... daß der gemeine Piefke bei dieser DVD mit einer ziemlich lieblosen, da gar nicht vorhandenen Ausstattung vorlieb nehmen muß. Lediglich der Film befindet sich auf der DVD, von Bonusmaterial keinerlei Spur, nichtmals ein Trailer ist vorhanden. Daher auch ein Stern Abzug.
Sicherlich sind die Untertitel für das hochdeutsch sprechende Publikum jenseits des Weißwurstäquators sinnvoll, daß man sie aber nicht ausblenden kann, ist schade und mitunter auch lästig. Da ich diesen Film vor dem Kauf auch einmal aus der Videothek ausgeliehen hatte, weiß ich, daß es von "Komm, süßer Tod" auch eine Version mit Bonusmaterial (Trailer, Interviews) und ausblendbaren Untertiteln gibt. Wer also mehr über den Film und seine Hintergründe wissen will, sollte sich diese (österreichische) Version zulegen.
"Komm, süßer Tod" ist trotz der lieblosen deutschen Veröffentlichung ein herrlich bösartiger Krimi, der den Ton der literarischen Vorlage von Wolf Haas perfekt trifft. Josef Hader, das filmische Alter Ego des literarischen Brenner, grantelt sich -ähnlich schludrig wie in der zweiten Haas-Verfilmung "Silentium!"- durch ein Komplott aus Mord, Raffgier und konkurrierenden Rettungsdiensten mit mehreren bewußt falsch gelegten Fährten in einem Wien fernab von k.u.k.-Mythos und Walzerseeligkeit. Simon Schwarz gibt den Berti so, als habe Haas diese Rolle -ebenso wie den Brenner für Hader- nur für ihn geschrieben. Die beiden Schauspieler harmonieren so wunderbar miteinander, daß es nur allzu verständlich ist, daß man den Berti auch in der "Silentium!"-Verfilmung eine wichtige Rolle reingeschrieben hat, obwohl er in dem Roman überhaupt nicht vorkommt.
Nina Prolls Angelika ist eine herrlich "schlamperte" Tussi ("Ziehen, Piefke, net blasn!") und entspricht somit der Romanvorlage. Einzig Barbara Rudnik ist zu sehr "Piefke", um eine überzeugende Darstellung einer Österreicherin darzustellen. Zwar ist die Rolle der Klara auch im Roman eher als eine Dame der besserverdienenden Gesellschaft angelegt, a bisserl mehr Schmäh hätte im Film aber nicht schaden können. So wirkt Rudniks Klara trotz einer der amüsantesten Liebesszenen, die ich in den letzten Jahren sehen durfte, doch eher kalt und ein wenig unnahbar.
"Komm, süßer Tod" ist ein Krimi, dessen Charme sich für Zuschauer des amerikanischen Mainstreamkinos vielleicht anfangs nicht ganz erschließen wird, wer jedoch neueres deutschsprachiges Kino kennt und zu schätzen weiß wie die Autorin dieser Zeilen wird sicherlich einige vergnügliche Minuten erleben und sich wundern, daß österreichisches Kino aus mehr als nur den Heimatschnulzen vom Wörthersee besteht.
Wer diesen Film dann gesehen hat und sich dann auch noch "Silentium!" zulegt, der sollte sich danach gleich durch das ganze Brenner-Universum lesen. Weil, ob Du's glaubst oder nicht, das hat seine ganz eigenen schrägen Verwicklungen, Mullbindenverband nichts dagegen...