Wer der Künstler und Songwriter Tom Liwa ist, das wissen jetzt wohl immer noch zu wenige - doch wer er war, dass werden in ein paar Jahrzehnten wohl etliche mehr wissen.
Er liebt es wohl zu überraschen, mich hat er jedenfalls überrascht mit diesem Album. Bei den ersten Durchgängen hat es mich irgendwie schon ein bißchen zurückgebeamt. In die Zeit der "Red` nicht von Strassen ..." und das ganze Album strahlt eine wunderbare Leichtigkeit aus, man trinkt Zitronenlimonade in den Zwanzigern oder so ähnlich, früher war man halt traurig und melancholisch, jetzt freut man sich darüber, dass man so war.
Wenige haben begriffen, welche wunderbare Musik er die letzten Jahre auf den Weg gebracht hat, welche Lyrik er dem Hörer immer tiefer ins Herz schraubt. Beruhigend zu wissen, dass es solche wie Tom Liwa gibt. Alle seine bisherigen Veröffentlichungen sind zeitlos, teilweise schwerelos, alle hatten einen wirklichen künstlerischen Hintergrund. "Schreib` auf meinen Grabstein: Ich wollte nie ein Boss sein!". Schön langsam scheint sich auch herumzusprechen, dass er einfach in einer eigenen Liga spielt. Ich erinnere mich noch an die soundhouse-Kritiken von Detlef von Duhn, der damals schon von der besten deutschen Band sprach (Flowerpornoes). Hier erinnert mich Tom Liwa an die Flowerpornoes, ... die Platte passt gut zu den damaligen im Plattenschrank.
Die Titel kommen wie immer ein bißchen kryptisch daher, doch nicht mehr ganz so abstrakt wie noch vor ein paar Jahren. Die Band im Hintergrund spielt absolut sauber und gediegen. Ein herrlicher Bass ist zu hören, der sich auch immer wieder mal ein kleines Solo erlauben darf. Orgelsounds wabern ganz sanft-golden dahin. Bei "Bleib bis zum Morgen" kommt Sixties-Feeling auf, starker Song ... genau die richtige Länge. Alles gut durchgejazzt und fein gewürzt. Der Musik und den Texten wird Raum zum Atmen gelassen. Bei den ersten Durchgängen stechen "Wo Ludwig Adobar den Engel traf", "Eh egal", "Crazy Tom" und "Der weisse Rabe" hervor, doch nach und nach schälen sich auch die anderen Perlen aus ihrer Muschel. Die vielen Tierthemen haben für mich auch irgendwie eine Erinnerung an all die wunderschönen alten Kinderlieder hervorgerufen.
Klar, bin ich ein Fan von Tom Liwa ... und er ist ja weniger ein Fan von dem Laden hier ...
Was wird bleiben von den deutschen Liedermachern, Songschreibern und Dichtern in ein paar Jahrzehnten? An Leute wie Rio Reiser und Tom Liwa werden sich die Leute erinnern ... hoffentlich!