Vorab: Eine qualifizierte Besprechung der Kodak Z990 setzt eigentlich voraus, dass man einen Vergleich zu Parallelprodukten anderer Hersteller hat. Das ist nicht der Fall, so dass meine Meinung nur eingeschränkt gewertet werden kann. Denn meine bisherigen Digitalkameras waren alle von Kodak, nämlich die DX7630 und zuletzt eine feine Z1015. Mit beiden Apparaten war ich als Amateur recht zufrieden.
So habe ich frohgemut zum neuen Modell Max Z990 mit den zahlreichen neuen und verlockenden Möglichkeiten gegriffen. Erleichtert wurde diese Entscheidung noch durch den vergleichsweise moderaten Preis. Um es vorwegzunehmen: Mit den Fotos - und das ist ja die Hauptsache - kann man weit überwiegend sehr zufrieden sein, und das in verschiedenen Einstellungen, wie im Intelligente-Aufnahme-Modus, in den Modi der manuellen Belichtungssteuerung P,A,S,M, im hochdynamischen Bereich HDR (zur Beherrschung schwieriger Lichtverhältnisse bei großen Kontrastgegensätzen) sowie im sogen. Kreativmodus. Herzstück ist ein BSI-CMOS-Sensor, der insbesondere unter schlechten Beleuchtungsverhältnissen und bei hohen ISO-Werten (bis 6400) Verbesserungen bringen soll. Die Fotos lassen sich zur Erhaltung des maximalen Bildinhalts auch als RAW-Dateien abspeichern und bei Bedarf entwickeln und bearbeiten. Das gigantische 30-fach Zoomobjektiv von Schneider Kreuznach in Verbindung mit dem optischen Bildstabilisator arbeitet fabelhaft. Selbst bei Einsatz des maximalen Zoom werden weit entfernte Objekte, aus der Hand fotografiert, erstaunlich scharf abgelichtet, das kann schon begeistern - siehe 2 Fotos vom Pfaffenstein und 2 vom Königstein/Sächs. Schweiz(oben bei "Kundenbilder" anzuschauen). Die ggf. stärkere Blaufärbung bei weit entfernten Objekten im Gebirge durch den Einfluss der Atmosphäre lässt sich durch "automatische Tonwertkorrektur" nachträglich noch etwas mindern.
Das Aufnehmen von Videos in Full-HD-Qualität hat auf Anhieb gute Ergebnisse in Bild und Ton erbracht, selbst bei ungünstigen Belichtungsverhältnissen unter stärkeren Hell-Dunkel-Kontrasten. Das ermutigt zu weiteren Experimenten, einen möglichst verwacklungsarmen Kamerastandort bzw. eine hinreichend ruhige Führungshand vorausgesetzt. Dann lässt sich eine erstaunlich hohe Videoqualität erzielen. Ob allerdings die Akkukapazität für eine halbe Stunde Aufnahmedauer ausreicht, kann ich noch nicht beantworten.
Vorteilhaft ist weiterhin, dass Sucher wie Display gegenüber der Z1015 eine doppelt so hohe Auflösung besitzen, was wohltuend bei der Einstellung und Einschätzung eines Motivs ist - übrigens auch ein weiterer Grund dafür, dass ich mich für diese Kamera interessiert und zum Kauf entschieden habe. Eine weitere Verbesserung wünschte ich mir für die Zukunft in einem Sucher mit Dioptrienausgleich. Dann bekämen auch die Brillenträger eine noch bessere Vorabkontrolle über die Einstelldaten und die zu erwartende Brillianz der Aufnahme.
Bildformate kann man in fünf Stufen vorwählen, allerdings nicht im RAW-Modus. Hier gibt es nur das Maximalformat 4:3. Da ich meine Fotos gern auf einem 40"-Fernseher im Format 16:9 präsentiere, bedaure ich diese Beschränkung im RAW-Modus sehr. Vielleicht kann ein künftiges Firmware-Update diesen Nachteil noch korrigieren, vielleicht aber geht das aus prinzipiellen Gründen nicht. Apropos Mangel: So interessant und anspruchsvoll die Z990 selbst ist, so armselig und lieblos sind die Kurzbedienungsanleitung, mehr noch das erweiterte Benutzerhandbuch, das im Internet offenbar - recht nervend - nur seitenweise herunterzuladen bzw. auszudrucken ist. Inhalts- und Sachwortverzeichnis sind ohne Seitenangabe, so dass Suchen angesagt ist. Eine herunterladbare pdf-Datei gibt es anscheinend auch nicht. Lieber hätte ich 20,-¤ für ein besser lesbares Benutzerhandbuch draufgelegt! Denn die Schriftgröße ist für Augen, die nicht mehr so ganz taufrisch sind, leider etwas klein - ein Ärgernis, dass allerdings nicht nur bei Bedienungsanleitungen von Kodak auftritt!
Bei allem Lob für die Z990, soweit das eine Einschätzung nach erst kurzem Gebrauch überhaupt zulässt, möchte ich eine aufgetretene Unart nicht verschweigen, weshalb ich meine erste Z990 umgetauscht habe: Im Verlauf von ca. 200 Bildern hatte sie sich 3-mal 'aufgehangen', d.h., jeweils beim Betätigen des Auslösers erschien ein dunkelgraues Display und nichts ging mehr, selbst das Ausschalten war nicht möglich. Erst durch Öffnen des Akkuschachts und damit durch Unterbrechen der Stromversorgung konnte ich den Apparat - und mich - aus dieser misslichen Situation befreien. Nun bin ich gespannt, ob das Problem mit dem Umtausch behoben ist. In diesem Zusammenhang ein ganz dickes Lob an den Service von Amazon, das die Beanstandung und den Umtausch schnell und unkompliziert bearbeitet hat.
Als Fazit möchte ich schließlich festhalten, dass ich diese Kamera trotz der genannten Einschränkungen sehr empfehlen kann. Die Fotos sind farblich sehr natürlich und die Kontraste angemessen - was eine gewisse Korrektur mit Fotobearbeitungssoftware am PC dennoch nicht gänzlich auszuschließen braucht. Ich habe kaum eine andere Digitalkamera in diesem Preissegment mit ähnlich hohem Leistungsspektrum gefunden, so dass ich von den 5 Sternen wegen der genannten Unzulänglichkeiten, die die Kamera selbst allerdings eher nur gering betreffen, nur einen halben Stern in Abzug bringe. Nach reichlich zweimonatigem Gebrauch bin ich von der Kamera und deren Leistungen sogar noch stärker, als ich es ursprünglich schon war, beeindruckt, so dass ich jetzt sogar gerne 5 Sterne vergebe.