...so könnte man 'The Voice' umschreiben.
Hier wirklich ein Potpourri von Kokias typ. Koloritstil ausgeprägt. In eine scheinbar fremde Welt wird der Hörer gezogen, kaum daß er sich aus dem gemächlichen Takt der Balladen herauswühlt. Andere offenbaren uns die passionierte Opernsängerin in KOKIA. Dieses Werk repräsentieren KOKIA.
Hat sich KOKIA bzw. Akiko, wie ihr Namensspiel sie im wirklichen Leben ausweist, sich mit ihrem ersten Album
Aigakikoeru (unter europäischer Schirmherrschaft) noch stark zurückgehalten, tobt sie sich erstmals mit THE VOICE aus. Hier erleben wir erstmals ununterbrochen ein facettenartiges Highlight der Musikerin.
Wie auch beim Vorgänger und den Nachfolgern, hat man - vermutlich auch rechtsbedingt - verschiedene Versionen des Silberlings vorliegen. Selber nur die franzö. & jap. geläufig, besitze ich die erste - und muß sagen, gerade den letzten Track, 'Watashi ni Dekiru Koto' (z. Gedenken a. d. Opfer des Niigata Erdbebens) will man nicht missen, der anstatt der internationalen Variante 'Say goodbye / Good day' seitens Nippons Plattenindustrie ausgetauscht wurde.
Kokia hat sich aus all dem durch ein eigenes Unternehmen namens ANCO & Co. von dieser Mühle weitgehend gelöst und veröffentlicht seit Mitte 2006 per Vertreiber WASABI Records ihre Alben auf dem europäischen Kontinent. Endlich konnte sie ihren eigenen Weg gehen und belohnt den Hörer mit ausgereifter Musik, die sie von Anfang an produzieren und vermarkten wollte. Wir danken es ihr.
Bekannt wurde KOKIA in Japan - wie so häufig - durch Werbe, Videospiel-u. Anime-Themes. Sie schlugen jedes Mal mit vollen Erfolg. Ihre Alben etablierten sich recht unterschiedlich auf dem jap. Markt, wobei zwei davon unter den ersten 20. Erstplazierten befand.
Ein bewegtes Wechselspiel und Reiberrein mit den beiden Plattenfirmen ließen KOKIAs Wunsch zur Unabhängigkeit reifen. Ihre ersten vier Studioalben
Songbird,
Trip Trip,
Remember me (Japan Version) &
Uta ga Chikara (Japan Version) sind noch stark J-Pop lastig. Einige Tracks lassen uns die aktuelle Kokia erkennen, wenn auch in Rahmenbedingung. Stimmlich hat Miss Akiko Yoshida schon allein durch ihre frühe Musikleidenschaft & Studium (teils im Ausland) alles zu bieten, die den Hörer nur ehrfurchtsvoll lauschen läßt.
Ein weiteres Highlight ist KOKIAs trainierte Aussprache in Englisch und dem irischen Gälisch, was wir in ihrem Minialbum (wo hier schon einige bekannte Stücke aus früheren Werken vorhanden sind)
Kokia - Fairy Dance vernehmen. Hut ab. Ansonsten hat die Künstlerin auch noch eine Kollektion ihrer bisher englisch veröffentlichten Stücke auf die CD
Musique a La Carte gepackt.
An klangvolles Japanisch gewöhnt sich auch das ungewohnte Ohr.
Trackliste:
01. Odayakama Shizukesa / Jyoka
02. Follow the nightingale
03. Ave Maria
04. Todokimasuyoni
05. Song of pocchong (Shizuku no uta)
06. Gomen ne
07. Lacrima
08. Nanimo kamo ga hoshi ni natte
09. Il mare del suoni
10. Everlasting
11. Chiisana uta
12. Watashi ni Dekiru Koto ODER (!) Say Goodbye/ Good Day
Erschien VOICE anläßlich KOKIAs 10-jährigem, finden sich hier bekannte Stücke u.a. aus
Coquillage-Thebest Collection: `Follow the nightingale', `Chiisa na Uta', `Ave Maria', `Everlasting', `Song of pocchong' und -auf fanz. Version!- `Say Goodbye & Good Day'. Alle anderen Beiträge sind neu.
Ganz klar eine Kaufempfehlung für Fans der ,,neuen'' Kokia. Zusammen mit diesem sind 'Balance', 'REAL WORLD' und 'Moment' eine wunderbare Auswahl an Werken. Natürlich gibt es auch noch 'Christmas Gift' für die Weihnachtszeit, welches sicher kein Muß darstellt.
'Aigakikoeru' stellt für mich persönlich ein Gradwanderung dar. So ganz grün werde ich (wie mit d. unterlegenen japanstilisierten ersten Silberlingen) mit dem Album nicht. Bis auf vereinzelte Tracks wie u.a.' Itsuka Dareka wo Ai Shita Toki' (Someday when you love someone), ' Uchuu ga.... (A universe is...)' oder 'so bad so bad' ist mir die Sache zu unausgewogen und entspricht nicht KOKIAs jetzigen Stand.
Vorliegendes bietet Ätherisches aber auch ein ungewohnten Beitrag: 'Song of pocchong'. Etwas andersartig, aber fügt sich einwandfrei in das Album. Der einzige Song der nun gar nicht in diese Gebilde paßt ist der oben schon erwähnte Euro-Track 'Say goodbye / Good day'. Mit diesem muß man sich eben dann arrangieren, erwirbt man jene. Wunderbar sind die langsamen gitarrengetragenen Stücke 'Todokimasuyoni' und 'Watashi ni Dekiru Koto'. Aber egal welche Richtung, alle hier sind einfach ein kleines Stück Sinnlichkeit. 'Lacrima' (Wiegenlied) u. 'Chiisana uta', gehören zu d. ruhigen Vertretern; zweites mit Pianobegleitung. 'Everlasting' erinnert stark an die bekannte Irin ENYA. Wie die beiden ersten Tracks kann man 'Il mare del suoni' dem Reich der Phantasie zuordnen. Super! Und die Komponistin gibt ihr stimmlich alles: Neo Klassik und New Age, wenn man so will. 'Nanimo kamo ga hoshi ni natte' & 'Gomen Ne' (übersetzt soviel wie Entschuldigung bzw. Verzeihung): Independentmusik mit erkennbaren jap. Tendenzen. Erstes erinnert an MISIA, ein sagenhaft anderes jap. Stimmwunder, welche sich ungefähr der R'n'B, Soul, HipHop & Gospel-Ecke wiederfindet. 'Ave Maria' ist auch in
Christmas Gift beheimatet.
Der neuste Ableger heißt 'Pieces' - eher durchwachsen und mit etlichen Animeintros bestückt. Es gibt auch noch drei KOKIA-Alben-Kollektionen, wobei davon 'Pieces' d. neustes Greatest Hits Album darstellt. Anischt.
Pearl-the Best Collection & `Coquillage - The Best Collection II' gehören zu der Reihe. Fakt ist, ihre Anime-Themes decken gezielt d. breite jap. Publikum ab und lassen sich am ehesten mit Yuki Kajiura vergleichen, die neben Yoko Kanno eine der bekannten Soundtrackkomponistinnen ist.
THE VOICE ist ein superschöner Einstieg für das neue Kokia-Zeitalter.
Fünf knackige Sterne.