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Komm, Trost der Nacht. CD. . Barocklyrik. Lesung
 
 
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Komm, Trost der Nacht. CD. . Barocklyrik. Lesung [Audio CD]

Günter Grass , Peter Rühmkorf , Angelus Silesius , Paul Fleming , Martin Opitz


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Produktbeschreibungen

Hörbuch-Rezension

Barockliteratur lebt von Gegensätzen, von Lebensfreude und Todesangst, vom Memento mori (Gedenke des Sterbens!) und seiner Gegenseite, dem Carpe diem (Ergreife den Tag!). Im Barock beherrscht der Vanitas-Gedanke jeden Lebensbereich. Kein Wunder, war doch der Dreißigjährige Krieg (1618-1848) das zentrale, alles überschattende Ereignis der Zeit. In ihm wurde der Tod zur allgegenwärtigen Gewissheit. Autoren wie Gryphius, Fleming, Silesius, Hoffmannswaldau und Grimmelshausen schrieben, geprägt durch diese Erfahrungen, Gedichte, die sich vor allem durch Widersprüche -- das Charakteristikum dieser Zeit -- auszeichnen.

Anlässlich des Jubiläums des Westfälischen Friedens, der den Krieg 1648 beendet hatte, trugen Günter Grass und Peter Rühmkorf 1998 im Funkhaus Hannover Lyrik aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges vor. Im Wechsel rezitieren die beiden Schriftsteller 22 Gedichte und stellen die Autoren kurz vor. Weitere Informationen kann man in dem umfangreichen Booklet gut nachlesen!

Günter Grass, der sich in seinem Roman Das Treffen in Telgte mit dieser Zeit intensiv auseinandergesetzt hat, und Peter Rühmkorf lesen aus den Erstdrucken. Das Gedicht von Andreas Gryphius „Threnen des Vaterlandes / Anno 1636“ beschreibt eindringlich, wie kaputt das Land -- nicht nur äußerlich -- war. Für viele, die das Ende des Zweiten Weltkrieges bewusst erlebt haben, hat dieser Text besondere Bedeutung, im Sinne einer Spiegelung der eigenen Zeit. Gryphius schrieb als Zwanzigjähriger die ersten Sonette. Sein Gedicht „vanitas, vanitatum et omnia vanitas“ thematisiert die Erde als Jammertal und die über allem liegende Eitelkeit. Es gibt aber auch „leichte Töne“ in der Barocklyrik: Beispiel ist das Gedicht von Georg Greflinger „Als Flora eyferte“. Paul Fleming schreibt ganz anders. Es ist der Dennoch-Ton, der seine Texte auszeichnet. Fleming scheint trotz der Übermacht des Dreißigjährigen Krieges, seiner Folgen und der Pest den Fokus auf die wesenhaften Unzulänglichkeiten des Menschen zu legen: „An sich“ ist ein herrlicher Ratgeber für die Meisterung des Lebens. Das Gedicht „Wie er wolle geküsset seyn“ beschäftigt sich detailgetreu mit dem Küssen. Und in dem Briefwechsel „Abelard an Heloissen“ macht Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau bewusst, dass seelisches Leid deutliche Auswirkung auf die physischen Kräfte hat.

Fazit: Grass und Rühmkorf präsentieren mit ihrem Überblick über die Barocklyrik eine Textauswahl, die einer der widersprüchlichsten Epochen gerecht wird. Einerseits ein Plädoyer für das Leben, andererseits ein Hinweis auf die Vergänglichkeit von allem. Die Botschaft lautet: Schönheit, Jugend, Reichtum… alles geht dahin!

Lesung, Spieldauer: ca. 68 Minuten, 1 CD. Mit ausführlichem Booklet. --culture.text

Kurzbeschreibung

Barocco: unregelmäßige Perle? Und was wissen wir noch über die Zeit des Barock? Malerei und Musik sind bekannt und en vogue, aber die Dichtung? Klug wie umfassend, charmant wie amüsant ist der Überblick über die Lyrik des deutschen Barock, die Günter Grass und Peter Rühmkorf hier geben. Im Wechsel lesen und erklären sie Gedichte aus der wohl widersprüchlichsten Epoche, rezitieren Verse an die Vanitas und Hymnen auf das Carpe diem. Und öffnen den Blick auf die Schönheit der Zeilen eines Gryphius, Opitz, Fleming, Gerhardt, Grimmelshausen und vieler anderer.

Über den Autor

Günter Grass wurde am 16. Oktober 1927 in Danzig geboren, absolvierte nach der Entlassung aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft eine Steinmetzlehre, studierte dann Grafik und Bildhauerei in Düsseldorf und Berlin. 1956 erschien der erste Gedichtband mit Zeichnungen, 1959 der erste Roman "Die Blechtrommel". 1965 erhielt der Autor den Georg-Büchner-Preis. 1994 erhält er den Karel-Capek-Preis. 1999 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen. Grass lebt in der Nähe von Lübeck.
Peter Rühmkorf, geboren 1929 in Dortmund, aufgewachsen in Niedersachsen. 1950 Abitur und zur selben Zeit Herausgabe der Zeitschrift "Die Pestbeule". Ab 1951 Studium der Pädagogik, Kunstgeschichte, Germanistik und Psychologie in Hamburg. Während des Studiums Beteiligigung an der Gründung der "Neuen Studentenbühne", "arbeitskreis progressive kunst" und war Mitgründer des Kabaretts "Die Pestbeule". Mitherausgeber der Monatszeitschrift "Zwischen den Kriegen" und Arbeit an der Zeitschrift "Studentenkurier", die ab 1958 in "konkret" umbenannt wurde. Von 1958-1964 Lektor im Rowohlt-Verlag; lebte seither als freier Schriftsteller in Hamburg. Für sein umfangreiches lyrisches und essayistisches Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen wie zum Beispiel 1993 den Georg-Büchner-Preis und 2003 den Nicolas-Born-Preis des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, 2009 postum den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor . 2008 verstarb Peter Rühmkorf.Martin Opitz begründete den Ruhm Schlesiens als 'Heimat der Poeten'. Die großen Autoren des 17. Jahrhunderts griffen immer wieder auf seine Dichtungslehre zurück, das Buch von der deutschen Poeterey, die erste und maßgebliche deutschsprachige 'Anweisung' für Dichter. Martin Opitz' literarische Texte sind nicht - wie wir es seit Goethe gewohnt sind - Erlebnisausdruck eines Individuums, sie variieren vielmehr schon vorgegebene rhetorische und poetische Muster. Vielfach handelt es sich dabei um 'Gelegenheitsdichtungen', von denen aus sich aber dennoch eine Spur zurückverfolgen lässt hin zur Biografie des Autors wie auch zu dessen Epoche, den Jahren des 'großen Krieges in Deutschland'.
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