Erstens bin ich von der Spielidee sehr angetan. Sie schlüpfen in die Rolle von Dave, einem Ex-Cop und TV-Moderator und sollen ein düsteres, von Zombies und Geistern bevölkertes Spukhaus erkunden. Der Clou dabei: das alles wird live im Fernsehen übertragen, ein Kameramann ist immer mit dabei. Das ist Reality-TV auf extrem, die Mischung: "Ärger im Revier", zusammen mit "Fear" und eine gute Portion "Texas Chainsaw Massacre" dazu. Grafisch ist das Spiel mittlerweile hoffnungslos veraltet, aber man kann damit leben, das die Gegend etwas krümelig und kantig wirkt und die Animationen der Zombies hölzern sind - aber Zombies bewegen sich ja eigentlich auch in den Filmen so. Die Grafik kann aber auch Pluspunkte bei der Gestaltung und dem Detailreichtum der Räume einheimsen. Es gibt viel zu entdecken im riesigen Garten der alten Villa und im Haus selbst, das schafft eine recht düstere Stimmung. Der Sound hingegen ist auf ganzer Linie eher unter dem Durchschnitt, egal ob Effekte oder Musik. Während die Musik sich auf stumpfes Techno-Gestampfe ohne Melodie beschränkt (besser gleich abschalten) sind die Effekte rar gesät, bei einem Schuss aus der Pistole hört man nicht einmal den Knall, auch die Zombies grunzen nur unmotiviert vor sich hin. Zum Spiel selbst ist zu sagen, dass meiner Meinung nach eine gute Mischung zwischen Action und Rätseln vorliegt, wobei aber die Action klar dominiert. Die Rätsel beschränken sich oft auf ein Auffinden einer Notiz, in welcher einem manchmal in Rätselform nahegebracht wird, in welcher Reihenfolge Schalter zu drücken sind oder mit welcher Kombination dieses oder jenes Schloss zu knacken ist. Die Steuerung ist anfangs gewöhnungsbedürftig. Zwar ist die Mischung aus Maussteuerung (drehen, zielen, schiessen, benutzen) und Tastatur (bewegen, Inventar, Kamerasteuerung) recht komfortabel und so einfach wie möglich gehalten, aber da einem kein Fadenkreuz zur Verfügung steht, sondern ein auf der Waffe montierter Laserpointer, der nur ein winziges Pünktchen in die Landschaft malt, welches auch noch bei der kleinsten Mausbewegung wild hin- und herzuckt, ist das genaue Zielen und Anvisieren eines Gegners sehr schwer. Mit einiger Übung und einer ruhigen Hand an der Maus ist aber auch dieses Hindernis nach ein paar Minuten der Eingewöhnung überwunden. Noch ein Nachteil: Items, die in der Gegend herumliegen (z.B. Medipacks oder Munition) sind nur wenige Pixel groß und deshalb in der meist düster und dunkel gehaltenen Umgebung schwer zu erkennen. Speichern ist nur bei in einigen Räumen stehenden Fernsehern möglich. Gemein: nach einmaligen Gebrauch lösen sich ebendiese Fernseher in Luft auf, also heißt es: Gut Haushalten mit den TV's. Eigentlich eine Menge negativer Punkte, und trotzdem 5 Sterne? Ja! Das Spiel macht einfach einen Heidenspaß. Die Zombies lassen sich mit gezielten Schüssen komplett zerlegen, wer gut zielt, kann einem Zombie mit einem Schuss den garaus machen (Kopfschuss - meistens ist dann auch der Kopf weg), ausserdem lassen sich Arme und Beine abtrennen usw. Splatterfans kommen VOLL auf ihre Kosten. Stylische Todesszenen der Zombies werden in Zeitlupe mit Kameradrehung gezeigt, ausserdem lassen sich mehrere Kameraeinstellungen wählen, z.B. die Live-Cam (aus der Sicht eures Kameramannes), eine Fly-Cam (aus dem Helikopter) oder die Mini-Cam (ein Minihubschrauber, der euch immer verfolgt, die beste Einstellung um das Spiel zu spielen). Wer mit Frust umgehen kann und auf Splatter steht, der sollte sich das Spiel zulegen... immerhin ist es auch eines der wenigen Spiele mit großem Splatterfaktor, das nicht auf dem Index steht.