Wir schrieben den 22. September 1974, als auch Fernseh-Deutschland von einem Phänomen befallen wurde, wie es 18 Monate zuvor bereits die gesamte USA ergriffen hatte - dem KOJAK-FIEBER. An diesem Tag strahlte die ARD den sogenannten Pilotfilm DER MORDFALL MARCUS NELSON aus. Dieser war ursprünglich von den Produzenten nur als einzelner und abgeschlossener Fernsehfilm angedacht, aufgrund des enormen Erfolges aber sofort zur Wiege einer der beliebtesten Krimiserien avanciert: 5 Staffeln mit insgesamt 118 Folgen sowie 7 spätere Specials bzw. Episoden in Spielfilmlänge sind daraus in der Bilanz schließlich erwachsen.
Bei uns startete die Serie unter dem eingedeutschten Titel EINSATZ IN MANHATTAN am 3. Oktober 1974 auf dem obligatorischen Krimi-Sendeplatz der ARD, donnerstags 21:00 Uhr. Da hier jedoch nur 45 Minuten Zeit zur Verfügung stand, weil die anschließende Magazinsendung Priorität besaß und die TAGESSCHAU um 22.30 Uhr ohnehin den Heiligenschein trug, wurden die ausländischen Serien damals entsprechend geschnitten, um sie in das starre Programmschema stopfen zu können. Da dies aus Kostengründen in aller Regel vor der Synchronisation geschah, fehlt den betroffenen Szenen natürlich der deutsche Ton, wenn man die Episoden jetzt erstmals in Originallänge auf DVD erwerben kann. Gleichsam ist es ein reizvolles Studium, nach über 30 Jahren das Schnittmuster der Sequenzen zu sehen, welche uns die Verantwortlichen damals als verzichtbar vorenthielten.
Und noch weitere Kuriositäten addieren sich hinzu: Im Wechsel mit anderen Krimiserien wie COLUMBO oder CANNON zeigte die ARD bis zum Jahre 1978 zunächst nur 62 Episoden des beliebten Glatzkopfes. Erst ab dem 4. Januar 1991 tauchten dann 37 weitere Folgen, jeweils freitags um 17:35 Uhr, in den Regionalprogrammen auf. Und später dann, im Privat-TV, liefen schließlich neben den KOJAK-Spielfilmen aus Ende der 1980er auch noch die restlichen Episoden der 1970er Staffeln. Hinzu kommt der Umstand, daß hierzulande (wie üblich) damals stark selektiert und die Original-Reihenfolge der Seasons nicht beachtet wurde.
So erleben wir also nun mit der DVD-Box nicht nur erstmals die 22 ungeschnittenen Folgen der 1. Staffel, sondern auch einen Mix der verschiedenen Synchronjahrgänge und daraus resultierend pro Folge unterschiedlich lange Passagen mit O-Ton und festen deutschen Untertiteln oder sogar durchgängiger Synchro. In den Folgen 5 und 21 ist Telly Savalas übrigens mit einer anderen Stimme zu hören, da stand der für KOJAK gewohnte Synchronschauspieler Edgar Ott (2.7.1929 - 13.2.1994) leider nicht mehr zur Verfügung. Für ihn sprang der Kollege Christian Rode ein, was natürlich etwas gewöhnungsbedürftig ist. Auch George Savalas (Stavaros) erklingt hier mit der Stimme von Andreas Mankopff, anstelle des gewohnten Manfred Grote. Kevin Dobson (Crocker) sowie auch Dan Fraser (Cpt. McNeil) werden aber sogar bei diesen sehr spät synchronisierten Folgen weiterhin von Hans Werner Bussinger bzw. Heinz Giese vertont. Man merkt zwar deutlich die stimmliche Alterung, muß aber auf den vertrauten Klang nicht verzichten.
Diese Informationen einmal für all die Jüngeren, die heutzutage viele der damaligen Sachverhalte gar nicht mehr richtig nachvollziehen können und daher manch falsche Ansicht darüber pflegen.
Fazit: Die Edition der 1. Staffel KOJAK ist ein ganz besonderes Highlight, Bild- und Tonqualität sind erstklassig für das Alter des Materials. Und den 136:32 minütigen Pilotfilm gibt es als Bonus auf DVD 7 noch mit dazu, komplett in deutscher Fassung (sogar die Titeleinblendung). Einziges Manko: 6 der insgesamt 7 DVD`s lagern überlappend in Halterungen, die durch seitliche Release Buttons etwas viel Spannung auf die kostbaren Silberlinge ausüben. Ansonsten eine würdige Box eines grandiosen Serien-Oldies.