Bieder geht es also nicht unbedingt zu, wenn man mit Kohl kocht. Die Klassiker aus Großmutters Zeiten werden die meisten Besitzer dieses Kochbuchs sicher trotzdem zu schätzen wissen, denn eine deftige Kohlroulade, von der man im Buch diverse Varianten findet, kommt im Winter bei vielen Menschen gut an, ebenso mancher Eintopf und Auflauf.
Aber auch ein richtig schickes Menü mit zwei oder drei kohlhaltigen Gängen ist möglich, so die genannte tiefrote Rotkohlsuppe mit den dekorativen Apfelchips in Kombination mit Blumenkohl-Birnen-Rohkost und einem der festlichen Hauptgerichte. Schon beim Durchblättern dürften viele Leser feststellen, dass sie die Vielseitigkeit des Kohls unterschätzt haben, zumal sich die verschiedenen Kohlsorten recht unterschiedlich und interessant einsetzen lassen.
Jedem Rezept steht im Allgemeinen eine Seite zu, selten weniger, manchmal eine Doppelseite, je nach Aufwand, und zu jedem Rezept gibt es ein relativ großformatives Foto des fertigen Gerichts. Erfordert die Vorbereitung einer Speise mehrere komplexe Schritte, so findet man mehrere Abbildungen, die diese Schritte illustrieren. Der Grazer Verlag "übersetzt" übrigens österreichische und "Deutschland-deutsche" Küchenausdrücke direkt vor Ort ineinander, also in den Rezepten und nicht etwa in einem Glossar.
Auch die Rezepte selbst sind übersichtlich dargestellt. Die Zutatenliste ist gegebenenfalls unterteilt in "Bestandteile" des Gerichts wie Sauce, Gemüsebeilage und "Hauptelement". Vorbereitung und Zubereitung werden jeweils getrennt Schritt für Schritt beschrieben. Allenfalls die relativ kleine Schrift irritiert ein wenig, wenn man beim Kochen schnell mal den aktuellen Schritt nachsehen möchte.
Die angegebene Zubereitungszeit bezieht sich nach Erfahrung beziehungsweise Eindruck der Rezensentin auf Hobbyköche mit etwas Routine und gibt auf jeden Fall einen guten Anhaltspunkt.
Insgesamt bietet dieses Buch viele tolle Anregungen in benutzerfreundlicher Darstellung zu einem sehr fairen Preis. Es wendet sich nicht nur an eingefleischte Freunde des einheimischen Gemüses, sondern auch an alle, die gern Herkömmliches und Neues, Bodenständiges und Extravagantes miteinander verbinden.