Sarah Wieners "Kochbuch" stach mir als preisreduziertes Mängelexemplar ins Auge und ich war - nach kurzem Durchblättern - doch sehr interessiert, was die Österreicherin, die ich bisher nur aus Kerners Koch-Show kenne, da zum Besten gibt. Schließlich sehen die Rezepte ganz anders aus, als man sich Kochrezepte eben vorstellt - das hat mich aber nach dem ersten Durchblättern nicht abzuschrecken vermocht.
Wer also genau nach Mengenangaben kochen möchte, wird an den Rezepten keinen Spaß haben, denn exakte Mengenangaben sucht man oft vergebens. Auch sind die meisten Rezepte eher intuitiv - für solche die schon gut kochen können - beschrieben.
Die Zielgruppe dieses Kochbuches dürften eher Hobbyköche -keinesfalls Anfänger - sein, die sich für österreichische Rezepte interessieren. Oder ihre Freunde, denn viele Absätze sind guten Freunden und Bekannten gewidmet.
Worauf Sarah Wiener im Vorwort besteht ist, dass sie gerne mit frischen Zutaten kocht, also keine Fertigsoßen, Mixgewürze oder irgendwelche Geschmacksverstärker verwendet werden sollen. Genau das macht mir ihre Küche extrem sympathisch.
Sie lüftet das Geheimnis um speckig gewordene Sachertorten, wofür ich ihr unendlich dankbar bin. Da hätte auch ich nach dem x-ten misslungenen Versuch drauf gekommen sein können, tsss ... ! Sie macht das "Wiener Schnitzel" auch lieber mit Schweinefleisch, wegen dem interessanteren Geschmack. Und so könnte ich die Liste der Dinge fortführen die dieses Kochbuch für mich zu einem kleinen Schatz machen.
Was ihr Kochbuch außerdem zu etwas Besonderem macht, sind die vielen G'schichterln die sie rund ums Kochen und um ihre vielen Erlebnisse an Drehorten (Filmsets) schildert. Nicht umsonst ist sie eine bekannte Künstler-Köchin; sie bekochte Leinwandgrößen, Schauspieler (Maximilian Schell, Otto Sander) und Popstars (Bruce Springsteen, Joe Cocker) - und wir als Leser erfahren viele interessante Details, wie so eine mobile Küche an einem Drehort "funktioniert". Spannend zu lesen beispielsweise die "Anfänge" als sie sich von der NVA einen W50 gekauft hat; und an welchen Drehorten sie damit unterwegs war.
Kurz und gut: Das hier ist ein echt sympathisches, wenn auch minimalistisch - kaum und wenn dann nur s/w bebildert! - gehaltenes Meisterwerk.