Ich hätte nichts dagegen gehabt, eine kontroverse Meinung zum gängigen Konsens zu lesen - interessant untermauert kann sowas zumindest ein spannendes Lesevergnügen und tolles Gedankenspiel sein, und wer weis denn schon, ob nicht auch an abenteuerlichen Thesen etwas dran ist?
Ich muss allerdings sagen, dass mich "Kolumbus kam als Letzer" in jeder Hinsicht enttäuscht hat.
Zillmer schreibt konfus und reisst häufig eine These nach der anderen an, ohne sich irgendeinem Thema mal wirklich zu widmen. Ein typischer "Zillmer-Beweis" sieht so aus, das er eine These in den Raum stellt, einen nicht notwendigerweise zusammenhängenden Fund erwähnt und damit sämtliche Gegenansichten als ausgehebelt betrachtet... so sehr, dass er sie gar nicht nennt, geschweige denn diskutiert.
Einen Beweis oder auch nur eine schlüssige Argumentation für Irgendetwas liefert er nicht, sondern lediglich reine Spekulationen unter Ausblendung von hunderten alternativer Erklärungen. Gegenläufige Ansichten, Erkenntnisse oder Funde werden konsequent verschwiegen (weswegen auch immer) oder schlichtweg aus dem Zusammenhang gerissen und falsch zitiert.
Toll ist auch Zillmers Logik wenn es um Falsifikation bestehender Theorien geht: er blendet immer wieder "elegant" aus, das selbst wenn Theorie A nicht 100% zutreffend ist deswegen nach lange nicht zwangsläufig Theorie B (also seine) bewiesen ist.
Hinzu kommt eine erschreckende Vereinfachung, die Zillmer's wissenschaftlichen Anspruch an seine Werke leider völlig lächerlich wirken lässt.
Selbst für sehr komplexe Themengebiete benötigt Zillmer in aller Regel wenige Seiten, einfach weil er sträflich simplifiziert und das Meiste, was gegen seine Ansichten spricht, großzügig unter den Tisch kehrt.
Viele Thesen von Zillmer werden darüber hinaus mit Scheinargumenten wie "Ist es nicht verwunderlich, dass..." unterfüttert.
Hierzu nur soviel: wenn ich Sachverhalte sehr einseitig darstelle und gröbstens (!) vereinfache stoße ich zwangsläufig IMMER auf "komische" Zusammenhänge.
In der Pseudowissenschaft wird leider häufig so gearbeitet, bei Zillmer, der sich so gerne als Wissenschaftler feiert, geschieht dies allerdings besonders penetrant und in höchst ärgerlicher Weise.
Alles in allem: wissenschaftliche Beweisführung sieht leider völlig anders aus.
Hinzu kommt noch ein schlichtweg schlechter Schreibstil, der den Leser für dumm verkauft und welcher nach kurzer Zeit jeden Nerv raubt. Zillmer stürzt sich hektisch und konfus, wie bereits geschildert, von einer These in die Nächste. Klare Argumentationen, Reflektionen und Gegenüberstellung von These und Gegenthese, Diskussionen? Fehlanzeige.
Ich kann für mich nur das Fazit ziehen, dass Zillmer höchst unwissenschaftlich arbeitet, keine seiner gewagten und abstrusen Thesen tatsächlich belegt und leider nicht mal interessant schreiben kann.