Film:
Auf Rhodos ist nicht alles so friedlich, wie es Dareios, dem berühmten Feldherrn aus Athen, weissgemacht wird; der König von Rhodos entgeht zwei Attentatsversuchen, Dareios selbst wird durch ein Versehen für ein Spion gehalten, während die Rebellen ihn entführen wollen, um ihn von ihrer Sache zu überzeugen. Ehe er sich versieht, steckt Dareios mitten im Schlamassel aus Intrigen und Rebellion. Er entscheidet sich für die Rebellen, doch auch er kann nicht verhindern, dass die Rebellen aufgerieben werden. Sein Vertrauen zu einer Dame erweist sich in dieser Hinsicht als fatal. Doch die Sache ist noch längst nicht verloren...
Leones offizielles Regiedebut erweist sich als der wohl beste Sandalenfilm Italiens - versehen mit einer Ironie, die mal deutlich zum Vorschein kommt (Dareios' Kampf mit den Rebellen im Haus seines Onkels), mal subtil im Hintergrund operiert (die Erläuterungen über Rhodos als "Insel des Friedens", während Dareios mehrere Male Zeuge von Gewalttaten wird). Seine Handschrift ist vielleicht noch nicht so konkret ausgeprägt, aber vieles ist schon vorhanden: seine spezifische Kamerasichtweise in Form von Schwenks um die eigene Achse oder die Montage von den Schauspielern, wie sie sich gegenseitig anblicken, deuten schon auf die epischen Momente seiner späteren Meisterwerke hin. Im Vergleich zu anderen Sandalenepen, die in filmischer Hinsicht eher als profan zu bezeichnen sind, ist DER KOLOSS VON RHODOS erstaunlich tiefgründig, und man merkt immer wieder, daß Leone permanent versucht, die Klischees aufzubrechen. Dareios agiert in der ersten Hälfte des Films praktisch garnicht - er ist ein Spielball in den Kräften der Mächtigen: er will eine Frau verführen, wird von ihr aber in ein Verlies gesperrt; später wird er von den Rebellen angesprochen, die ihn überzeugen wollen, für ihre Sache Partei zu ergreifen, doch er hält es für eine Entführung; als er Rhodos entgegen des Verbots verlassen will, wird er mit den Rebellen zusammen gefangengenommen; seine Befreiung gelingt nur deshalb, weil er den Rebellen beisteht. Als er endlich selber handelt, macht er gleich einen ganz großen Fehler und vertraut der falschen Person.
Allein diese Details enthüllen Leones grimmigen Humor, denn der Held der Geschichte wirkt anfangs wie ein blasierter Schönling, der recht tumb in eine Geschichte gerät, die ihn über den Kopf hinauswächst; als Dareios später die Sache ernst nimmt und die Kontrolle übernimmt, verliert er jede Weichlichkeit und wirkt wesentlich echter als viele andere Heldenrollen. Rory Calhoun erweist sich dabei als exzellente Besetzung, bringt er doch anfangs die Unbekümmertheit und später die Entschlossenheit treffend zur Geltung.
Auch die anderen Darsteller können sich sehen lassen: Lea Massari bringt den Ehrgeiz ihrer Rolle auf den Punkt, und Georges Marchal hat zurecht alle Sympathien als Rebellenführer Peliocles. Jorge Rigaud als schusseliger, aber aufrechter Lissipo ist eine echte Freude, und Roberto Camardiel als König Xerxes von Rhodos ist herrlich arrogant und unbedarft. Und Angel Aranda als Koros, der hinterhältige Berater des Königs, der seinen eigenen Ambitionen folgt, trieft vor Verschlagenheit. - Zugegeben: tiefausgelotete Charaktere lassen sich auch hier nicht finden, aber Leones hintergründige Sichtweise auf das Geschehen verbessern das Vergnügen um einige Zoll.
Kurzum: DER KOLOSS VON RHODOS ist intelligent gemachtes Kintoppkino der alten Schule und beeindruckt auch heute noch mit seinem Flair.
DVD:
Im Jahre 2003 erschien der Film das erste Mal auf DVD, mit einer Laufzeit von 101:35. Die Qualität war okay, aber zurecht gab es Einwände, daß der Film gekürzt war, denn die TV-Fassung läuft immerhin 122 (!) min, und selbst die war bereits gekürzt worden, als der Film 1962 in die Kinos kam. Die DVD dagegen verschandelte den Film komplett, denn wichtige Szenen für das Verständnis der Geschichte waren einfach weggelassen worden. Das war der traurige Tiefpunkt in der CINEMA-COLOSSAL-Reihe gewesen, die an sich ganz solide Veröffentlichungen aufzuweisen hat.
Jetzt endlich hat sich e.m.s. erbarmt und bringt den Film in seiner integralen Laufzeit von 137:17 nochmals heraus. Es ist eine Neuabtastung, wesentlich besser als die vorherige. Der Bildstand ist ruhig, wenn auch die Schnittwechsel vibrieren (typisch für Abtastungen der originalen Kameranegative). Die Farben sind sauber und kräftig. - Für die deutsche Tonfassung hat man zum Glück die alte Synchro beibehalten, und die Szenen, die damals nicht synchronisiert wurden, hat e.m.s. neu anfertigen lassen. Da 44 Jahre dazwischenliegen, mußte man andere Sprecher nehmen, aber immerhin klingen die neuen Stimmen etwas ähnlich. Es sind 8 Minuten an Neusynchronisation vorhanden, was darauf hindeutet, daß e.m.s. die komplette Synchro der alten Kinofassung verwendet hat.
Fazit:
Anscheinend werden Träume doch noch wahr...
Zum Glück für alle Leone- und Historienfans hat e.m.s. eine wirkliche Großtat vollbracht und die beschähmende Veröffentlichung von vor drei Jahren korrigiert! Jetzt liegt DER KOLOSS VON RHODOS in einer herrlichen Edition vor. SO MÜSSEN DIE ALTEN FILME ERSCHEINEN - KOMPLETT, NEU ABGETASTET, MIT ORIGINALTON UND EINEM ORDENTLICHEM BOOKLET DAZU!
Kaufen!!!!!!
Bildformat beträgt 2,35:1 (16:9)
Ton: deutsch und italienisch
Untertitel deutsch (basiert auf der italienischen Sprachfassung)
Specials: Bio- und Filmographie über Leone, 2 Trailer, Bildershow, 1 Dokumentation über die sieben Weltwunder auf der Bonus-DVD und 1 Booklet (16 Seiten), das ganze im Pappschuber.