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Kolonialkrieg in China. Die Niederschlagung der Boxerbewegung 1900-1901
 
 
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Kolonialkrieg in China. Die Niederschlagung der Boxerbewegung 1900-1901 [Broschiert]

Mechthild Leutner (Hg.) , Klaus Mühlhahn (Hg.)
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Als Resümee bleibt festzuhalten, dass der Band in hervorragender Weise den aktuellen Stand der Forschung zum »Boxeraufstand« und die sich an ihn anschließende Intervention der Kolonialmächte wiedergibt. (Militärgeschichtliche Zeitschrift)

Den aktuellen Forschungsstand zum Boxerkrieg und zu den Beziehungen Chinas zu den europäischen Großmächten 1900 bis 1901 bietet dieser Sammelband in 25 Beiträgen von 16 Autoren aus Deutschland, China und den Vereinigten Staaten. Vorgeschichte und Nachwirkungen der Boxerbewegung werden ebenso eindrücklich geschildert wie die Wahrnehmung dieser Auseinandersetzungen im Deutschland der Kaiserzeit. (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Das Buch fasst den derzeitigen Forschungsstand zusammen und öffnet manche neue Perspektive. Eine chronologische Übersicht am Ende erleichtert das Zusammenlesen der 26 Aufsätze. Und man erfährt, wie die Erinnerung an die Boxer instrumentalisiert wurde, um die Macht der Europäer und Japaner zu legitimieren und um den chinesischen Nationalismus zu verstärken. (Berliner Zeitung)

Kurzbeschreibung

Im Juni 1900 begannen chinesische Truppen und Boxerverbände das Gesandtschaftsviertel in Peking zu belagern. Sie wehrten sich gegen den zunehmenden Einfluss westlicher Kolonialmächte in China. Nach der Ermodrung des deutschen Gesandten Clemens von Ketteler hielt Kaiser Wilhelm II. seine berüchtigte "Hunnenrede", und die westlichen Mächte schickten unter Leitung Graf Waldersees Militär nach China.

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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von timediver® HALL OF FAME REZENSENT TOP 100 REZENSENT
"The Germans to the front!"

.....diesen berüchtigten Befehl erteilte Admiral Edward Hobart Seymour am 22. Juni 1900 dem Führer des aus vier Kompanien bestehenden deutschen Kontingents, Kapitän zur See von Usedom. Entgegen der landläufigen Meinung, dass nur die Deutschen die Lage hätten bereinigen können, wurden sie lediglich zur planmäßigen Ablösung der Briten nach vorne beordert.

Mit "Kolonialkrieg in China. Die Niederschlagung der Boxerbewegung 1900 - 1901" ist bereits im März 2007 der sechste Band der Sachbuchreihe "Schlaglichter der (deutschen) Kolonialgeschichte" erschienen. Das Buch ist konzipiert als eine Zusammenstellung von 26 Aufsätzen, die in sechs Abschnitten thematisch zusammengefasst sind. Neben den Herausgebern Mechthild Leutner und Klaus Mühlhahn, die selbst vier, bzw. fünf Beiträge leisten, stammen auch die anderen Artikel von renommierten Sinologen und Historikern, die fast alle an chinesischen oder deutschen Universitäten tätig sind.

Nach einer Übersichtskarte "China in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts" auf der die Pachtgebiete und Einflussbereiche der imperialen Mächte eingezeichnet sind, befasst sich der erste Abschnitt "Das Umfeld" der Vorgeschichte. Nach den ersten Kontakten mit den Europäern im 16. Jahrhundert, nahmen neben missionarischer Tätigkeit, vor allem die Bemühungen zu, Stützpunkte in Besitz zu nehmen und Märkte zu erschließen. So gelang es Großbritannien nach dem Opiumkrieg (1840 - 1842) neben Kriegsentschädigungen, die Öffnung von fünf Vertragshäfen, Abschaffung des Handelsmonopols chinesischer Kaufleute (Co-Hong) und die Abtretung Hongkongs durchzusetzen. In der Folgezeit nutzte auch Frankreich die innere Zerrissenheit Chinas nach dem T'ai-p'ing Aufstand und anderer Unruhen. Nach dem verloren Krieg gegen Japan Taiwan und die Peskadoren Inseln abtreten. Das Deutsche Kaiserreich nimmt die Ermordung zweier deutscher Missionare zum Anlass, die Bucht von Kiautschou in Besitz zu nehmen und sich die Rechte zur Errichtung von zwei Eisenbahnlinien und dem Betrieb von Bergwerken in Shadong zusichern zu lassen. Die Instrumentalisierung der christlichen Missionare und der Chinesischen Neuchristen (Missionszwischenfälle) bietet den Europäern reichliche Anlässe, um China allmählich seiner Selbstbestimmung zu berauben und das Land zu einer "Halbkolonie" eines multilateralen Wirtschaftsimperialismus zu machen.

Das Kapitel "Die Boxer" stellt zunächst die Wurzeln und die Beweggründe der "I-ho-ch'üan" (Faustkämpfer für Recht und Einigkeit) vor. Neben wirtschaftlich-sozialen prägten vor allem religiös-nationale Aspekte die Motivation, warum sich junge und verarmte Bauern den Boxerverbänden anschlossen. Kampfkunst und z. B. die Technik "Unverwundbar durch Schwert und Kugel" und die Zeremonie "Beistand der Geister" stammten alle aus der dörflichen Volkskultur Nordchinas. Mit Hilfe der Götter und Geister wollten Gruppierungen und Sekten wie die "Himmel und Erde- Gesellschaft", die "Eiserne Peitsche", die "Acht Trigramme" usw. alle "Christlichen Teufel" vertreiben. Insgesamt gab es 62 verschiedene Richtungen unbewaffneter und bewaffneter Kampfarten. Auch Frauen schlossen sich zu Kampfeinheiten, wie den "Leuchtenden Roten Laternen" zusammen. Obwohl die Boxer unter der Parole "Fu Qing mie yang" (Ünterstützt die Qing, vernichtet die Ausländer) kämpften, herrschte zwischen ihnen und dem Qing-Kaiserhof mit seinen Generälen ein ambivalentes Verhältnis, bis die Kaiserinwitwe Cixi in einem Edikt verkündet, das die Boxerbewegung überwiegend rechtmäßig und gesetzestreu sei.

In "Der Krieg" kämpfen Boxereinheiten gemeinsam mit Regierungstruppen, zerstören Eisenbahn- und Telegraphenverbindungen und ermorden Einsenbahnangestellte. Vom 20. Juni bis 14. August 1900 wird das Gesandtschaftsviertel von Peking belagert. Am ersten Tag war der deutsche Gesandte Clemens Freiherr von Ketteler auf seinem Weg zum chinesischen Außenministerium (Zongli Yamen) von einem mandschurischen Bannersoldaten erschossen worden. Bereits am 4. Juni waren 24 ausländische Kriegsschiffe vor den Dagu-Forts nahe Tianjin gelandet. Nun überschlagen sich die Ereignisse. Unter dem Kommando Admirals Edward Hobart Seymour macht sich eine 2066 Man starke Truppe auf den Weg nach Peking, währen Boxertruppen Christen und "Verdächtige" töten und Kirchen in Brand setzen. Am 11. Juni war außerdem der japanische Gesandtschaftssekretär Sugiyama in Peking erschossen worden. Nachdem Peking am 21. Juni allen ausländischen Staaten den Krieg erklärt hatte, hält Kaiser Wilhelm II. in Bremerhafen seine berüchtigte "Hunnenrede". Eine 20.000 Mann starke Truppe der "Acht Alliierten" (Deutsches Reich, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Österreich-Ungarn, Russland und den USA) marschiert von Tianjin nach Peking und
Begint mit einer großangelegten Plünderung chinesicher Städte. Nach der Befreiung des Pekinger Gesandtschaftsviertel und der Flucht von Cixi und der kaiserlichen Regierung eine Siegesparade und Feierlichkeiten in der vormals "Verbotene Stadt" abzuhalten. Am 7. September macht Kaiserinwitwe Cixi die Boxer für die Niederlage verantwortlich und kündigt an Regierungstruppen gegen sie einzusetzen. Unter dem Oberbefehl Alfreds Graf von Waldersee wird eine Strafexpedition nach Baoding durchgeführt. Bei der Zerstörung öffentlicher Gebäude, kollektiver Massaker und Strafmaßnahmen gegen die Zivilbevölkerung, öffentlichen Hinrichtungen hoher Qing-Beamter zeichnen sich besonders Einheiten des Deutschen Reiches und der Japaner aus, deren mittelalterliches Inselreich erst knapp 50 Jahre zuvor mit Hilfe US-amerikanischer und russischer Kanonenboote "geöffnet" wurde. Das Kaiserliche Observatorium von Peking wurde zum Beutegut und landete in Berlin.

Erschreckend ist Dietlind Wünsches Aufsatz "Feldpostbriefe aus China" in denen die rassistische Dimension der Kriegsführung, ganz im Sinne von Wilhelm II. ("Pardon wird nicht gegeben") deutlich wird. "Die Heimatfront" lässt lediglich seitens der Sozialdemokraten in den Reichtagsdebatten zur nachträglichen Genehmigung der finanziellen Mittel für die Strafexpedition erkennen, dass es sich um gravierende Verstöße gegen das Völkerrecht handelte. Während August Bebel den Kolonialkrieg scharf attackierte, war man bei in den anderen Fraktionen der Ansicht, dass China nicht zu den zivilisierten Nationen gehöre und daher Völkerrecht und Haager Landkriegsordnung nicht anzuwenden seien. Auch die Motive deutscher Postkarten leisteten einerseits dem deutschen Vaterländischen Pathos, andererseits dem Bild "Bezopfter Heiden", der "Gelben Gefahr" und dem "Gelben Neid" Vorschub.

"Das Ende" fand sich in den sechs Punkten des Boxerprotokolls. Bestrafung der Hauptverantwortlichen, Verbot der Einfuhr von Waffen nach China, Entschädigung für alle Schäden, Stationierung fester Kontingente, Schleifung der Dagu-Forts und die Besetzung strategisch wichtiger Punkte zur Sicherung des Zugang nach Peking. Begünstigte Nationen waren neben den "Acht Allierten" auch Italien und Spanien, dass bereits 1898 die Philippinen an die USA, die Mariannen an Deutschland verloren hatte. Prinz Chun reiste als Sühnehandlung nach Deutschland und sollte vor Wilhelm II. eine Kotau machen. Auch der errichtete Gedenkbogen für Clemens von Ketteler sollte der Demütigung der Chinesen dienen.

"Die Erinnerung" lässt die Ereignisse als Anfang vom Ende des chinesischen Kaiserreichs erscheinen, denn 1911 von Sun Yatsen die Republik China gegründet. Auch die KP Chinas bediente sich währen der Kulturrevolution der Boxer als Vorbild.

Zum Abschluss bietet das Buch noch einen 42seitigen Anhang mit nummerierten Anmerkungen (Fußnoten) zu den einzelnen Beiträgen, ein umfangreiches Literaturverzeichnis, eine Zeittafel, die Vorstellung aller Autoren, sowie ein Namen-/Orts- und eines Personenregisters. Eine weitere Karte "Gebiet des Boxeraufstandes" und eine Vielzahl von SW-Fotos und Abbildungen vermitteln ein anschauliches Bild.

Mit Ausnahme der Hinweise, dass der Süden Chinas weitgehend von der Boxerbewegung verschont blieb, zunächst der Handel von Macao aus organisiert wurde, die Südchinesen von diesen intensiven Handelskontakten profitierten und daher selbstverständlicher im ausländischer Präsenz umgingen als ihre Landsleute im Norden, gibt es keine weitere Darstellung des portugiesischen Kolonialismus. Auch eine Darlegung der Gründe, warum sich Lissabon aus dem sogenannten Boxerkrieg heraus hielt, fehlt.

Dennoch bietet das Buch eine - aus chinesischer und europäischer Sicht - differenzierte Darstellung eines Stückes unrühmlicher (deutscher) Geschichte und ist mit 5 Amazonsternen zu bewerten.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von timediver® HALL OF FAME REZENSENT TOP 100 REZENSENT
"The Germans to the front!"

.....diesen populären Befehl erteilte Admiral Edward Hobart Seymour am 22. Juni 1900 dem Führer des aus vier Kompanien bestehenden deutschen Kontingents, Kapitän zur See von Usedom.

Mit "Kolonialkrieg in China. Die Niederschlagung der Boxerbewegung 1900 - 1901" ist bereits im März 2007 der sechste Band der Sachbuchreihe "Schlaglichter der (deutschen) Kolonialgeschichte" erschienen. Das Buch ist konzipiert als eine Zusammenstellung von 26 Aufsätzen, die in sechs Abschnitten thematisch zusammengefasst sind. Neben den Herausgebern Mechthild Leutner und Klaus Mühlhahn, die selbst vier, bzw. fünf Beiträge leisten, stammen auch die anderen Artikel von renommierten Sinologen und Historikern, die fast alle an chinesischen oder deutschen Universitäten tätig sind.

Nach einer Übersichtskarte "China in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts" auf der die Pachtgebiete und Einflussbereiche der imperialen Mächte eingezeichnet sind, befasst sich der erste Abschnitt "Das Umfeld" der Vorgeschichte. Nach den ersten Kontakten mit den Europäern im 16. Jahrhundert, nahmen neben missionarischer Tätigkeit, vor allem die Bemühungen zu, Stützpunkte in Besitz zu nehmen und Märkte zu erschließen. So gelang es Großbritannien nach dem Opiumkrieg (1840 - 1842) neben Kriegsentschädigungen, die Öffnung von fünf Vertragshäfen, Abschaffung des Handelsmonopols chinesischer Kaufleute (Co-Hong) und die Abtretung Hongkongs durchzusetzen. In der Folgezeit nutzte auch Frankreich die innere Zerrissenheit Chinas nach dem T'ai-p'ing Aufstand und anderer Unruhen. Nach dem verloren Krieg gegen Japan Taiwan und die Peskadoren Inseln abtreten. Das Deutsche Kaiserreich nimmt die Ermordung zweier deutscher Missionare zum Anlass, die Bucht von Kiautschou in Besitz zu nehmen und sich die Rechte zur Errichtung von zwei Eisenbahnlinien und dem Betrieb von Bergwerken in Shadong zusichern zu lassen. Die Instrumentalisierung der christlichen Missionare und der
Chinesischen Neuchristen (Missionszwischenfälle) bietet den Europäern reichliche Anlässe, um China allmählich seiner Selbstbestimmung zu berauben und das Land zu einer "Halbkolonie" eines multilateralen Wirtschaftsimperialismus zu machen.

Das Kapitel "Die Boxer" stellt zunächst die Wurzeln und die Beweggründe der "I-ho-ch'üan" (Faustkämpfer für Recht und Einigkeit) vor. Neben wirtschaftlich-sozialen prägten vor allem religiös-nationale Aspekte die Motivation, warum sich junge und verarmte Bauern den Boxerverbänden anschlossen. Kampfkunst und z. B. die Technik "Unverwundbar durch Schwert und Kugel" und die Zeremonie "Beistand der Geister" stammten alle aus der dörflichen Volkskultur Nordchinas. Mit Hilfe der Götter und Geister wollten Gruppierungen und Sekten wie die "Himmel und Erde- Gesellschaft", die "Eiserne Peitsche", die "Acht Trigramme" usw. alle "Christlichen Teufel" vertreiben. Insgesamt gab es 62 verschiedene Richtungen unbewaffneter und bewaffneter Kampfarten. Auch Frauen schlossen sich zu Kampfeinheiten, wie den "Leuchtenden Roten Laternen" zusammen. Obwohl die Boxer unter der Parole "Fu Qing mie yang" (Ünterstützt die Qing, vernichtet die Ausländer) kämpften, herrschte zwischen ihnen und dem Qing-Kaiserhof mit seinen Generälen ein ambivalentes Verhältnis, bis die Kaiserinwitwe Cixi in einem Edikt verkündet, das die Boxerbewegung überwiegend rechtmäßig und gesetzestreu sei.

In "Der Krieg" kämpfen Boxereinheiten gemeinsam mit Regierungstruppen, zerstören Eisenbahn- und Telegraphenverbindungen und ermorden Einsenbahnangestellte. Vom 20. Juni bis 14. August 1900 wird das Gesandtschaftsviertel von Peking belagert. Am ersten Tag war der deutsche Gesandte Clemens Freiherr von Ketteler auf seinem Weg zum chinesischen Außenministerium (Zongli Yamen) von einem mandschurischen Bannersoldaten erschossen worden. Bereits am 4. Juni waren 24 ausländische Kriegsschiffe vor den Dagu-Forts nahe Tianjin gelandet. Nun überschlagen sich die Ereignisse. Unter dem Kommando Admirals Edward Hobart Seymour macht sich eine 2066 Man starke Truppe auf den Weg nach Peking, währen Boxertruppen Christen und "Verdächtige" töten und Kirchen in Brand setzen. Am 11. Juni war außerdem der japanische Gesandtschaftssekretär Sugiyama in Peking erschossen worden. Nachdem Peking am 21. Juni allen ausländischen Staaten den Krieg erklärt hatte, hält Kaiser Wilhelm II. in Bremerhafen seine berüchtigte "Hunnenrede". Eine 20.000 Mann starke Truppe der "Acht Alliierten" (Deutsches Reich, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Österreich-Ungarn, Russland und den USA) marschiert von Tianjin nach Peking und
Begint mit einer großangelegten Plünderung chinesicher Städte. Nach der Befreiung des Pekinger Gesandtschaftsviertel und der Flucht von Cixi und der kaiserlichen Regierung eine Siegesparade und Feierlichkeiten in der vormals "Verbotene Stadt" abzuhalten. Am 7. September macht Kaiserinwitwe Cixi die Boxer für die Niederlage verantwortlich und kündigt an Regierungstruppen gegen sie einzusetzen. Unter dem Oberbefehl Alfreds Graf von Waldersee wird eine Strafexpedition nach Baoding durchgeführt. Bei der Zerstörung öffentlicher Gebäude, kollektiver Massaker und Strafmaßnahmen gegen die Zivilbevölkerung, öffentlichen Hinrichtungen hoher Qing-Beamter zeichnen sich besonders Einheiten des Deutschen Reiches und der Japaner aus, deren mittelalterliches Inselreich erst knapp 50 Jahre zuvor mit Hilfe US-amerikanischer und russischer Kanonenboote "geöffnet" wurde. Das Kaiserliche Observatorium von Peking wurde zum Beutegut und landete in Berlin.

Erschreckend ist Dietlind Wünsches Aufsatz "Feldpostbriefe aus China" in denen die rassistische Dimension der Kriegsführung, ganz im Sinne von Wilhelm II. ("Pardon wird nicht gegeben") deutlich wird. "Die Heimatfront" lässt lediglich seitens der Sozialdemokraten in den Reichtagsdebatten zur nachträglichen Genehmigung der finanziellen Mittel für die Strafexpedition erkennen, dass es sich um gravierende Verstöße gegen das Völkerrecht handelte. Während August Bebel den Kolonialkrieg scharf attackierte, war man bei in den anderen Fraktionen der Ansicht, dass China nicht zu den zivilisierten Nationen gehöre und daher Völkerrecht und Haager Landkriegsordnung nicht anzuwenden seien. Auch die Motive deutscher Postkarten leisteten einerseits dem deutschen Vaterländischen Pathos, andererseits dem Bild "Bezopfter Heiden", der "Gelben Gefahr" und dem "Gelben Neid" Vorschub.

"Das Ende" fand sich in den sechs Punkten des Boxerprotokolls. Bestrafung der Hauptverantwortlichen, Verbot der Einfuhr von Waffen nach China, Entschädigung für alle Schäden, Stationierung fester Kontingente, Schleifung der Dagu-Forts und die Besetzung strategisch wichtiger Punkte zur Sicherung des Zugang nach Peking. Begünstigte Nationen waren neben den "Acht Allierten" auch Italien und Spanien, dass bereits 1898 die Philippinen an die USA, die Mariannen an Deutschland verloren hatte. Prinz Chun reiste als Sühnehandlung nach Deutschland und sollte vor Wilhelm II. eine Kotau machen. Auch der errichtete Gedenkbogen für Clemens von Ketteler sollte der Demütigung der Chinesen dienen.

"Die Erinnerung" lässt die Ereignisse als Anfang vom Ende des chinesischen Kaiserreichs erscheinen, denn 1911 von Sun Yatsen die Republik China gegründet. Auch die KP Chinas bediente sich währen der Kulturrevolution der Boxer als Vorbild.

Zum Abschluss bietet das Buch noch einen 42seitigen Anhang mit nummerierten Anmerkungen (Fußnoten) zu den einzelnen Beiträgen, ein umfangreiches Literaturverzeichnis, eine Zeittafel, die Vorstellung aller Autoren, sowie ein Namen-/Orts- und eines Personenregisters. Eine weitere Karte "Gebiet des Boxeraufstandes" und eine Vielzahl von SW-Fotos und Abbildungen vermitteln ein anschauliches Bild.

Mit Ausnahme der Hinweise, dass der Süden Chinas weitgehend von der Boxerbewegung verschont blieb, zunächst der Handel von Macao aus organisiert wurde, die Südchinesen von diesen intensiven Handelskontakten profitierten und daher selbstverständlicher im ausländischer Präsenz umgingen als ihre Landsleute im Norden, gibt es keine weitere Darstellung des portugiesischen Kolonialismus. Auch eine Darlegung der Gründe, warum sich Lissabon aus dem sogenannten Boxerkrieg heraus hielt, fehlt.

Dennoch bietet das Buch eine - aus chinesischer und europäischer Sicht - differenzierte Darstellung eines Stückes unrühmlicher (deutscher) Geschichte und ist mit 5 Amazonsternen zu bewerten.
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Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Das vorliegende, von den beiden Herausgebern nicht unwesentlich inhaltlich mitgestaltete Buch ist der bisher sechste Band einer Reihe des Ch.Links Verlages mit dem Titel "Schlaglichter der Kolonialgeschichte", mit der insbesondere die deutsche Kolonialgeschichte aufgearbeitet werden soll, und die in den vergangenen Jahren in der Fachwelt eine für einen kleinen Verlag doch recht große Beachtung gefunden hat.

In diesem Band geht es in etwa 25 Aufsätzen internationaler Wissenschaftler um eine genaue Darstellung und Einordnung des als "Niederschlagung der Boxerbewegung" bekannt gewordenen Kolonialkriegs. Nachdem sich nämlich chinesische Truppen und Verbände der sogenannten Boxer, einer antikolonialistischen Aufstandsbewegung, zusammen getan hatten, um im Juni 1900 das Pekinger Gesandtschaftsviertel zu belagern und somit gegen den immer größer werdenden Einfluss westlicher und auch deutscher Kolonialmächte anzugehen, schlugen die Westmächte mit einer verheerenden militärischen Strafaktion zu, die alle Verhältnismäßigkeit überstieg. Sie töteten Tausende von Chinesen, hinterließen ganze Teile des Landes in einer massiven Verwüstung und plünderten Kulturschätze in erheblichem Umfang. Das Wesen des Kolonialismus, nämlich dem beherrschten Volk seine kulturelle Identität zu nehmen, lässt sich in dieser Auseinandersetzung gut beobachten und analysieren.

Das Buch bietet eine Gesamtschau der Ereignisse und ordnet sie verständlich in den historischen Zusammenhang ein. Neben den geschichtlichen Informationen sind die Reflexionen einiger Autoren über das Verhältnis von Kolonialem und "Modernem" und zwischen der kolonialen Vergangenheit und heutiger, nicht selten "nostalgischer" Erinnerung besonders hervorzuheben. Für Historiker und an deutscher und chinesischer Geschichte interessierte Menschen ist das Buch gedacht.
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