Suttner: „Wir wollen das Andenken der Frau wach halten, die in reinem Herzen erkannte, dass der Massenmord des Krieges von jeder wahren Religiosität aus gesehen ungöttlich und schlecht ist." Es bleibt zu hoffen, dass die vorliegende Dokumentation auch von der historischen Friedensforschung kritisch rezipiert wird. Ich pflichte dem Freiburger Militärhistoriker Wolfram Wette bei: „Zumal die akademische Soziologie pflegt seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts eine reservierte Distanz zu der Geschichte der Kriege und des Militärs. Verantwortlich dafür sind wohl primär Geschichtsphilosophien, insbesondere die im aufgeklärten Fortschrittsglauben wurzelnden Modernisierungstheorien. Sie gehen nicht in erster Linie von der konkreten historischen Erfahrung aus, sondern vielmehr von der idealistischen Erwartung, dass es in modernen Gesellschaften einen unaufhaltsamen Fortschritt in Richtung auf die Minimierung von Gewalt und die Vergrößerung der Freiheit für das Individuum gebe." (Wolfram Wette, in: FS für Detlef Bald, Baden-Baden 2002) Offenkundig war die Friedensbewegung um 1900 ein ideengeschichtliches Kind der europäischen Aufklärung. Bertha von Suttner vertrat einen „festen frohen Fortschrittsglauben" und war „von der Notwendigkeit eines Besser- und Vollkommenerwerden alles Bestehenden (...) fest überzeugt." Fortschrittsoptimistisch blickte auch Ramus auf die Zukunft der Menschen: „Die Vernunft des Menschen wird immer kräftiger. Logischer und erkenntniskritischer denken lernen und damit zunehmend sich dem Guten, der Liebe, weihen." Grundsätzliche Schlussbemerkung des Rezensenten: Die Aufklärer des 18. Jahrhunderts haben ein Idealbild des Menschen als eines autonomen vernünftigen Subjekts konstruiert. Für die „Idee des ewigen Friedens" wird kein Denker häufiger angerufen als der deutsche Aufklärer Immanuel Kant. Auch im postmodernen Diskurs der Gegenwart wird gerne diese Utopie zitiert - freilich ohne inhaltliche Kenntnis von Kants Überlegungen; denn für Kant ist der ewige Friede eine unausführbare Idee. Und vor dem unrealisierbaren Zustand des ewigen Friedens hat der Staat nach Kant das Recht, Krieg zu führen im Fall einer „ersten Aggression" (Bedrohung). „Hierzu gehört entweder eine zuerst vorgenommene Zurüstung, worauf sich das Recht des Zuvorkommens (ius praeventionis) gründet, oder auch bloß die fürchterlich (durch Ländererwerbung) anwachsende Macht (potentia tremenda) eines anderen Staats". (Vgl. hierzu: Immanuel Kant, Metaphysik der Sitten (1797), Rechtslehre, Hamburg 1922, § 56). Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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