Ein herrlich unkonventionller Roman in einer exzellenten Übersetzung von Hans-Ulrich Möhring, dem es gelingt, den Wortwitz und die lockere Sprache ins Deutsche zu übertragen.
Wie Schmieröl zieht sich der Fernet-Branca durch die Beziehung der beiden Nachbarn Gerald und Martha. Er markiert den klassischen Altherrentyp des von sich selbst überzeugten Briten, sie die freiheitsliebende Prinzessin eines winzigen aber stolzen Landes im Osten. In wechselnden Perspektiven schaukelt sich die Situation hoch gleitet durch wechselseitige Missverständnisse, esoterisch verklärte Popgrößen, Hundeauflauf, woinowische Würste, intelektuelle Regisseure und mafiöse Verwicklungen.
Gerald Sampers Waffe ist die Kochkunst, die er unantastbar absurd zelebriert. Martha bedient sich ihrer Musik, in der sie ihren Nachbarn parodiert. Und unvermeidlich landen die zwei Streithähne immer wieder beim Fernet-Branca, der literweise durch die Seiten strömt.
Ein skurriles, groteskes Lesevergnügen zwischen ironischen Seitenhieben, vergnüglichen Charakteren und haarsträubenden Situationen. Stilistisch hält der Roman ein hohes Niveau und eine gute Balance zwischen Slapstick und trockenem Humor.
Zum Nachkochen ungeeignet, zum Lesen empfohlen!