Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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32 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Warum Gesellschaften verschwanden oder sich erfolgreich entw, 8. Oktober 2005
Jared Diamond analysiert Erfolgs- und Misserfolgsgeschichten menschlicher Siedlungen auf allen Kontinenten anhand von fünf Faktoren. Seine Beispiele sind Montana, die Pazifischen Inseln (insbesondere die Osterinseln), Anasazisiedlungen in Nordamerika, die Mayas und die Besiedlung Grönlands durch die Vikinger. Auch moderne Gesellschaften werden behandelt (Hispaniola, China, Australien). Manchen Gesellschaften ist es gelungen, über Jahrhunderte hinweg erflogreich zu bestehen, andere haben durch das eigene Verhalten das Verlöschen ihrer Gemeinschaft provoziert. Und die zentrale Frage ist natürlich, wo wie heute stehen. Steht die moderne Gesellschaft ebenfalls vor dem Kollaps oder wird es uns gelingen einen ökologischen Selbstmord zu verhindern? Sind wir in der Lage, aus den vergangen Erfahrungen die richtigen Schlüsse für unser heutiges Handeln zu ziehen? Das Buch vermittelt viele Fakten, die es einem erlauben, sachlich über dieses Thema zu diskutieren. Was mir an diesem Buch nicht gefallen hat (im Gegensatz zu den anderen Veröffentlichungen Diamonds) sind der etwas schwerfällige Stil und die vielen Wiederholungen. Dieses Buch hätte kürzer sein können. So ist es eine etwas schwer verdauliche, aber trotzdem interessante Lektüre. Auf jeden Fall, trotz der Kritik am Stil, zu empfehlen. (diese Rezension bezieht sich auf die englische Erstausgabe).
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52 von 61 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Manchmal clever, manchmal öko., 21. Juni 2006
Eines muss man wohl sagen: Diamond ist ein begnadeter Beobachter. Die Fallbeispiele im Buch profitieren davon, dass der Autor nicht nur intensiv Fakten recherchiert, sondern diese durch eigene Beobachtungen ergänzen kann, die einem weniger aufmerksamen Betrachter in der Regel entgehen. Ein Deja Vu für mich: Die intensive, aber seit Jahrhunderten nachhaltige Waldwirtschaft in Deutschland wird im Buch sehr gelobt. Wie grün Deutschland eigentlich ist, habe ich erst nach dem Besuch einiger Länder in Asien und Amerika verstanden. Auch für die Tatsache, dass fast jede Landschaft, der wir auf unserem Planeten begegnen, von Menschen gemacht, zumindest aber beeinflusst ist, schafft der Autor hier Aufmerksamkeit. Es ist schon erstaunlich, wie der Mensch als - scheinbar - überlegene Tierart ein Monopol auf die Gestaltung der Welt errungen hat.
Auch sehr spannend ist im Buch die Beschreibung der untergegangenen oder noch existierenden Kulturen als Formen der Bewirtschaftung von Land. Lebensumstände von Wikingern und Bewohnern der Osterinsel, von Majas und Ruandern werden klar dargestellt. Tatsächlich habe ich einige der Lebensweisen bisher nirgendwo so lesbar beschrieben gefunden. Insofern waren auch die meisten der über 500 Seiten des Buches gut lesbar.
Schwächen bis hin zur Naivität zeigt das Buch jedoch aus meiner Sicht dann, wenn es um die Bewertung politischer und gesellschaftlicher Vorgänge geht. Hier ist der Höhepunkt sicherlich die Deutung des Völkermordes in Ruanda vor dem ökologischen Hintergrund, sowie die scheinbar durch eine "gut funktionierende" Diktatur intakte Landschaft in der Dominikanischen Republik im Gegensatz zu Haiti. Hier scheint mir der Autor die Motivationen der Handelnden nur unvollständig zu verstehen und zu erfassen, und dadurch kann beim Leser der Eindruck entstehen, dass hier Ökologie zu einem Argument für undemokratische Regierungsformen beiträgt. So kann die Rettung der Welt wohl doch nicht aussehen, Ökodiktatur bleibt Diktatur.
Die Defizite in der Bewertung der gesellschaftlichen und politischen Vorgänge finden sich leider auch in der Erklärung des Untergangs bzw. Überlebens der im Buch dargestellten Kulturen wieder. Der Autor verfolgt hier ein sehr einfaches Modell mit wenigen Faktoren, denen die Komplexität von menschlichen Gesellschaften und menschlichen Handelns nicht entspricht. Es gibt einfach nicht nur ein halbes Dutzend Parameter, die über das Überleben einer Kultur entscheiden. Beispielsweise ist das Scheitern einer Gesellschaft wie der Europäischen Antike und Roms bereits seit Jahrhunderten umstritten. Und Erklärungen mit Schwerpunkt Ökologie können hier gerade nicht überzeugen. Aber selbst die durch Diamond selbst gewählten Beispiele sind umso schlechter erklärbar, umso größer und komplexer die genannte Gesellschaft ist. Wirklich überzeugend fand ich seine Analyse nur im Fall der Wikinger in Grönland, und hier stellt sich selbst Diamond die Frage, ob man gegen den Klimawandel hätte erfolgreich gegensteuern können.
Sobald es um die Analyse der Vorgänge geht, liest sich das Buch auch weit weniger spannend, es wird langatmig und der Autor verliert viel Zeit damit, seine Gliederung zu erklären und seine Thesen einfach zu wiederholen. Hier wäre weniger mehr gewesen, wirklich überzeugende Argumente sind aus sich heraus verständlich, man muss sie dazu nicht permanent in ein vereinfachtes Weltbild zwängen.
Fazit: Wichtige Fakten, aber kein wichtiges Buch.
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Interessant, aber nicht immer plausibel, 30. Juni 2007
Anhand mehrerer untergegangener Gesellschaften (Osterinsel, Anasazi, Wikinger auf Grönland) sowie einiger aktueller Fälle (Ruanda, China, Australien) versucht der Autor zu extrahieren, was einem Totalzusammenbruch einer Gesellschaft allgemein zugrundeliegt, und wie man so etwas vermeiden kann. Er kommt zu dem Schluß, daß es immer etwas mit Umweltproblemen zu tun hat, die wiederum verschuldet oder unverschuldet auftreten können. Entweder seien sie die Hauptursache für den Zusammenbruch, oder sie würden anderweitige gesellschaftliche Probleme potenzieren.
In seiner Beschreibung der verschiedenen Kulturen zeigt er großes Detailwissen und Einfühlsamkeit. An dieser Stelle ist das Buch großartig. Sehr gut fand ich auch seine Analyse der Frage, weswegen oft gegen offensichtliche Mißstände nichts getan wird (im Kapitel "Warum treffen manche Gesellschaften katastrophale Entscheidungen?"). Wenn man das Buch aber als Ganzes betrachtet, ist es zu plakativ. Abgesehen davon, daß Wikinger eigentlich nie untergegangen sind und allenfalls den Außenposten in Grönland aufgeben mußten, hat er seine Beispiele genau so gewählt, daß sie seine These von den Umweltproblemen untermauern. Kulturen, die aus anderen Gründen untergegangen sind (Epidemien, Genozide, Imperialismus, religiös oder militärstrategisch motivierte Kriege) kommen bei ihm nicht vor. Beispielhaft hier die Abbildung auf S. 614: Er stellt politische und ökologische Krisenherde in der heutigen Welt gegenüber und kommt wenig überraschend zu dem Schluß, daß sie zu 100 % übereinstimmen. Dumm nur, daß in der Karte der politischen Krisenherde z.B. Sri Lanka, Nahost, Tschetschenien, Korea, Darfur usw. völlig fehlen. So kann man natürlich auch eine Übereinstimmung herbeiführen. Wegen dieser wesentlichen Schwäche in der Argumentation nur drei Sterne.
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