Durch das Internet, glaubte man eine Zeit lang, würden Lexikonverlage einen erschwerten Stand haben. Nicht aber so die Reisebuch-Reihe des Hamburger Sebra-Verlages. Ob über Chile oder Bolivien, Peru oder Kolumbien: Die Bücher werden ständig auf dem neuesten Stand gehalten. Die Ausgabe 2006 zum Beispiel über Kolumbien bespricht die neue Situation unter der Regierung von Alvaro Uribe, der (Hardliner im Kampf gegen die Drogen-Kriminalität) gerade eine wohlwollende Einladung von Präsident Bush auf dessen Farm in Texas erhalten hat. Städte wie Bogota erleben aktuell eine Wiederauferstehung. Es gelingt, zumindest in den urbanen Zentren, in großem Tempo der Anschluss an den internationalen Tourismus-Betrieb. In Bogota wurde ein faszinierendes Goldmuseum eröffnet. Der international bekannte Bildhauer Fernando Botero vermachte einen Großteil seiner Skulpturen der Hauptstadt Bogota. Medellin hat, wie das permanent Südamerika bereisende Autorenpaar versichert, die „stolzesten Männer, die intelligentesten und schönsten Frauen". Cali empfiehlt sich für den Genuss von Salsa-Musik. Die vielleicht schönste Stadt Südamerikas ist Cartagena, an der Karibik gelegen, mit uralter, komplett erhaltener Stadtmauer - Meerblick eingeschlossen. Nicht nur der Formel I Rennfahrer Juan Pablo Montoya oder der Schriftsteller Gabriel Garcia Marquez sind also Aushängeschilder (im Roman „Die Liebe in den Zeiten der Cholera" kann man übrigens eine Flussfahrt von Cartagena den Rio Magdalena hinauf nachverfolgen). Aushängeschilder sind die Naturparks, die Flüsse - oder die beiden verschiedenen Meeresküsten. Im Pazifik, küstennah, befindet sich die Isla Gorgona. Mit Preislisten, Kartenmaterial, Telefon- und Internet-Verbindungen, Flug-, Bahn- und Schiff-Connections hilft das Buch wie bei jedem anderen Landkartenpunkt in Kolumbien auch hier weiter. Eine gute Idee ist auch, dass der Autor, der einst mit einem Paddelboot den Amazonas und seine Seitenflüsse durchfurchte (und dies in einem hoch gelobten Abenteuerbericht in Buchform brachte) den Reiseführer zum Anlass nimmt, verschiedene Passagen an der richtigen Stelle einzufügen. Auch der Farbfoto-Teil macht wie stets Freude: Ein schief stehender Dampfer, der Kinski bzw. Fitzcarraldo alle Freude gemacht hätte, ist zu sehen, ebenso Szenen aus dem phantasievollen Karnevalstreiben. Sich in dieses Buch zu versenken ist allerdings sehr gefährlich: Es führt einen hinterrücks und unversehens sehr nah an die Kante des Entschlusses, umgehend aufzubrechen, Richtung Südamerika.