Selbstverständlich ist jedes Erwachen einzigartig und sollte nicht als Vergleichsmaßstab herangezogen werden. Mich hat diese Autobiographie dennoch sehr berührt. Segal räumt auf mit den gängigen "Praktiken" der Guru-Szene, wobei sie es dem Leser selbst überlässt, sich ein Bild zu machen, und macht deutlich, dass Erwachen losgelöst von jeglicher Anstrengung, sie zu erlangen, geschieht. Durch den radikalen Verlust der Identität erfuhr die Person dennoch tiefste Angstzustände, die sich über Jahre in Extreme steigerten. So "beleuchtet" sie auch eine mögliche Kehrseite. Die Vorstellung, dass Erwachen etwas mit dem Sieg über den Verstand zu tun hat, in dessen Zusammenhang ja immer wieder behauptet wird, er müsse zuerst ausgeschaltet werden, widerlegt sie auf sehr eindrucksvolle Weise. Wenn es geschieht, kann der Verstand das ganze zwar ad absurdum führen, aber er kann es niemals verhindern. Auch der Glaube, dass in der Wirklichkeit keine Angst mehr existierte, ist wohl ein Mythos. Selbst wenn sie sicher ein Extrem gelebt hat, macht es doch sehr anschaulich, dass der Prozess des Erwachens sehr facettenreich ist und niemals einem anderen Geschehen gleicht. Es war eine faszinierende Geschichte. Und dann der Paukenschlag am Ende des Buches. Die Spekulation über ihren frühen Tod, der ja vermutlich in dem Zusammenhang "nicht hätte passieren dürfen" und sie wieder so "menschlich" macht, ist verrückt. Betroffenheit war auch bei mir spürbar, aber im nächsten Moment konnte ich lächeln. Was nicht geboren wird, kann auch nicht sterben. Das Ego, das den Sinn dahinter erkennen wollte und das Besondere liebt, hat sich kurz und entrüstet in Gedanken gemeldet. Das hat man jetzt von der Erleuchtung! Segal hat gleich in mehrfacher Hinsicht mit diesem weihevollen Sein aufgeräumt. Ich hätte gerne noch mehr von ihr gehört, aber das Spiel des Lebens hat ihren körperlichen Ausdruck höchst "ungnädig" und viel zu früh abberufen. Aber was wissen wir schon?