Das Buch bietet eine Fülle von überraschenden Enthüllungen hinsichtlich des Einflusses, den Nahrung, Mahlzeiten und Kochen auf die Menschen und ihr Zusammenleben ausüben.
Ausgehend von den grundlegenden historischen Entwicklungen, widmet es sich in erster Linie unserer heutigen Situation, in der ein neues Ernährungsmodell sich mit aller Macht über den gesamten Planeten ausbreite, nämlich das "des Essers als reinem Konsumenten", verursacht durch das Zusammentreffen dreier Kräfte: die Emanzipation der Frauen, die zunehmende Autonomie der Individuen und das immer größere Angebot an neuen Produkten und Dienstleistungen. Der Mensch könne nun überall mit größter Leichtigkeit essen. Allein unter der Bedingung, dass er dafür bezahlen kann, habe er eine reichliche Fülle zur Hand. Der Kühlschrank sei anstelle des Herdes zum Zentrum der häuslichen Nahrungsorganisation geworden und trage in ungeahntem Ausmaß zur Auflösung der kollektiven Disziplin des gemeinsamen Essens bei. Obwohl er damit auch am Abbau der innerfamiliären Verbundenheit beteiligt sei - denn die gemeinsamen Mahlzeiten bewirkten eine Stärkung der Familienbande - komme er andererseits dem Wunsch des Individuums nach Autonomie und Freiheit entgegen. Das neue Ernährungsmodell der fortschreitenden Individualisierung entwickle sich unerbittlich, doch das Gegenmodell der um den Tisch versammelten Familienmitglieder, die beim gemeinsamen Essen das Band knüpfen, das sie zusammenhält, bewahre eine umso größere Anziehungskraft.
Das Buch gibt zahlreiche Denkanstöße, indem es die Augen öffnet für das, was hinter der profanen Alltäglichkeit unserer Ernährungsgewohnheiten verborgen liegt. Nicht selten scheint es mir den Nagel auf den Kopf zu treffen und zum Kern der Wahrheit vorzudringen. Von allen Seiten beleuchtet es die zahlreichen, oft sehr widersprüchlichen Facetten, die unser Verhältnis gegenüber unserer Ernährung bestimmen, und lässt vieles in einem neuen Licht erscheinen.