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Kolonialismus: Geschichte - Formen - Folgen
 
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Kolonialismus: Geschichte - Formen - Folgen [Taschenbuch]

Jürgen Osterhammel
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)

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Taschenbuch, 19. Mai 2009 --  
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 142 Seiten
  • Verlag: C.H.Beck; Auflage: 6., durchgesehene Auflage (19. Mai 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3406390021
  • ISBN-13: 978-3406390029
  • Größe und/oder Gewicht: 18,5 x 11,9 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 126.492 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Das historische Buch

Kolonialismus in konziser Form

Eine Darstellung von Jürgen Osterhammel

Kolonialismus gehört zu jenen historischen Problemkomplexen, deren weitreichenden Folgen sich niemand entziehen kann. Um so willkommener dürfte deshalb ein Bändchen sein, das auf gut 100 Seiten knappe, aber doch kompetente Informationen zu wesentlichen Themen und Fragestellungen vermittelt. Der Verfasser, J. Osterhammel, hat sich mit zahlreichen Veröffentlichungen zur Geschichte der europäischen Expansion und zur Geschichte Asiens einen Namen gemacht. Besondere Beachtung hat sein Buch über «China und die Weltgesellschaft. Vom 18. Jahrhundert bis in unsere Zeit» (München, 1989) gefunden.

Osterhammel geht vom Versuch aus, schillernde Begriffe wie «Kolonialismus», «informal empire» und «Imperialismus» möglichst klar abzugrenzen. «Kolonialismus» definiert er als Herrschaft unter den Verhältnissen kultureller Fremdheit. Ein Herrschaftsverhältnis wird, wie der Verfasser betont, vor allem auf Grund der Interpretationen durch Herrschende und Beherrschte als kolonialistisch verstanden – ein Umstand, der etwa die englische Herrschaft über Ägypten von der osmanischen unterscheide. Für den modernen Kolonialismus wesensbestimmend ist nicht bloss der Anspruch einer «Metropole», «periphere» Gesellschaften fremdzusteuern. Seit der frühen Neuzeit unterscheidet sich der europäische Kolonialismus von andern Formen der Expansion durch den starken Druck zur Akkulturation an die Werte der Kolonialherren. Die Überzeugung von der eigenen kulturellen Höherwertigkeit verleiht dem modernen Kolonialismus eine aggressive Wendung, die über die geographischen und zeitlichen Grenzen formeller kolonialer Herrschaft hinausreicht.

Die folgenden Kapitel behandeln politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Aspekte von Kolonialismus. Der Verfasser plädiert für eine differenzierte Sicht der Handlungsräume von Kolonialherren und Einheimischen. Während die ältere Kolonialgeschichte ebenso wie die nachkoloniale, marxistisch inspirierte Geschichtsschreibung – mit gegensätzlichen Wertungen – den energischen Zugriff der Kolonialherren betonte, wird heute die Frage nach den Subjekten neu gestellt, die in kolonialen Situationen zusammenwirkten. Auf diese Weise wird Kolonialismus als komplexer Prozess fassbar, der von ersten Kontakten zum Aufbau eines kolonialen Herrschaftsapparates führen konnte, wobei dieses Ergebnis selten von Anfang an feststand. So unterschied sich die Art, wie die Conquistadores in Amerika zugunsten der Krone Kastiliens von weiten Territorien Besitz ergriffen, wesentlich vom Vorgehen der Portugiesen und Niederländer in Asien, das nur teilweise und nach langer Zeit in die Besetzung grösserer Gebiete mündete.

Die Europäer wurden vielerorts zunächst nicht als besonders bedrohliche Eindringlinge wahrgenommen. Widerstandsbewegungen formierten sich oft nicht unmittelbar nach der militärischen Eroberung, sondern erst als Reaktion auf wachsende Ansprüche der kolonialen Verwaltung und auf die Bedrohung der angestammten Kultur. Rückgriffe auf vorkoloniale Ordnungsformen, wie sie etwa die Engländer in Indien praktizierten, implizierten eine konservative Stabilisierung der Gesellschaft. Obwohl koloniale Systeme als solche politische, wirtschaftliche und Kulturelle Fremdbestimmung sicherten, boten sie beschränkten Segmenten der kolonisierten Gesellschaften Möglichkeiten des Machterhalts oder gar der Besserstellung.

Im Unterschied zu manchen populären Darstellungen rezipiert Osterhammel neuere sozial- und kulturhistorische Untersuchungen, die das Bild des Kolonialismus als Manifestation politischer und ökonomischer Macht ergänzen. Sie zeigen durch ethnisch-soziale Trennung geprägte koloniale Gesellschaften; so waren zum Beispiel in Indien selbst loyale einheimische Beamte von der sozialen Anerkennung ausgeschlossen, die Beamte europäischer Herkunft genossen.

Indem die europäische Expansion – etwa durch christliche Mission oder die Vermittlung europäischer Erziehung – angestammte Lebenswelten in Frage stellte und die Betroffenen dazu zwang, sich kreativ auf solche Veränderungen einzustellen, führte sie zu einer Revolution des Bewusstseins des kolonialen Menschen (V. S. Naipaul). Im religiösen Bereich konnte sich diese sowohl in einer mehr oder weniger synkretistischen Bekehrung als auch in der Umformulierung einheimischer Vorstellungen äussern, wie sie beispielsweise seit dem 19. Jahrhundert in der Artikulierung des Hinduismus als doktrinal beschreibbare Weltreligion zu beobachten ist.

Abgeschlossen wird das Bändchen durch eine kurze Einführung in Probleme der Dekolonisation und eine knappe, aber aktuelle Bibliographie, die die Angaben in den Anmerkungen ergänzt.

Christian Windler

Kurzbeschreibung

Koloniale Herrschaft von Europäern - und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch von Nordamerikanern und Japanern - über große Teile der Erde war ein herausragendes Merkmal der Weltgeschichte zwischen etwa 1500 und 1960. Angesichts der extrem unterschiedlichen Entwicklung der früheren Kolonialgebiete in Amerika, Asien und Afrika stellt sich heute die Frage nach einer differenzierten Bewertung der Wirkungen des Kolonialismus. Das Buch unterscheidet Formen und Epochen des Kolonialismus. An Beispielen aus allen Imperien der Neuzeit schildert es Methoden der Eroberung, Herrschaftssicherung und wirtschaftlichen Ausbeutung, das Entstehen besonderer kolonialer Gesellschaften, Spielarten kultureller Kolonisierung, die Grundzüge kolonialistischen Denkens sowie die Ursachen der Dekolonisation.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
In diesem kleinen Band wird entsprechend des Verlagskonzepts der Reihe "Wissen" versucht, daß Phänomen des Kolonialismus bündig, aber dennoch fundiert darzustellen. Wer an Kolonialimus denkt, der sieht sofort die Kolonialreiche der Europäer in der Neuzeit vor Augen. Osterhammel versucht jedoch, das Phänomen in seiner universalhistorischen Bedeutung aufzuarbeiten. Theoretisch bedeutet dies, das von den Kolonialisierungsprozesses der Europäer im Besonderen abstrahiert wird, und statt dessen auch die Kolonisierung durch andere Reiche in der Geschichte -etwa durch die Japaner- berücksichtigt wird. In den ersten Kapitel geht es um die begriffliche Unterscheidung der Wortfamilie: Kolonisation, Kolonie, Kolonialismus, Kolonialreich usw. Im dritten Abschnitt versucht sich Osterhammel an einer geschichtlichen Einteilung, einer Periodidiserung in Epochen des Kolinialismus. Die Kapitel vier bis zehn lassen sich als eine systematische Soziologie des Kolonialismus zusammenfassen. Zunächst steht der koloniale Staat im Mittelpunkt, seine Herrschaftspraxis, seine Funktionen und Organe. Der Abschnitt endet mit einem Vergleich von territorialem Verwaltungsstaat und Nation. Die Abschnitte sechs und sieben drehen sich um die kolonialen Wirtschaftsformen und um die Struktur kolonialer Gesellschaften. Für letztere war im Fall der amerikanischen Einwanderer aus Europa kennzeichnend, daß sie sich zunehmend von ihrem Mutterland loslösten und eine eigene gesellschaftliche Identität aufbauten. Andererseits bestand die Voraussetzung für die europäische Expansionsdynamik darin, daß die europäischen "Nationen" zwar in engem Kontakt miteinander standen und gemeinsame Wurzeln hatten, jedoch gleichzeitig durch einen starken Konkurrenzdruck gekennzeichnet waren. Sehr interessant sind die Erläuterungen darüber, wie die kolonialen Zentren oftmals zur Ausgangsbasis für die heutigen "global cities" mit ihrer multikulturellen Gesellschaft wurden. Dies gilt etwa für Hong Kong ebenso wie für Rio des Janeiro. Kapitel acht beschäftigt sich mit der einheimischen Kultur der Kolonialisten und wie diese zur Ausgangsbasis für die Kolonialisierung wurde. Die letzten beiden Abschnitt drehen sich um das Kolonialistische Denken sowie schließlich um einen geschichtlichen Abriß der Dekolonialisierungsprozesse. Das Buch ist demjenigen zu empfehlen, der sich um einen systematischen, theoretisch ausgerichteten Überblick über das Phänomen des Kolonialismus verschaffen will. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
War diese Rezension für Sie hilfreich?
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Osterhammels Buch "Kolonialismus" versteht sich als Einführung in ein sehr komplexes und die Neuzeit sehr bewegendes Thema; denn wir spüren heute noch die Folgen, die das (europäische) Expansionsstreben seit etwa 1500 hervorgerufen hat. Dieses Buch bietet eine gute Grundlage, um weiterführende Literatur zum Thema leichter zu verstehen und zu bewerten. Die wichtigsten Begriffe, wie zum Beispiel der Begriff der "Kolonie", werden erläutert und die gängigsten Definitionen dieser Begriffe werden vorgestellt. An Beispielen aus allen Imperien seit dem 15. Jahrhundert schildert das Buch exemplarisch Methoden der Eroberung und die Reaktion der Eroberer auf Widerstand, koloniale Herrschaftstechniken, wie zum Beispiel die Zusammenarbeit mit einheimischen Eliten, die Bedeutung der Errichtung einer Kolonie für die einheimische Wirtschaft und auch für die Wirtschaft in den Staaten der Imperialherren, den Aufbau und die Schwierigkeiten in den kolonialen Gesellschaften und die Wirkung der Kolonisation auf die einheimische Kultur. Osterhammel gelingt sozusagen ein "Rundumschlag" durch die wichtigsten Gebiete der Kolonialismus - Forschung. Dabei gelingt es ihm, verständlich zu schreiben und die Zusammenhänge dem Anfänger zu verdeutlichen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von BayaM
Format:Taschenbuch
Ein sehr gut recherchiertes Werk: Klarer Standpunkt und klare Definitionen.Das Werk gibt eine gute und engagierte Orientierung.Sehr hilfreich als Einstiegswerk zum Thema Kolonialismus.
War diese Rezension für Sie hilfreich?

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